Stimme+
Digitale Geräte im Unterricht
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Digitale Bildung in Heilbronn: Darum bekommen jüngere Schüler nicht überall Tablets mit nach Hause

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

In Heilbronn können alle staatlichen Schulen Tablets für ihre Kinder beantragen. Allerdings dürfen die Jüngeren manchmal die Geräte nicht mit nach Hause nehmen.

Das Robert-Mayer-Gymnasium in Heilbronn gehörte zu den ersten Schulen, die Tablets bekommen haben. Die Kinder dürfen die Geräte mitnehmen.
Das Robert-Mayer-Gymnasium in Heilbronn gehörte zu den ersten Schulen, die Tablets bekommen haben. Die Kinder dürfen die Geräte mitnehmen.  Foto: Seidel, Ralf

Die Stadt Heilbronn ist stolz auf ihre sogenannte Digitale Bildungsoffensive: Stadt und Dieter-Schwarz-Stiftung finanzieren an allen staatlichen Schulen eine Komplett-Ausstattung mit Tablets für Kinder und Lehrer. 

Egal ob Grundschule oder Gymnasium: Mit einem entsprechenden Medienkonzept können alle Schulen in den Genuss der Geräte kommen. Hunderte Tablets sind bereits verteilt, und es zeigt sich: Selbst wenn alle Kinder immer Zugriff auf Tablets haben könnten, so halten manche Gymnasien die Geräte für die Jüngeren noch zurück – sie dürfen sie nicht mit nach Hause nehmen. 

Tablets mit nach Hause nehmen: So sieht es an Mönchsee- und am Theodor-Heuss-Gymnasium aus

Das Mönchsee-Gymnasium hat erst kürzlich die Tablets bekommen. Wenn Eltern die Leihverträge unterschrieben haben, gibt es die Geräte. Aber erst ab Klasse acht dürfen die Tablets mit nach Hause genommen werden. „Die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 5 bis 7 bekommen bei Bedarf von der Fachlehrkraft Tablets“, heißt es in einem Brief an die Eltern, der stimme.de vorliegt.

Noch zurückhaltender ist das Theodor-Heuss-Gymnasium. Dort gibt es derzeit die Geräte erst ab Klasse zehn. Zwei Gründe nennt Schulleiter Frank Martin Beck: Zum einen gebe es noch keinen Jugendschutzfilter, der die Geräte außerhalb des Schul-WLANs sichere. Und im Unterricht können technikaffine Jugendliche derzeit jenen Bereich verlassen, in dem die Lehrer sehen, was die Klasse mit den Geräten macht. Sobald diese beiden Punkte aus Sicht der Schule zufriedenstellend gelöst sind, würden die Tablets auch an die Jüngeren verteilt.

Schulleiter des Robert-Mayer-Gymnasiums: Für manches sind die Eltern verantwortlich

Entspannter sieht es Antje Kerdels, die das Robert-Mayer-Gymnasium (RMG) in Heilbronn leitet. Das RMG gehört zu den ersten Schulen, die Tablets bekommen haben. Eine 100-prozentige Sicherheit werde es nie geben. „Manches liegt im Verantwortungsbereich der Eltern“, so Antje Kerdels.

Am RMG gingen die Tablets an alle Kinder. „Mit dem Ansatz wollen wir den verantwortungsvollen Umgang mit den Geräten schulen“, so Antje Kerdels. An Regeln müsse man immer wieder erinnern und die Eltern auch ermutigen, diese einzufordern. 

Auch jüngere Kinder könnten mit den Geräten umgehen, sagt Antje Kerdels. Beispielsweise hat sie ihren Siebtklässlern schon Hausaufgaben über eine Cloud bereitgestellt. Tablets den Jüngeren geben, dazu sagt Antje Kerdels: „Es ist lohnenswert.“ Beim Einsatz im Unterricht müssen die Geräte einen pädagogischen Mehrwert darstellen. Das heißt: Lesen aus Büchern und Schreiben auf Papier gebe es auch weiterhin, so Antje Kerdels.

In den Pausen sind die Tablets tabu

Melanie Haußmann von der Heinrich-von-Kleist-Realschule in Heilbronn will die Tablets ebenfalls nicht mehr missen. „Die sind bei den Kindern angekommen“, sagt die Rektorin. Die Regeln sind klar: Geräte dürfen in der Schule erst dann benutzt werden, wenn es der Lehrer sagt. In Pausen sind Geräte tabu. „Die Kinder sollen spielen und miteinander reden.“ Sie hält nichts davon, jüngeren Schülern zu verbieten, die Geräte mit nach Hause zu nehmen. „Es macht keinen Sinn, Fünftklässler außen vorzulassen.“

Jugendliche, die die Tablets schon haben, sind unterdessen sehr froh. „Das ist praktisch“, sagt Jonas Hirsch, Schülersprecher am Theodor-Heuss-Gymnasium (THG). Er arbeite mit dem Tablet strukturierter. Zettel zu verlieren, das sei nicht mehr möglich – eben weil sie digital vorlägen. Jonas Hirsch hatte befürchtet, dass sich Klassenkameraden von den Tablets ablenken lassen. Das sei nicht der Fall.

Einen weiteren Vorteil spürt Lenius Rummel, der am THG ebenfalls Schülersprecher ist: „Der Schulranzen ist deutlich leichter.“

Das sagt die Stadt

Alle weiterführenden Schulen, alle beruflichen Schulen und alle Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren in Trägerschaft der Stadt Heilbronn haben Tablets beantragt. Das teilt Rathaussprecherin Suse Bucher-Pinell auf Anfrage mit. „Sieben Grundschulen sind bereits am Projekt Digitale Bildungsoffensive Heilbronn beteiligt, außerdem weitere fünf Grundschulen, die im Verbund mit einer weiterführenden Schule sind.“ Sechs Grundschulen hätten noch keinen entsprechenden Antrag gestellt.

Die Stadtverwaltung hat keine Übersicht, an welchen Schulen die Kinder die Tablets nicht mit nach Hause nehmen dürfen. Das Schul-, Kultur- und Sportamt ist laut Suse Bucher-Pinell aber darüber informiert, „dass ein Teil der Schulen die Tablets sukzessive an ihre Schülerinnen und Schüler zur Nutzung – auch zu Hause – ausgibt“. Lediglich vom Mönchsee-Gymnasium sei bekannt, dass die Tablets der Jahrgangsstufen fünf bis sieben nicht für die Nutzung zu Hause ausgegeben werden sollen. Die Rathaussprecherin betont: „Für die Stadt Heilbronn sind Förderung von Medienkompetenz und verantwortungsvolle Nutzung wichtiger Bestandteil des Projekts.“  




Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben