Bischof Krämer: „Was in Heilbronn in Sachen KI passiert, ist einmalig“
Der neue katholische Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Dr. Klaus Krämer, spricht im Stimme-Interview über Chancen, Grenzen und Gefahren von Künstlicher Intelligenz, über Papst Leo XIV. und über Kirchenreformen.

Der neue Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Dr. Klaus Krämer, machte sich diese Woche ein Bild von der Wissensstadt Heilbronn. „Sehr beeindruckt“ hat ihn vor allem das Thema Künstliche Intelligenz. Die Stimme befragte ihn zu Chancen, Grenzen und Gefahren von KI, aber auch zum neuen Papst und zu Strukturreformen in der Kirche.
Was sagen Sie zu Papst Leo XIV.?
Klaus Krämer: Ich habe mich sehr gefreut, dass Robert Francis Prevost gewählt worden ist. Man hat zwar nicht unbedingt mit ihm gerechnet, er hat aber von Anfang an zu den Kandidaten gezählt, weil er vom Profil her gut passt. Er ist weltkirchlich erfahren als ein Amerikaner, der beruflich die meiste Zeit in Lateinamerika gewirkt hat. Als ehemaliger Ordensoberer der Augustiner hat er globale Erfahrung. Und er hat kuriale Erfahrung. So verbindet er unterschiedliche Kontexte. Das alles lässt hoffen, dass er das Erbe von Franziskus weiterführt, aber auch dessen Anliegen verstetigt, etwa die Synodalität und die Kurienreform.

Der Synodale Weg der deutschen Katholiken wurde in Rom gebremst. Wie stehen Sie zu den Forderungen des Frauenpriestertums und der Lockerung des Zölibats?
Krämer: Es gab zuletzt Gespräche, bei denen sich etwas bewegt hat. Dabei hatte auch der damalige Kurienkardinal Robert Prevost eine positive und verbindende Rolle gespielt. Von daher gehe ich davon aus, dass wir viele Anliegen, die uns auf den Nägeln brennen, im weltkirchlichen synodalen Prozess voranbringen können.
Weniger Priester, weniger Mitglieder, weniger Geld: Wie reagieren Sie in der Diözese darauf, was kommt auf die Gemeinden vor Ort zu?
Krämer: Wir müssen uns diesen Herausforderungen stellen und in synodaler Weise diskutieren, in welchen pastoralen Strukturen wir künftig arbeiten. Die werden sicher größer sein als die jetzigen, aber nur so groß, dass die Kirche noch nah bei den Menschen bleiben kann, damit wir den Kontakt nicht verlieren, in manchen Bereichen aber auch effizienter werden und dadurch auch Ressourcen sparen können. Da stellt sich auch die Frage der Prioritäten angesichts der Herausforderungen, vor den wir alle stehen. Die Welt verändert sich sehr, auch der Kontext der Kirche. Da wollen wir produktive Antworten geben und auch neue Wege gehen.
Viele kirchliche Geldmittel sind in Immobilien gebunden, von denen viele immer leerer werden.
Krämer: Wir haben bereits im vergangenen Jahr mit dem Projekt „Räume für eine Zukunft der Kirche“ einen Prozess gestartet, um unseren nichtsakralen, beheizten und kirchensteuerfinanzierten Immobilienbestand um 30 Prozent zu reduzieren. Wenn die Zahl der Gemeindemitglieder weniger wird, brauchen wir natürlich auch weniger Raum. Raum, der dann unter anderem auch den Anforderungen der Klimaneutralität entspricht, der somit Investitionen erfordert, der aber nicht leer steht und Mittel beansprucht, die für andere, vor allem pastorale Zwecke notwendig sind.
Sie waren heute in Heilbronn in Sachen Künstlicher Intelligenz unterwegs. Sehen Sie dafür etwa auch Einsatzmöglichkeiten für die Kirche?
Krämer: Dies ist ein komplexes Thema, das wir intensiv diskutieren. Da gibt es viele Möglichkeiten, aber auch Grenzen. Künstliche Intelligenz kann ein wertvolles Hilfsmittel sein, um Dinge effizienter und schneller zu tun. Etwa bei der Generierung von Texten, aber auch bei Verwaltungsaufgaben, da können wir auch in der Kirche Mittel freimachen, die wir dann in der Pastoral dingender brauchen. KI erfordert aber auch eine ethische Reflexion. Sie bietet Möglichkeiten, aber auch Gefahren, vielleicht auch Illusionen. Man muss sehr genau schauen, welche Informationen da verarbeitet werden.

Und der Einsatz in der Seelsorge?
Krämer: Da geht es natürlich zunächst um zwischenmenschliche Kontakte, die durch KI nicht ersetzt werden können und der Bezug zu Gott hat eine Dimension, die KI nicht erfassen kann. Beides kann sie bestenfalls simulieren, aber gerade darauf muss man hinweisen.
KI ist also fehlbar. Oder ist der nächste Papst womöglich ein KI-generierter Alleswisser- und Alleskönner?
Krämer: Nein, das ganz sicher nicht. Denn KI kann immer nur so gut sein, wie die Daten, aus denen sie schöpft. Eben das ist die Grenze.
Und was nehmen Sie von Ihrem KI-Tag aus Heilbronn mit?
Krämer: Was hier, auch in Verbindung mit der Stadtentwicklung passiert, ist einmalig in Deutschland. Hoch professionell und innovativ, gekoppelt mit Bildungsangeboten für die Bevölkerung, von Kindern bis zu Senioren, für Interessierte, aber auch für KI-Skeptiker, insgesamt alles sehr einladend. Beeindruckend auch, mit welcher Sensibilität an das Thema herangegangen wird, also nicht nur unter Aspekten der Optimierung von technischen oder wirtschaftlichen Vorgängen, sondern dass auch die Grenzen und Gefahren von KI reflektiert werden.
Nämlich?
Krämer: Es muss darauf geachtet werden, welche Daten zugrunde gelegt werden, dass nicht diskriminierend und manipulativ gearbeitet wird, Stichwort Fake News. Immer wieder können ganz bestimmte politische Interessen dahinterstecken, die es zu erkennen gilt. Letztlich ist es immer der Mensch, der KI steuert. Das ist uns auch aus christlich-theologischer Sicht wichtig. Über solche Fragen treten wir gerne in Austausch. Und was mich besonders freut: dass dieser Austausch sehr gewünscht ist und wir so in einen Diskurs eintreten könne, der für uns als Kirche wichtig ist, aber auch für die Gesellschaft.
Zur Person: Dr. Klaus Krämer, Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart
Der in Stuttgart geborene Klaus Krämer (61) ist in der Nachfolge von Gebhard Fürst seit Dezember 2024 Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Der promovierte und habilitierte Theologe und Jurist war nach der Priesterweihe Bischofsekretär des späteren Kardinals Walter Kasper. Ab 1999 wirkte er in der Rottenburger Kirchenverwaltung als Domkapitular für verschiedene Bereiche. 2008 wurde er Präsident von „Missio“ und „Die Sternsinger“. Zu den Schwerpunkten gehörte der Einsatz für verfolgte Christen, der Schutz von Kindern vor Gewalt und Missbrauch sowie das Engagement für Flüchtlinge. 2019 kehrte er nach Rottenburg zurück: als Domkapitular und Leiter der Hauptabteilung Kirchliches Bauen. 2022 organisierte er federführend den Deutschen Katholikentag in Stuttgart. 2025 wurde er zum Präsidenten des Internationalen Ministrantinnen- und Ministrantenbundes (CIM) gewählt.
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