Süddeutsches Eisenbahnmuseum in Heilbronn ist Geschichte – Areal unter Hochdruck geräumt
Das Gelände des Süddeutschen Eisenbahnmuseums in Heilbronn-Böckingen musste nach einem Gerichtsvergleich bis Ende Januar von den bisherigen Mietern freigemacht werden. Wie geht es nun weiter?
Der Januar 2025 brachte die letzte Klarheit und zerstreute alle Hoffnungen: Das im Jahr 2000 auf dem Gelände des ehemaligen DB-Bahnbetriebswerks eröffnete Süddeutsche Eisenbahnmuseum Heilbronn (SEH) ist Geschichte. Das Areal beim Sonnenbrunnen in Böckingen wurde, wie in einem vor dem 13. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Stuttgart im April 2024 erarbeiteten Vergleich festgelegt, bis auf die Exponate der Eigentümerin und die Wohnungen geräumt. Stichtag war der 31. Januar 2025. Aufgrund von Rechtsstreitigkeiten, die teilweise unter die Gürtellinie gingen, war das einst bei Eisenbahnfreunden beliebte Museum seit 2020 geschlossen.
Süddeutsches Eisenbahnmuseum in Heilbronn-Böckingen – von Diebstählen und Sabotage ist die Rede
Am letzten Donnerstagnachmittag herrschte auf dem Gelände noch rege Betriebsamkeit. Unter Hochdruck wurden Loks, Waggons, Geräte und Werkzeug weggebracht. Das Betreten des Grundstücks war der Presse seitens des Hauptmieters, dem Verein UEF – Historischer Dampfschnellzug (HDS), untersagt worden. Somit war nur der Blick durch den Maschendrahtzaun möglich.

„Was hier in den letzten Jahren abging, war schlimmer als in einem Haifischbecken“, fasst ein Insider, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, die Zerwürfnisse zwischen der Eigentümerfamilie, dem Generalmieter und den Untermietern zusammen. Diebstähle und Sabotage seien keine Seltenheit gewesen. Selbst die Staatsanwaltschaft habe Ermittlungen angestellt. Genutzt wurde das Anwesen von den Vereinen Historischer Dampfschnellzug, Süddeutsches Eisenbahnmuseum Heilbronn (SEH) und den Unterländer Eisenbahnfreunden.
Begonnen hatten die Auseinandersetzungen nach dem Tod des Eigentümers, ein eisenbahnbegeisterter Unternehmer aus Aalen, da seine Frau mit Eisenbahnen nichts am Hut hatte und das Grundstück mit dem historischen Ringlokschuppen, der funktionierenden Drehscheibe sowie der großen Wagenhalle am liebsten veräußert hätte. Mietverträge, wenn auch immer wieder umstritten, standen dem jedoch entgegen.
Gerüchte über Folgenutzung des Süddeutschen Eisenbahnmuseums in Heilbronn
Was mit dem Gelände nun passiert, darüber hört man nichts von der Eigentümerin und ihrem Verwalter. „Dazu gibt es keine Aussagen“, heißt es stereotyp. Vor einem Verkauf müsste das Areal allerdings entwidmet werden. Und auch die Denkmalfrage müsste geklärt werden. Doch das kann dauern. Ein Gerücht geistert derzeit bereits durch Heilbronn: Vom Standort für ein neues Stadtbad ist die Rede.
Peter Poymann von den Unterländer Eisenbahnfreunden weiß: „Derartige Areale sind Mangelware.“ Und er sinniert ein wenig: „Wenn es zu einem Verkauf kommt, wäre es schön, wenn es als Eisenbahninfrastruktur erhalten bliebe.“ Die ehemaligen HDS-Vorstandsmitglieder Burkhard Pick und Patrik Schönenberg haben sich schon vor längerer Zeit gänzlich von den Vorgängen losgesagt. Eine Stellungnahme von Oliver Sauer, früherer SEH-Vorsitzender, war nicht zu erhalten.
Lok als Werbung für das Süddeutsche Eisenbahnmuseum hat sich erledigt
Noch nicht entfernt ist das Gleis, das im südlichen Bereich des kleinen Parks vor dem Lokschuppen entlang der Leonhardstraße liegt. Auf diesem Gleis sollte einmal als Hingucker und Werbung für das Süddeutsche Eisenbahnmuseum eine kleine Lok platzieren werden. Jetzt können die Schienen entsorgt werden.
Kommentare öffnen


Stimme.de
Kommentare
Holger Bauer am 08.02.2025 19:04 Uhr
Schade, der ehemalige Besitzer hätte das so sicher nicht gewollt.
Jürgen Standfuß am 05.02.2025 22:45 Uhr
Es ist einfach unbegreiflich, was dort im ehemaligen Bahnbetriebswerk aktuell passiert und in der Vergangenheit schon passiert ist. Im Grunde doch sollte die Sache an sich im Vordergrund stehen - aber weit gefehlt - Streit, Mißgunst, Beschuldigungen und vieles mehr stehen offensichtlich auf der Tagesordnung - von einem fröhlichem Miteinander ist nichts zu sehen.
Schade, schade und nochmals schade.
Matthias Pfeffer am 01.02.2025 12:24 Uhr
Es ist wie überall, die Nachkommen wollen Geld und da spielt Tradition und Kultur keine Rolle. So geht viel von der Geschichte verloren. Es ist traurig und beschämend aber so ist das heute in der Gesellschaft