Stimme+
Auszeichnung

Die Baden-Württemberger „Bibliothek des Jahres“ steht am Berliner Platz in Heilbronn

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Die Stadtbibliothek Heilbronn hat Tradition – und bewegt sich nach der Modernisierung auf Höhe der Zeit. Vom Kirchhöfle durch die halbe Stadt zum Berliner Platz war es ein  langer Weg zur „Bibliothek des Jahres“.

Leiterin Doris Wolpert (sitzend), hier mit den Planern Jan Ungermann und Raphaela Hinzel, in den modernisierten Räumen der Stadtbibliothek Heilbronn im K3. Nun wurde das gestalterische und inhaltliche Gesamtkonzept preisgekrönt.
Fotos: Ralf Seidel
Leiterin Doris Wolpert (sitzend), hier mit den Planern Jan Ungermann und Raphaela Hinzel, in den modernisierten Räumen der Stadtbibliothek Heilbronn im K3. Nun wurde das gestalterische und inhaltliche Gesamtkonzept preisgekrönt. Fotos: Ralf Seidel  Foto: Seidel, Ralf

Toller Erfolg für die Wissensstadt. Die von Doris Wolpert geleitete Stadtbibliothek Heilbronn wird als „Bibliothek des Jahres“ ausgezeichnet: für ein Angebot, das „weit über die klassischen Aufgaben einer Bibliothek hinausgeht“, was sie „zu einem lebendigen Kultur- und Begegnungsort macht“, wie der baden-württembergische Bibliotheksverband erklärt.

Mit einem Bestand von rund 210 000 Medien und einer Fläche von 3600 Quadratmetern hat Heilbronn eine der größten kommunalen Bibliotheken im Land. Zur „Bücherei“, die seit 2001 im K3 am Berliner Platz angesiedelt ist und 2022 bis 2024 für 6,6 Millionen modernisiert und erweitert wurde, gehören die Zweigstellen im Bürgerhaus Böckingen und in der alten Schule Biberach sowie eine fahrende Bibliothek namens Robi.


Eine lange Geschichte mit vielen Standortwechseln

Die „Städtische Volksbibliothek“ wurde 1901 unweit des heutigen Standorts im Kirchhöfle eingerichtet. Zur Eröffnung hatte sie einen Bestand von 2387 Bänden, der bis 1904 auf 4000 wuchs, bis 1911 auf 11 200. Nach einem Umbau kamen 1925 weitere 6000 Bände hinzu. In der NS-Zeit wurde alles dem Stadtarchiv zugeschlagen, als Zweigstellen kamen Böckingen und Neckargartach hinzu, 1939 Sontheim. Bücher verbotener Autoren entfernte und verbrannte man.

Wie ganz Heilbronn ging die Zentrale im Kirchhöfle im Feuersturm vom 4. Dezember 1944 in Flammen auf. 1947 startete man mit 1900 Büchern im Schießhaus, das zuvor von der Heilbronner Stimme genutzt wurde, neu. 1948 folgte der Umzug ins damalige Amerika-Haus, eine Villa an der Ecke Lerchen-/Alexanderstraße, 1953 mit 13 000 Büchern ins alte Stadttheater am Berliner Platz, 1959 mit 30 000 in den Nordbau des Deutschhofs. 

Die Ära Hans Ulrich Eberle und das Ende der Katalogkästen

In den 1960er Jahren wuchs der Institution eine überregionale Bedeutung zu. Ihr legendärer Leiter Hans Ulrich Eberle (1927-1988) wurde 1968 zum Vorsitzenden der Landesgruppe der Deutschen Volksbibliothekare gewählt und führte bald zahlreiche Tagungen und Treffen durch. Er und sein Vize Rainer Moritz haben die Bücherei mit Lesungen, Buch- und Kunst-Ausstellungen und weiteren Veranstaltungen zu einem breitgefächerten kulturellen Zentrum umgewandelt. 1990 wurde das Kleist-Archiv Sembdner integriert. Unter Günther Emig wurden 1993 Katalogkästen ab- und die EDV aufgebaut.

Mit dem Umzug ins K3 2001 kam die Ausleihe von Karten, DVDs, CD-ROMs. 2002 wurde die Millionengrenze an Jahresausleihen geknackt, 2003 der Förderverein Lesen – Hören – Wissen gegründet, 2007 das Rechercheportal Bibnetz eingerichtet, 2008 die Selbstverbuchung, 2009 die Online-Bibliothek Heilbronn-Franken angeschlossen.

 Vor dem großen Umbau Gastspiel in Containern an der Dammschule

Im August 2022 trat die Bibliothek ein Gastspiel in Containern an der Dammschule an: wegen der aufwendigen Modernisierung und Erweiterung um 500 Quadratmeter. Die neuen Zonierungen sollen sowohl ruhiges, konzentriertes Arbeiten ermöglichen, aber auch Raum für Kommunikation und Austausch bieten. Außerdem wurden ein Bildschirmlesegerät für Sehbehinderte, eine „Plattenbar“ und eine Sammlung von Vinylschallplatten integriert. Ein schallgedämmtes Studio kam ebenfalls hinzu: zum Musizieren von Gruppen mit bis zu fünf Personen sowie zum Erstellen von Podcasts, Videos und Fotos.

Die Stadtbibliothek bietet auch viele Veranstaltungen. In den Sommerferien gibt es für Schüler der fünften bis achten Klassen den „Lesesommer“. Bei Formaten für Erwachsene kooperiert man mit Partnern wie Theater oder VHS. Auch zur Leseförderung über vielfältige, oft spielerische Formate arbeitet Wolperts preisgekröntes Team mit Schulen, Kindergärten und anderen Einrichtungen zusammen.

210 000 Medien auf 3600 Quadratmetern im K3

Das insgesamt 210 000 Medien starke Angebot der 3600 Quadratmeter großen Stadtbibliothek Heilbronn umfasst Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, Noten, Musik-CDs, Schallplatten, Hörbücher und Filme. Auch Musikinstrumente, Brettspiele, PC- und Konsolenspiele sowie Tonies werden angeboten. Außerdem können elektronische Geräte wie E-Reader, Demenz-Tablets, Daisy-Player entliehen werden. Daneben stehen E-Books, E-Audios, E-Videos und E-Zeitschriften sowie E-Learning-Kurse zur Verfügung. Nutzer haben auch Zugriff auf exklusive Onlineangebote und Fernleihen. Zudem können PCs, Kopierer, WLAN und ein Anspielraum genutzt werden. Über den Broschüren-Service und einen Newsletter bekommt man Infos zu Einrichtungen und regionalen Angeboten. 

Die Stadtbibliothek ist auch ein gefragter Lernort für Schüler und Studenten.
Die Stadtbibliothek ist auch ein gefragter Lernort für Schüler und Studenten.  Foto: Seidel, Ralf
Fast so gemütlich wie im Wohnzimmer: Grundidee der Bibliothek ist es, sie nicht nur als Info-Quelle zu begreifen, vielmehr als Ort der Begegnung und des Verweilens.
Fast so gemütlich wie im Wohnzimmer: Grundidee der Bibliothek ist es, sie nicht nur als Info-Quelle zu begreifen, vielmehr als Ort der Begegnung und des Verweilens.  Foto: Seidel, Ralf



Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben