„Der Markt ist leer“: Weniger Referendare kommen an Gymnasien in der Region
Knapp 80 Referendare treten dieser Tage ihren Dienst an Gymnasien in der Stadt Heilbronn, im Landkreis Heilbronn sowie im Hohenlohekreis an. Das sind die Gründe für den Rückgang gegenüber dem Vorjahr.

Junge Lehrer treten gerade nach ihrem Studium ihren praktischen Dienst an den Gymnasien in der Stadt Heilbronn, im Landkreis Heilbronn und im Hohenlohekreis an. Mit 80 Referendaren am Ausbildungsseminar in Heilbronn sind es gut 30 weniger als im Vorjahr, ein Teil der Ursachen ist dem System geschuldet. Das Hauptproblem aber bleibt, es fehlt an Studenten.
Kein Referendar für Wirtschaft, keiner für das neue Fach „Naturwissenschaft, Informatik und Technik“: So sieht es im aktuellen Jahrgang aus. Dass im Ausbildungsseminar in Heilbronn hier keine Lehrer dazustoßen, hat interne Gründe. Die Seminare im Regierungspräsidium Stuttgart wechseln sich mit der Ausbildung jährlich ab, Heilbronn setzt dieses Mal aus, erklärt Seminarleiterin Martina Geiger. Allein dadurch fallen schon einige Referendare weg.
An ein Gymnasium in der Region Heilbronn: Für viele keine erste Wahl
Bei Wirtschaft kommt hinzu: Jeder Referendar mit Wirtschaft habe noch weitere Fächer im Angebot, sagt Martina Geiger. Auch bei diesen Fächern sei es deshalb zu einem Minus bei den Zahlen gekommen. Ebenfalls rückläufig: Die Anzahl der Referendare, die Heilbronn als Wunsch-Seminar angegeben haben. 43 wollten in die Stadt. „Das ist sehr wenig“, sagt die Seminarleiterin.
Von zugewiesenen 98 angehenden Lehrer kommen letztlich knapp 80 in die Region. Es ist auch in den Vorjahren stets vorgekommen, dass nicht jeder Student seinen Dienst antritt: Mancher besteht Prüfungen nicht, andere sagen aus privaten Gründen ab.
Weniger Referendare für die Gymnasien in der Region: Einzelne Schulen gehen komplett leer aus
Die rückläufigen Zahlen wirken sich auf die Situation an Schulen aus. Schon vor ein paar Jahren seien es wenige Referendare gewesen, nicht alle Gymnasien vor Ort können in solchen Jahren bedient werden. „Das ist für Schulen traurig“, sagt Martina Geiger. Sie seien aufgeschlossen für neue Ideen, die Referendare mitbrächten. Schlimm trifft es unter anderem das Jagsttal-Gymnasium in Möckmühl: Zwei Referendare sollten kommen, beide sagten ab. „Möckmühl hat nun nichts.“
Lehrer für Bildende Kunst, Physik, Chemie und Mädchen-Sport: Diese Bereiche bleiben auch in der Region Heilbronn die Mangelfächer am Seminar. Viele Referendare, die vergangenes Schuljahr fertig wurden, hatten damals Schwierigkeiten, an Gymnasien unterzukommen. Sie gingen an Privatschulen, Grundschulen oder in andere Bundesländer. Die Folge: „Der Markt ist leer“, weiß Martina Geiger. Einen Pool für Krankheitsvertretungen gebe es nicht mehr.
In einigen Fächern ist nach Ansicht der Seminar-Mitarbeiter keine Besserung in Sicht. Die Studierendenzahlen in Deutsch sind genauso rückläufig wie Englisch und Geschichte. Über die Gründe können die Verantwortlichen nur spekulieren. Wenn Einstellungschancen schlecht seien, fingen weniger Jugendliche mit dem Studium an, sagt Sven Heinzmann, der am Ausbildungsseminar unter anderem für Deutsch und die künstlerisch-musischen Fächer zuständig ist. Weitere Schwierigkeit: Mittlerweile hören viele mit dem Bachelor-Abschluss auf und finden abseits des Schulsystems einen Job.
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