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Hochschul-Banner entfernt: Protest-Aktion auf Heilbronner Bildungscampus

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Die Hochschule Heilbronn musste auf Drängen des Gebäudeeigentümers einen Schriftzug in einem Verbindungsgang entfernen. Das wollten Angehörige der wissenschaftlichen Einrichtung nicht hinnehmen. Mittlerweile liegt eine weitere Reaktion der Dieter-Schwarz-Stiftung vor.


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Studenten und Wissenschaftler der Hochschule Heilbronn stehen hinter dem Schriftzug „Du bist hier richtig“. Dieser Satz, mit Regenbogenfarben hinterlegt, sowie Hochschul-Hinweise hingen über Monate an einem Gang, der zwei Gebäude des Bildungscampus Heilbronn verbindet. Dann mussten sie auf Drängen des Eigentümers abgehängt werden. Diesen Dienstag fand ein Protest statt.

Zwei Dutzend Studenten und wissenschaftliche Mitarbeiter der Hochschule Heilbronn stehen mit Regenbogenfahnen und einem neuen Banner auf dem Bildungscampus. Kleine Fähnchen stecken sie sogar an einen autonom fahrenden Roboter, der auf dem Bildungscampus unterwegs ist.

„Du bist hier richtig“: Was der Satz der Hochschule Heilbronn für einen Studenten bedeutet

Grau und trist wirke der Bildungscampus, findet Studierendenpräsident Samuel Kutlu. „Das Banner hat Farbe reingebracht.“ Seit fast fünf Jahren studiert Samuel Kutlu in Heilbronn, der Schriftzug bedeute ihm viel: Er stehe zwar auch für Vielfalt, gehe aber weit darüber hinaus. Ihm half der Satz in Phasen, in denen er zweifelte. Wo soll ich hin, was machen? Beim Blick auf das Banner sei ihm klar geworden: „Ich bin angekommen.“

Demo für das Banner auf dem Bildungscampus Heilbronn.
Demo für das Banner auf dem Bildungscampus Heilbronn.  Foto: Gajer, Simon

Das sieht Lisa Zimmermann genauso, die den ursprünglichen Schriftzug seitens der Hochschule mit angebracht hat. Die Regenbogenfarbe symbolisiere vieles, der Satz auch, so die Mitarbeiterin der Hochschule: Bildungsaufsteiger würden die Hochschule genauso besuchen wie Menschen mit Beeinträchtigungen oder Migranten. „Wir wollen alle ansprechen.“

Der Schriftzug sei mit der verantwortlichen Gesellschaft auf dem Campus abgesprochen worden. Das betont unter anderem Ruth Fleuchaus, Prorektorin Internationales und Diversität an der Hochschule. Sie habe die offiziellen Wege eingehalten.

Personalrat will für Werte einstehen und diese zeigen

Das Banner könne man wegnehmen, aber nicht die Haltung, betont Roland Schweizer, Vorsitzender des Personalrats der Hochschule Heilbronn in einer kurzen Rede. Er sei befremdet darüber, dass der Schriftzug nicht mehr hängen dürfe.

Der Roboter, der selbstständig auf dem Bildungscampus unterwegs ist, bekommt auch einen Wimpel.
Der Roboter, der selbstständig auf dem Bildungscampus unterwegs ist, bekommt auch einen Wimpel.  Foto: Gajer, Simon

„Wir erwarten, dass eine unabhängige Hochschule die Werte, für die sie einsteht, zeigen darf.“ Was er meint: Er hofft, dass die Dieter-Schwarz-Stiftung, die für den Bildungscampus verantwortlich ist, einen alternativen Standort präsentiert.

Ist neues Banner möglich? Das sagt die Dieter-Schwarz-Stiftung

Auf Anfrage heißt es von der Stiftung, dass die Hochschule Heilbronn „selbstverständlich auch weiterhin die Möglichkeit“ habe, Anträge für temporäre Plakatierungen am Bildungscampus zu stellen. „Diese werden im Rahmen eines etablierten Genehmigungsverfahrens unter Berücksichtigung von Brandschutzvorgaben und bautechnischen Standards geprüft“, so eine Sprecherin schriftlich gegenüber stimme.de.

Laut Stiftung werden in der Regel solche Genehmigungen für einen Zeitraum von maximal drei Monaten erteilt. Dass das erste Banner für insgesamt sechs Monate verbleiben durfte, sei aufgrund der auch aus Sicht der Stiftung „sehr bedeutenden und in vollem Umfang geteilten Thematik“ bereits eine bewusste Ausnahme und ein Entgegenkommen. „Eine dauerhafte Nutzung der Glasfassaden als Werbefläche ist aus den schon genannten Gründen nicht möglich“, sagt die Sprecherin.

Dieter-Schwarz-Stiftung nennt Gründe, weshalb die Banner abgehängt werden müssen

Die Sprecherin der Dieter-Schwarz-Stiftung hatte schon vorab die Entscheidung begründet: „Es handelt sich hierbei nicht um ein Verbot der Selbstdarstellung, sondern um die Einhaltung technischer Standards und formaler Prozesse, die für alle Einrichtungen am Bildungscampus gleichermaßen gelten.“ Die Sicherheit des Gebäudebetriebs und der Erhalt der Bausubstanz stehe im Vordergrund.

Hintergrund der Entfernung sind nach Angaben der Stiftung „strenge Auflagen der Fassadenhersteller sowie Brandschutzvorgaben“. Großflächige Folierungen auf Glasfassaden führen demnach zu unterschiedlichen Wärmeabsorptionsraten. „Die daraus resultierenden Temperaturunterschiede im Glas können erhebliche Spannungen verursachen, die im schlimmsten Fall zu Glasrissen oder zum Bruch der Scheiben führen.“

Die Stiftungssprecherin ergänzte: „Die Freiheit von Forschung und Lehre sowie die Werte der Weltoffenheit und Vielfalt sind für die Dieter-Schwarz-Stiftung unantastbar.“ „Da die Maßnahme im Vorfeld nicht beantragt oder geprüft wurde, musste sie zur Sicherung der Bausubstanz und Einhaltung der Sicherheitsauflagen rückgängig gemacht werden.“




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