Neckargartacher wird 100 – Erwin Schad verrät sein Alters-Geheimnis
Erwin Schad feiert an diesem Dienstag seinen 100. Geburtstag. Der Jubilar aus Heilbronn-Neckargartach kam als Manager bei Tengelmann viel herum. Er verrät, was man tun sollte, um so alt zu werden.

Die Frage aller Fragen, wie man es um Gottes Willen schafft, so alt zu werden - und das auch noch bei klarem Kopf, wachem Verstand und großem Interesse an Politik, Sport, Kunst, Musik? Erwin Schad muss nicht lange nachdenken: "Vernünftig leben, nicht rauchen, bescheiden Alkohol trinken, nicht zu viel essen, oft wandern und immer gucken, dass man sich an der frischen Luft viel bewegt."
100. Geburtstag von Erwin Schad aus Heilbronn-Neckargartach: Das ist sein Alters-Geheimnis
Erwin Schad scheint sich daran gehalten zu haben. Denn der Ur-Neckargartacher, der als Tengelmann-Manager viel in Europa herumgekommen ist, feiert an diesem Dienstag seinen 100. Geburtstag: im Kreise der Familie, mit Freunden und Bekannten.
Nicht erst an seinem Festtag kann der Jubilar, auch wenn er wegen einer Beinamputation seit vier Jahren im Rollstuhl sitzt, feststellen: "Ich bin zufrieden. Mir geht es gut. Ich habe vieles richtig gemacht, nur wenig falsch und eigentlich habe ich noch alles bildhaft vor Augen."
Erwin Schad kam am 12. November 1924 in Sontheim zur Welt. Der Start ins Leben verlief alles andere als glatt. "Bei der Geburt haben sie mir das rechte Beinchen abgedreht, eine OP missglückte, seitdem war ich gehbehindert, was letztlich mein Glück war: Ich musste nicht in den Krieg." Nach Grund-, Knabenmittel- und Aufbauschule begann der 16-Jährige eine Kaufmannslehre bei Tengelmann und bildete sich über VHS und Handelskammer weiter. Nebenher machte er wochenends mit seinem Akkordeon Tanzmusik in Lokalen.
100. Geburtstag in Heilbronn-Neckargartach: Erwin Schad arbeitete bei Tengelmann
Seine Vorgesetzten in der Badstraße hatten Schads Talente schnell erkannt. Ein Blinddarmdurchbruch konnte seine Karriere nicht bremsen. Als Springer und Direktionsassistent lernte Schad die Lebensmittelfirma, die in der Ära Erivan Haub bundesweit über 1000 Filialen unterhielt, von der Pike auf kennen. Schon als 19-Jähriger verantworte er die Zentralbuchhaltung in Heilbronn, die im Krieg von Mühlheim/Ruhr an den Neckar verlegt worden war. "Ich konnte gut rechnen, war top organisiert und mochte Tabellen, auch wegen dem Fußball."
1956 führte er im Konzern zwischen Hamburg, Berlin, Hamm, Mühlheim, Heilbronn und München die Lochkarte ein - eine Art Vorläufer des späteren Computers, um 1969 zum Verwaltungsdirektor von München und Wien zu avancieren, wo Schad die Tochterkette Löwa in die grünen Zahlen führte. "Das war eine schöne Zeit, ich war vier Wochen da, dann dort, kam viel ins Theater, Museen, Konzerte, ins Olympiastadion."
100. Geburtstag: Familie und Helferinnen kümmern sich um den sympathischen Senior
Mit 55 Jahren schloss sich der Kreis. Schad wollte nach Heilbronn zurück, machte Plus zum großen deutschen Discounter, heiratete 1981 seine langjährige Liebe Lina, die Tochter Ingeborg mit in die Ehe brachte. Sie und ihre Familie kümmern sich, wie die beiden polnischen Betreuerinnen Dorota und Mirka, zusammen mit weiteren Kräften wie der Diakonie bis heute rührend um den sympathischen Senior.
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