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Zu viel Zucker und Koffein

Energydrinks erst ab 16 Jahren? Heilbronner Schule setzt auf Einsicht statt auf Verbot

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Es gibt einen Boom bei Getränkedosen. Die neue Bundesregierung will Red Bull & Co aber erst ab 16 Jahren erlauben. In Schulen sind die stark koffeinhaltigen Zuckerbomben nicht gerne gesehen. 


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Erfrischungsgetränke wie Cola, Limonaden, Energydrinks, Saftschorlen und Eistees aus der Dose sind beliebt wie nie, vor allem bei Jüngeren. Mehr als 70 Prozent der Umsätze werden mit Energydrinks erzielt. Nun berät die designierte Bundesregierung darüber, für den Verkauf eine Altersgrenze von 16 Jahren festzulegen. 

Zu viel Koffein und Zucker: Energydrinks sind an Schulen nicht gern gesehen

„Die gesundheitlichen Risiken, die mit einem übermäßigen Konsum dieser Getränke einhergehen, sind wissenschaftlich belegt.“ Dies hat der Bürgerrat „Ernährung im Wandel“ festgestellt. 

Im Burghardt-Gymnasium Buchen sind Red Bull, Monster und andere Energydrinks seit drei Jahren verboten. „Da sich in der Vergangenheit zunehmend gezeigt hat, dass insbesondere der Nachmittagsunterricht durch den verstärkten Konsum dieser Getränke deutlich erschwert wurde, kam die Schulgemeinschaft zu dieser Entscheidung“, so die Begründung. 

Statt Verbot: Heilbronner Schule legt Wert auf gute Ernährung

Ein generelles Verbot will Julia Meister, Rektorin der Heilbronner Albrecht-Dürer-Schule, zwar nicht aussprechen. Sie setzt lieber auf Einsicht: „Von Beschränkungen halte ich nichts, aber wir machen an unserer Schule deutlich, dass wir Wert auf gute Ernährung legen.“ Zu trinken gibt es Wasser und Saftschorle. Wenn jemand eine Dose mit dem stark koffein- und zuckerhaltigen Getränk aus dem Rucksack zieht, „dann sprechen wir das an“, so die Leiterin der Grund- und Werkrealschule in Neckargartach. 

Die vermeintlichen Wachmacher seien eher ein „Aufputschmittel“ mit wenig nachhaltigem Effekt. „Die Konzentration wird schlechter“, stellt Julia Meister fest. Dem stimmt der Neckarsulmer Hausarzt Tobias Neuwirth zu: „Zucker fördert Übergewicht bei Jugendlichen. Und Koffein sollte man erst als Erwachsener zu sich nehmen, Kinder und Jugendliche werden eher nervös und fangen an zu zittern.“

Energy-Drinks aus Dosen sind vor allem bei Jugendlichen beliebt.
Energy-Drinks aus Dosen sind vor allem bei Jugendlichen beliebt.  Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Umweltschützer sehen die Dose kritisch, vor allem wegen des hohen Energieverbrauchs bei der Aluminiumproduktion. Nach der Einführung des Dosenpfands im Jahr 2003 ist der Verkauf eingebrochen. Mittlerweile sind die Getränke aus der Dose wieder beliebt: Das verkaufte Gesamtvolumen stieg in den vergangenen fünf Jahren um knapp 47 Prozent auf mehr als eine Million Tonnen. Es gebe einen wahren Dosen-Boom, sagt Konsumexpertin Petra Ossendorf. „Sie werden vor allem von jüngeren Menschen stark nachgefragt.“ 

Dosen „praktisch und gut unterwegs konsumierbar“

„Die neuen festen Deckel an den PET-Flaschen scheinen viele Konsumenten zu stören“, sagt die Expertin. Die Dosen seien hingegen „praktisch und gut unterwegs konsumierbar.“ Allerdings merkt die Heilbronner Schulleiterin Julia Meister an: „Wenn die klebrige Flüssigkeit im Schulranzen ausläuft, ist der Schaden meist enorm.“

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch fordert ein gesetzliches Mindestalter von 18 Jahren für den Kauf von Energydrinks. Andere EU-Länder wie Polen, Litauen oder Lettland hätten den Verkauf der aufputschenden Getränke an Minderjährige aufgrund schwerwiegender Gesundheitsrisiken längst gestoppt, so Foodwatch. „Die neue Bundesregierung muss handeln und junge Menschen vor den gefährlichen Wachmachern schützen“, erklärte Foodwatch-Expertin Rebekka Siegmann.




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