Moderatorin Ines Klose nimmt ihr Publikum im Experimenta-Podcast auf spannende Reisen ins All, in den Darm und in die Welt fremder Wahrnehmungen mit.
Foto: Berger, Mario
Was passiert in unseren Körpern, während wir schlafen? Wie funktioniert das menschliche Gehirn? Und warum schmeckt Kaffee so vielseitig? In „Fragwürdig – der Podcast mit Antworten“ der Heilbronner Experimenta setzt sich Ines Klose in den 15 bis 35 Minuten langen Folgen sowohl mit alltäglichen als auch außergewöhnlichen Phänomen auseinander.
Zusammen mit Experten aus der Wissenschaft hinterfragt sie die Gegebenheiten, geht ihnen auf den Grund und erzeugt dabei Aha-Momente. Bei den Zuhörern – und bei sich selbst. Im Interview spricht die 40-Jährige über die Beziehung zwischen Moderator und Publikum, Rechercheüberraschungen und den manchmal schmalen Grat zwischen wissenschaftlicher Abstraktion und verständlicher Klarheit.
Experimenta-Podcast zeigt überraschende wissenschaftliche Zusammenhänge
Immer kürzere Aufmerksamkeitsspannen und der stetige Drang, weiterzuschalten. Wie gelingt es Ihnen, die Podcast-Hörer bei der Stange zu halten?
Ines Klose: Wenn ich beim Recherchieren auf überraschende Fakten und Zusammenhänge stoße und mir denke „Wow, das hätte ich niemals erwartet“, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das auch die Zuhörer fasziniert.
Haben Sie ein Beispiel?
Klose: Das Thema Synästhesie: Alles fing damit an, dass eine Kollegin mir erzählt hat, dass sie beim Musikhören Farben sieht. Das hat mich sehr fasziniert. Das ist das Tolle an meiner Arbeit: Ich lerne selbst wahnsinnig viel und komme mit Inhalten in Berührung, von denen ich vorher gar nicht gewusst habe, dass sie existieren.
Im Podcast: Hörer bemerkt sofort den Spaß des Moderators
Was macht den Reiz des Formats Podcast aus?
Klose:Da ein Podcast rein akustisch ist, entstehen bei jedem Hörer eigene Bilder im Kopf. Das macht Podcasts zu einem sehr persönlichen Medium, bei dem man, im Gegensatz zu einem Film, keine fertigen Eindrücke präsentiert bekommt.
„Man muss sich dafür interessieren, worüber man redet.“
Ines Klose
Welche Rolle spielen dabei Sie als Moderatorin?
Klose: Durch die Stimme entsteht ein enges Verhältnis. Man hört ja sofort, ob jemand wütend ist, traurig oder einen Lachanfall hat. Das reißt mit. Man merkt auch klar, ob der Moderator Spaß hat oder nicht. Deswegen muss man sich dafür interessieren, worüber man redet. Dann haben die Zuhörer und der Moderator zusammen ihre Freude. Sonst verlieren alle.
„Fragwürdig“-Podcast: Sinnvolle Erweiterung des Experimenta-Angebots
An wen richtet sich „Fragwürdig“?
Klose: Während man viele Vor-Ort-Angebote der Experimenta schon als Kind nutzen kann, sollte man für den Podcast mindestens im Teenager-Alter sein. Spezielles Fachwissen ist aber nicht notwendig. Interesse und Grundlagen aus dem Schulunterricht sind ausreichend.
Die Heilbronner Experimenta ist Deutschlands größtes Science Center.
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Sie haben Philosophie studiert. Was fasziniert Sie als Geisteswissenschaftlerin an naturwissenschaftlichen Themen?
Klose:In der Antike gab es diese strikte Trennung zwischen Philosophie und Naturwissenschaft oft nicht. Auch wenn sich im Laufe der Zeit unterschiedliche Methoden in den Disziplinen etabliert haben, sind sie sich vom Grundgedanken her ähnlich: Man schaut genau hin, fragt systematisch: Warum ist das so? Wenn man dann eine Antwort hat, muss man diese prüfen: Ist das wirklich logisch? Gibt es andere Möglichkeiten? Und was haben andere dazu herausgefunden? Erkenntnisse sind immer ein Gemeinschaftsprodukt und können auch mal aus dem Zusammenspiel unterschiedlicher Fachrichtungen entstehen.
Klose:Die Inspirationsquellen sind unterschiedlich. Ich lese sehr viel, erfahre Spannendes in Gesprächen bei der Arbeit oder auch im privaten Rahmen. Dann denke ich: „Warum habe ich mich das nie gefragt?“ Anschließend beginne ich, zu recherchieren. Fragen sind ein super Zugang zur Welt. Die Planung für eine Folge kann Monate dauern, wobei ich in dieser Zeit noch andere Projekte bearbeite. Die Vorbereitung ist ein bisschen wie Detektivarbeit: Ich muss mich sehr gut auskennen, um dem Experten die richtigen Fragen zu stellen. Jedes Detail kann entscheidend sein, um das Thema den Zuhörern verständlich zu vermitteln.
„Wenn ich es nicht schaffe, komplexe Gedanken so rüberzubringen, dass der Zuhörer Spaß hat, habe ich mein Ziel verfehlt.“
Ines Klose
Wie gelingt Ihnen das? Ihre Inhalte sind ja nicht frei von Abstraktion und grauer Theorie?
Klose: Ich frage mich: „Wie möchte ich die Inhalte selbst gerne präsentiert bekommen?“ Sehr lange Sätze und Fachbegriffe am laufenden Band möchte niemand hören. Ebenfalls wie bei den anderen Angeboten der Experimenta geht es darum, die Inhalte an konkreten Beispielen zu veranschaulichen und zu weit Führendes wegzulassen. Dabei muss aber selbstverständlich alles richtig sein. Wenn ich es nicht schaffe, komplexe Gedanken so rüberzubringen, dass der Zuhörer Spaß hat, habe ich mein Ziel verfehlt. Am besten ist es, wenn der Podcast ein Schubs in Richtung Interesse ist und der Hörer Lust bekommt, sich tiefer mit dem entsprechenden Thema zu befassen.
Für Science-Center-Podcast auch mal im Schlaflabor
Welche Podcasts hören Sie selbst gerne?
Klose: Ich mag serielle Podcasts, die ein Thema über mehrere Folgen hinweg tief behandeln. Zum Beispiel „Banksy – Rebellion oder Kitsch?“ aus der ARD-Audiothek. Manche True-Crime-Podcasts finde ich spannend – und natürlich höre ich auch Wissenschaftspodcasts. Podcasts bieten die Chance, in die Gedanken und Lebenswelten von Menschen einzutauchen, die nichts mit dem eigenen Alltag zu tun haben.
In „Fragwürdig“ tauchen Sie ja auch ein Stück weit in die Lebenswelt der Wissenschaftler ein, mit denen Sie für die Folgen sprechen.
Klose: Ja. Am Anfang jeder Folge führe ich zum Thema hin. Dann steht ein konkretes Forschungsprojekt meiner Gesprächspartner im Zentrum. Dafür nutze ich auch Einspieler aus aufgezeichneten Gesprächen mit den Wissenschaftlern. Für das Interview zur neuesten Folge rund um das Thema Schlaf war ich beispielsweise in einem Schlaflabor zu Gast. Aber in der Regel finden die Gespräche per Online-Konferenz statt, da die Experten oft Hunderte Kilometer entfernt von Heilbronn arbeiten.
Podcast-Präsentation ist immer vom Themenfokus abhängig
Worauf legen Sie bei der Podcast-Gestaltung besonderen Wert?
Klose: Darauf, den Mittelweg zwischen fachlich korrekt und vereinfacht zusammengefasst zu finden. Das ist oft eine Gratwanderung.
„Am besten ist es, wenn der Podcast ein Schubs in Richtung Interesse ist.“
Ines Klose
Ist es bei manchen Themen problematisch, dass die visuelle Komponente zum Erklären entfällt?
Klose: Ich habe noch kein Thema deswegen verworfen. Der Trick dabei ist, wie man den Fokus setzt. Wenn man zum Beispiel einen Podcast über die Tiefsee machen möchte, ist es ein Unterschied, ob man über die Geschichte der Tiefsee-Forschung oder über das Leben am Meeresgrund berichtet.
Podcast-Moderatorin Ines Klose: Besonderes Interesse für Dunkle Materie
Gibt es Inhalte, für die Sie noch nicht den richtigen Fokus bezüglich der auditiven Vermittlung gefunden haben?
Klose: Noch nicht, aber es gibt natürlich Folgen, bei denen das schwieriger ist als bei anderen. Meine Liste der Themen, die – ganz im Sinne des Podcast-Titels – fragwürdig und es damit Wert sind, näher betrachtet zu werden, ist sehr lang.
Auf welche Frage, die bislang noch nicht erforscht ist, wüssten Sie selbst gerne eine Antwort?
Klose: Ich wüsste gerne mehr über Dunkle Materie. Woraus besteht sie? In der Theorie gibt es jede Menge Dunkle Materie überall im Weltall. Aber wir können sie weder sehen noch derzeit messen.
Zur Person
Im PR-Team der Experimenta in Heilbronn ist Ines Klose seit 2020 über den Podcast hinaus unter anderem für den Newsletter des Science Centers, News auf der Website sowie Informationen im Intranet zuständig. Die 40-Jährige hat an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz Philosophie und Germanistik studiert. Nach ihrem Magisterabschluss und einem Radiovolontariat in Bad Kreuznach war sie als freiberufliche Printjournalistin tätig – unter anderem für die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Ines Klose lebt in Heilbronn.
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