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Startchancen an Schulen
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Besser auf Aufgaben konzentrieren: Wie Grundschüler in Heilbronn von besonderem Programm profitieren

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Das Bundesprogramm Startchancen bringt Geld an Schulen, die es am dringendsten benötigen. Darunter sind auch viele Schulen in Heilbronn, dem Landkreis Heilbronn und dem Hohenlohekreis. Wie es wirkt, erzählt eine Grundschule.

Heidi Günther mit einer besonderen Kunstpause an der Rosenauschule Heilbronn, die sie leitet.
Heidi Günther mit einer besonderen Kunstpause an der Rosenauschule Heilbronn, die sie leitet.  Foto: Gajer, Simon

Mit dem Startchancen-Programm wollen Bund und Länder genau jene Schulen finanziell unterstützen, an denen es am meisten benötigt wird. In Heilbronn, dem Landkreis Heilbronn und dem Hohenlohekreis werden zahlreiche Grundschulen und Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) gefördert. Wie wichtig diese Förderung ist, wohin das Geld fließt, zeigt ein Besuch in der Rosenauschule in Heilbronn.

In der Mittagspause sind die Kinder hochkonzentriert. Ein Mädchen malt Blumen, eine Gruppe formt aus Ton Tiere, zwei Mädchen bestücken Styropor-Eier mit Glitzer. Und ein Junge in der letzten Reihe malt. Ganz in Gold scheint sein Kunstwerk von seinem Platz bis nach vorn.

Startchance-Programm an Rosenauschule Heilbronn: Wie die Kinder davon profitieren

Die Kunstpause findet seit wenigen Wochen statt, bezahlt über das Startchancen-Programm. Und gerade der Junge macht deutlich, wie wichtig dieses Programm ist. Rektorin Heidi Günther kennt ihn aus dem Unterricht, wo er eher ruhig sei. In der Pause wirkt er auf die Schulleiterin fast wie ausgewechselt: „Mit Feuereifer hat er erzählt.“

Das Startchancen-Programm hat die Schule erreicht, und die Pädagogen stünden dahinter. Am Anfang seien sie skeptisch gewesen. Mit Startchancen konnten sie wenig anfangen: Schon wieder ein neues Programm, schon wieder zusätzliche Arbeit, erzählen Heidi Günther und ihr Stellvertreter Frank Herlan. Mit der ersten zusätzlichen Person im Unterricht seien die Bedenken dahingewesen. Die Schule steht hinter Startchancen. „Die Kollegen sind froh, wenn ein pädagogischer Assistent in den Unterricht kommt.“

Rosenauschule hat viele Erfolge

„Wir profitieren in vielfältiger Weise“, sagt Rektorin Heidi Günther glücklich. Über das Programm werden einige Personen bezahlt, die die Lehrer im Unterricht unterstützen. Zudem soll ins Gebäude investiert werden. Über Ruheräume würde genauso nachgedacht wie über Lerninseln im Gebäude, so das Schulleitungsduo. Auch die Ganztagsbetreuung, derzeit noch im Keller untergebracht, solle mindestens ins Erdgeschoss einziehen.

Das zusätzliche Personal unterstützt die Lehrer im Unterricht. Die pädagogischen Assistenten fördern Kinder, die gut vorankommen, genauso wie jene, die Hilfe benötigen. Gerade diese Personen seien eine Hilfe, auch weil sie über mehrere Monate der Schule zur Verfügung stünden. Sie werden zu Vertrauenspersonen. „Die Kinder öffnen sich ihnen gegenüber“, sagt Heidi Günther.

Wie sind die Erfolge? Für eine Bewertung ist es noch zu früh

Unterstützt das Programm die Kinder tatsächlich, wie gut sind sie mit Startchancen beispielsweise in Deutsch oder Mathe nach Klasse vier? Nach eineinhalb Jahren Startchancen-Programm ist es für die Schulleitung noch zu früh für eine Einschätzung. Hochbegabte Kinder seien genauso in der Rosenausschule wie leistungsschwache Mädchen und Jungen. Die Klassen seien heterogen. „Es wird zehn Jahre benötigen“, vermutet Frank Herlan. Erst dann könne man Erfolge bewerten.

Es gibt die kleinen erkennbaren Schritte, von denen die Lehrer erzählen. Frank Herlan berichtet von seinen Erfahrungen im Unterricht. In einer Klasse gibt es einen Jungen, der unruhig sei. Mit der pädagogischen Assistenz neben ihm klappe es, und letztlich profitieren alle in diesen Stunden davon. „Die Fähigkeit, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren, ist auf jeden Fall besser, wenn ein pädagogischer Assistent dabei ist.“

„Richtige Ansatz“: GEW begrüßt Startchancen

Die Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßt das Startchancen-Programm von Bund und den Ländern. „Es ist der richtige Ansatz“, so Harald Schröder, GEW-Sprecher im Kreis Heilbronn. Schulen hätten so viele Aufgaben zu leisten, die Lehrer allein nicht bewältigen könnten, sagt er. Zusätzliches Personal sei deshalb wichtig. Dazu zählt er auch Sozialarbeiter. Viele Kinder brächten Belastungen mit in den Unterricht. Manche seien aus ihrem Herkunftsland geflüchtet oder lebten in der Region in prekären Verhältnissen. Über Startchancen könne man den „Bedürfnissen, die da sind, viel gerechter werden“.

Im Land Baden-Württemberg fließen in zehn Jahren insgesamt 2,6 Milliarden Euro in Startchancen-Schulen. Harald Schröder begrüßt zwar, dass das Geld dorthin geht, wo es am dringendsten benötigt werde. Mehr sei aber nötig. „Es muss in die Fläche gehen.“




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