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Crans-Montana-Inferno: Heilbronner Experte über Gefahr durch Indoor-Feuerwerke

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40 Tote und 116 Verletzte sind die traurige Bilanz der Silvester-Katastrophe in Crans-Montana. Wo genau lauert die Gefahr bei Indoor-Feuerwerken? Ein Heilbronner Experte klärt auf. 


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Was eine fröhliche Silvester-Feier hätte werden sollen, endete in einer beispiellosen Tragödie: In einer Bar in Crans-Montana in der Schweiz entzünden die Sprühfontänen eines auf Champagnerflaschen angebrachten Tischfeuerwerks die Decke der Party-Location. 40 Menschen sterben bei dem Brand, 116 werden verletzt. Offenbar hat es in der Unglücksbar seit 2019 keine Brandschutzkontrollen mehr gegeben.

Sind solche Tischfeuerwerke grundsätzlich gefährlich und sollte man auf deren Einsatz im privaten und öffentlichen Bereich besser verzichten? Im Heilbronner Winterdorf beispielsweise ist es bislang üblich gewesen, zu bestellten Champagnerflaschen ebenfalls sprühende Funken als optisches Schmankerl zu reichen. Doch damit ist seit dem Crans-Montana-Unglück in der Heilbronner Feier-Location Schluss. Was ist in Bezug auf Tischfeuerwerke überhaupt erlaubt?

Feuerwerk und Pyrotechnik: Heilbronner Experte erklärt Gefahren

„Grundsätzlich ist bei der Verwendung von pyrotechnischen Artikeln immer darauf zu achten, dass sowohl im Außen- als auch im Innenbereich nur geprüfte und zugelassene Artikel verwendet werden“, erklärt Yannick Pilz, Abteilungsleiter des Vorbeugenden Brandschutzes der Feuerwehr Heilbronn. Das heißt, dass nur Kleinstfeuerwerke der Kategorie 1 ganzjährig erlaubt sind. Dazu zählen etwa Knallerbsen, Wunderkerzen und Bodenwirbel – also Produkte, von denen lediglich eine geringe Gefahr ausgeht.

Doch Yannick Pilz stellt klar: „Offenes Feuer oder zuvor genannte Kleinstpyrotechnik bringen immer ein gewisses Risiko mit sich.“ Gerade die Gefährlichkeit von Adventskranz- oder Geburtstagskerzen sollte man keineswegs unterschätzen. Pilz empfiehlt: „In diesen Fällen muss grundsätzlich jeder für sich selbst das Risiko abwägen und gegebenenfalls Vorsorgemaßnahmen wie eine feuerfeste Unterlage oder einen griffbereiten Eimer mit Wasser vorhalten.“

Pyrotechnik in geschlossenen Räumen: Heilbronner Experte benennt Gefahren

Bei Versammlungsstätten sind Pyrotechnik und offenes Feuer absolut verboten. Sofern man hier als Veranstalter Feuer-Effekte plant, sind diese in jedem Einzelfall genehmigungspflichtig. Der Brandschutz-Experte der Heilbronner Feuerwehr sieht den Einsatz kritisch. Yannick Pilz erklärt: „Einfach so etwas anzünden, geht gar nicht. Der Einsatz von Pyrotechnik, und da reichen schon Wunderkerzen, ist in geschlossenen Räumen extrem gefährlich und deshalb unbedingt davon abzuraten. Es ist ja oft die Verkettung von Fehlern, die zu derartigen Unglücksfällen führen.“

Gerade im Hinblick auf strenge Sicherheitsvorschriften verweist die Heilbronner Feuerwehr auf die untersagte Pyro-Show der Rammstein-Coverband Stahlzeit im vergangenen April in der Harmonie. Aus Sicherheitsgründen fand die üblicherweise opulente Show ohne Feuerspektakel statt. Das Risiko wäre einfach zu groß gewesen. Pilz: „Damals gab es nur knapp vier Wochen vor der Veranstaltung einen Brand mit 59 Toten in Nordmazedonien.“ Die Ursache dort: Pyrotechnik einer Rockband sowie brennbare Einbauten an der Decke.

Menschen legen Kerzen und Blumen in der Nähe der Bar Le Constellation ab, in der ein verheerendes Feuer während der Neujahrsfeierlichkeiten Tote und Verletzte forderte.
Menschen legen Kerzen und Blumen in der Nähe der Bar Le Constellation ab, in der ein verheerendes Feuer während der Neujahrsfeierlichkeiten Tote und Verletzte forderte.  Foto: Antonio Calanni

Feuer in geschlossenen Räumen: Vor allem Rauchgase lebensbedrohlich

Im Falle eines Unglücks machen Anwesende, wie auch in Crans-Montana, immer wieder den Fehler, dass sie nur auf die Flammen als Gefahr achten. Dabei sind vor allem die entstehenden Rauchgase lebensbedrohlich: „Wir wissen, dass man bei solchen Rauchgasen oft nur drei Atemzüge hat. Danach wird man ohnmächtig“, erläutert Yannick Pilz.

In Sachen Sicherheit sind sich viele Institutionen im Raum Heilbronn ihrer Verantwortung bewusst. Beispielsweise hat der TSB Horkheim für sein Oktoberfest in der Stauwehrhalle in Abstimmung mit der Feuerwehr und den Behörden die Decke, den sogenannten Festzelthimmel, durch einen schwer entflammbaren erneuert. 




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