Abitur: Initiative fordert mehr Flexibilität bei den Prüfungen
Das Bildungszentrum St. Kilian aus Heilbronn ist bei einem Bildungskongress in Berlin vertreten. Dort will ein Schulvertreter ein neues Konzept vorstellen. Beim Kongress, gefördert unter anderem von der Dieter-Schwarz-Stiftung, geht es auch um ein zukunftsfähiges Abitur.

Baden-Württemberg kehrt zum neunjährigen Gymnasium zurück, doch manchem Bildungsexperten ist der reine Blick auf Schuljahre zu wenig. Dazu gehört Friedemann Stöffler aus Tübingen. Er ist Sprecher des Bündnisses für ein zukunftsfähiges Abitur und Vorsitzender der Initiative Flexible Oberstufe. Seine Gruppe richtet einen ersten Innovationskongress Oberstufe in Berlin aus, bei dem auch das Bildungszentrum St. Kilian aus Heilbronn vertreten ist. Dort präsentiert es sein Abi-Future-Konzept. Die Verantwortlichen des Kongresses erhalten für diese Veranstaltung mit 300 Teilnehmern eine breite Förderung, unter anderem von der Dieter-Schwarz-Stiftung sowie der Bertelsmann-Stiftung und der Robert-Bosch-Stiftung.
Friedemann Stöffler fehlt eine öffentliche Debatte zur Oberstufe. Seiner Ansicht nach befasst sich die Kultusministerkonferenz nur hinter verschlossenen Türen damit. Veränderungen in der Oberstufe durchzubekommen, das reizt ihn auch deshalb, weil diese hier am schwierigsten umzusetzen seien, betont er im Gespräch mit stimme.de. Alles sei reglementiert, beispielsweise dass alle Kurse in zwei Jahren zu absolvieren seien und die Prüfungen gleichzeitig stattzufinden hätten. Auch die Anzahl der Mathe-Stunden sei vorgeschrieben, um am Ende einen vergleichbaren Abschluss zu erhalten.
Mehr Flexibilität erforderlich: Jugendliche bringen unterschiedliche Bildungsvoraussetzungen mit
Für zukunftsweisend hält Friedemann Stöffler das längst nicht mehr. Er spricht sich für mehr Flexibilität aus, so wie dies beispielsweise bislang nur in einer Eliteschule für Sportler zulässig sei. Da erhielten Jugendliche mehr Zeit, das Abitur zu machen. Alle Jugendliche brächten unterschiedliche Bildungsvoraussetzungen mit, wenn sie auf ein Gymnasium gehen. Berücksichtigt werde das aber seiner Ansicht nach in den letzten beiden Jahren nicht. So müssten beispielsweise auch Flüchtlinge unter selben Bedingungen ein Abitur machen. Auch von den Ressourcen her gedacht sei das nicht sinnvoll, sagt Friedemann Stöffler.
Bei Prüfungsformaten besteht für den Tübinger ebenfalls Handlungsbedarf: "Die Fixierung auf Klausuren ist nicht mehr zeitgemäß", sagt er. Im Beruf komme es auf Teamfähigkeit an. Gäbe es schon diese Flexibilität, das Abitur zu erhalten, hätte es auch keine Diskussion über ein acht- oder neunjähriges Gymnasium in Baden-Württemberg gegeben. Die Rückkehr zu G9, davon ist Friedemann Stöffler überzeugt, sei nur der "perspektivischen Angst der Eltern" geschuldet, dass deren Kinder das Abitur nicht schaffen könnten.
Dem Tübinger geht es um den bestmöglichen Abschluss für die Kinder, nicht ums Abi für alle
Mehr Flexibilität heißt für den Vorsitzenden der Initiative Flexible Oberstufe gerade nicht, dass er alle Kinder zum Abitur bringen will - auch wenn das der Wunsch der Eltern ist. "Jeder soll den bestmöglichen Bildungsabschluss haben." Bestmöglich heißt für Friedemann Stöffler: Jeder solle seine Stärken und Schwächen erkennen. Und einen solchen Abschluss schaffen, um danach "einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten".
Marc Hennen, Schulleiter am Bildungszentrum St. Kilian Heilbronn, präsentiert in Berlin das neue Konzept Abi-Future. Es gilt als vertiefte Berufsorientierung und Begabtenförderung ab Klasse 8. Ziel ist es, den Kindern eine theoretische und eine praktische Vorqualifizierung zu einem Ausbildungsberuf parallel zur Schulzeit zu geben. Vom Kongress in Berlin erhofft sich Marc Hennen auch Impulse für die eigene Schulentwicklung. Wegen der Einführung von G9 an allgemeinbildenden Gymnasien mache sich St. Kilian Gedanken, wie es weitergehen soll. An der Schule gibt es neben einem G8-Gymnasium auch einen sogenannten Realschulaufsetzer - ein Aufbaugymnasium, das nach der zehnten Klasse in drei Jahren zur Allgemeinen Hochschulreife führt.
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