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Fachvortrag

Altersdiskriminierung erkennen: Vielfalt im Alter fördern

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Diskriminierung im Alter betrifft mehr Menschen, als viele denken. Ein Vortrag in Heilbronn zeigt, wie echte Inklusion und Wertschätzung für ältere Menschen ermöglicht werden kann.

Julia Mereana Chiquerille hält einen Vortrag zum Thema Altersdiskriminierung.
Julia Mereana Chiquerille hält einen Vortrag zum Thema Altersdiskriminierung.  Foto: Anna-Linda Hahn

Eine von drei Personen über 65 haben 2024 mindestens einmal Diskriminierung aufgrund ihres Alters erfahren. Das erklärte Julia Mereana Chiquerille, Erwachsenenbildnerin am Institut für Antidiskriminierungs- und Diversityforschung (IAD) der evangelischen Hochschule Ludwigsburg. Am Bildungsinstitut Tech Evolution in Heilbronn fand der Vortrag zum Thema „Altersdiskriminierung erkennen und Inklusion fördern“ im Rahmen des Sommers der Vielfalt statt. Mehrere Redner erklärten aus ihrer Sicht, wie sie Altersdiskriminierung auffassen.

Alter ist ein Merkmal der Vielfalt: Unterschiedliche Betrachtungsweisen fehlen

Um zu verstehen, weshalb Personen im Alter diskriminiert werden, müsse sich angeschaut werden, weshalb die Bevölkerung ein Problem mit Vielfalt hat, so Julia Mereana Chiquerille. Denn das Alter sei ein sichtbares Kernmerkmal der Vielfalt eines Menschen, genau wie das Geschlecht, die Hautfarbe oder körperliche Fähigkeiten. Anhand dieser Merkmale könne sich ein erstes Bild einer Person gemacht werden und es zeige auch, wie divers jeder Mensch ist. Als Beispiel brachte Chiquerille die rund 40 Anwesenden dazu, sich im Raum umzuschauen. Was alle feststellten, war, dass jeder im Raum unterschiedlich aussieht.

Anhand einer optischen Täuschung – ein Bild, auf dem sowohl eine alte als auch junge Frau erkennbar ist – zeigte Chiquerille auf, dass es möglich ist, „ein und dasselbe Bild mit unterschiedlichen Betrachtungsweisen zu sehen“. In der Gesellschaft werde jedoch oft nur eine Betrachtungsweise akzeptiert. So sei das auch mit der sichtbaren Vielfalt. Sobald jemand anders aussieht, andere Merkmale hat, führe das zu Problemen, die sich in Rassismus, Sexismus, aber auch Altersdiskriminierung äußern. 

Änderung des gesellschaftlichen Systems könnte Altersdiskriminierung vorbeugen

Als mögliche Lösung führte sie eine Änderung des gesellschaftlichen Systems an, weg von einer Ungleichheit, hin zu einer Gerechtigkeit, bei der jeder die Unterstützung – sei es im Alter, im Alltag oder im Beruf – erhält, die er benötigt. Sie sagte jedoch auch: „Wahrscheinlich wird unsere Spezies Homo Sapiens Sapiens da nicht hinkommen, aber es ist erstrebenswert.“

Positiver Diskurs im Maschinenbau: Unternehmen profitieren von der Erfahrung Älterer

Walter Börsch, erster Vorsitzender der Wirtschaftssenioren Heilbronn, kennt den negativen Diskurs um die Altersdiskriminierung in seiner Branche nicht. „Bei uns ist es eher umgekehrt. Ältere werden mehr geachtet, weil sie lebenslang lernen und die Erfahrungen mitbringen.“ Als Wirtschaftssenioren stehen die Pensionäre, die in höheren Positionen in Unternehmen tätig waren, verschiedenen Firmen als Berater zur Seite. „Berater haben oft ein schlechtes Image, weil sie noch jung sind.“ Das komme nicht gut an, da Ältere nicht gern von Jüngeren gesagt bekommen, was getan werden soll. Vor allem in der Maschinenbaubranche, in der er lange tätig war, wird die Erfahrung wertgeschätzt. Zwar sei auch bei ihnen bestimmtes Wissen veraltet, allerdings „merken wir, das Erfahrung und Wissen noch wertvoll ist“.  

„Wenn sie im Alter etwas erreichen wollen, dann machen sie etwas“ – Altersdiskriminierung mit Ehrenamt entgegenwirken

Für Hans und Heidi Schneider ist es wichtig, dass Menschen sich engagieren. Gemeinsam haben sie den Verein Treffpunkt Deutsch gegründet, um Ausländer den Kontakt zu Muttersprachlern zu erleichtern und Deutschland mit seiner Kultur kennenzulernen. Sie haben festgestellt, dass Senioren, die nichts machen, schneller in die Diskriminierungsschiene geraten, als solche, die neugierig sind und sich ehrenamtlich betätigen. „Wenn sie etwas im Alter erreichen wollen, dann machen sie etwas, gehen sie irgendwohin“, so Hans Schneider. Vereine seien eine gute Möglichkeit, um etwas mitzunehmen und andere Sichtweisen kennenzulernen. Für den ehemaligen Frauenarzt ist Nichtstun ein großer Fehler. „Wenn es ein Problem gibt, dann müssen wir etwas tun.“ Deshalb sollte auch aktiv gegen Altersdiskriminierung gearbeitet werden.




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