Heilbronner bei Diskussion über Deutsche Einheit

Heilbronn  30 Jahre nach der Wiedervereinigung möchte eine Regierungskommission herausfinden, welche Unterschiede zwischen Ost und West heute noch bestehen. Günter Herrmann aus Heilbronn war bei der Online-Diskussion dabei.

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Die deutsch-deutsche Grenze war einmal, doch Vorurteile stecken noch in den Köpfen der Bundesbürger. Darüber haben Teilnehmer aus der Region diskutiert.

Foto: dpa

30 Jahre hat die Deutsche Einheit Bestand, doch es gibt noch Unterschiede zwischen Ost und West. Oder bestehen diese nur in den Köpfen? Darüber haben Teilnehmer der Veranstaltung "Deutschland im Gespräch" diskutiert. Wegen der Corona-Pandemie fanden die Gespräche zwischen Menschen aus west- und ostdeutschen Partnerstädten online statt.

Mit dabei war der 68-jährige Günter Herrmann aus Heilbronn. Vor einem Jahr, als die Veranstaltung auf dem Bildungscampus stattfand, war er bereits dabei. "Ich war früher öfter privat in der DDR", erzählt er. "Dort habe ich den sichtbaren Verfall der DDR mitansehen können."

Zerfall der DDR hat Lebensplanungen verändert

Während des Studiums sei er noch links gewesen, "so wie alle damals". Die Besuche in dem vom SED-Regime kontrollierten Staat hätten ihm die Augen geöffnet. "Das hätte jeder sehen sollen, der heute linkspopulistische Thesen vertritt."

Bei der Online-Diskussion debattierte der Heilbronner mit Teilnehmern aus ganz Deutschland über die Frage: Wie wollen wir miteinander leben? "Man kann nicht stark genug betonen, dass die DDR-Bürger eine gewaltige Zäsur erlebt haben, eine Zäsur, die ganze Lebensplanungen verändert und zu starken Verlusten geführt hat", sagt Herrmann.

Vor allem Jüngeren habe das gleichwohl ungeahnte Möglichkeiten eröffnet, wie etwa einem Bekannten von ihm, der nach der Wende Informatik studiert hat und damit erfolgreich ist. Ein Teilnehmer aus Gera ist nicht einverstanden. "Das ist das typische Klischee: Guck, der hat es geschafft." Nur langsam würde man akzeptieren, welche Biografien ehemalige DDR-Bürger mitbrachten.

Herrmann widerspricht: "Ich empfinde ihn, den Ossi, überhaupt nicht als fremd. Er ist für mich einfach ein Deutscher, und ich freue mich, dass er so erfolgreich ist."

Schrecken des DDR-Regimes wirken bis heute

Auch eine andere Teilnehmerin protestiert. "In den Medien werden immer nur die Unterschiede hervorgehoben. Zwischen Ost und West wird immer unterschieden." In der Realität gäbe es solche Unterschiede vor allem bei Jüngeren nicht. Das möchte eine Berlinerin nicht stehenlassen. "Ich habe täglich mit Menschen zu tun, die in der DDR schweres Unrecht erlitten haben. Für sie wirkt das bis in die Gegenwart."

Zum Ende geht es um die Frage, wie die Annäherung zwischen Ost und West künftig aussehen soll. Die Vorschläge fließen in eine Studie ein, die der Bundesregierung vorgelegt wird. Soll es der Staat machen? "Wir brauchen Strukturen im Osten, damit die Menschen zurückkommen", sagte eine Teilnehmerin.

Günter Herrmann sieht das anders. "Der Staat muss nicht unbedingt den wirklich nötigen Dialog zwischen Wessis und Ossis anleiten. Das sollte eher von unten organisiert werden." Sein Tipp: "Man könnte die Bücher lesen, die gerade von Ossis geschrieben werden."

 

Diskussionsreihe

Die Reihe veranstalten die Regierungskommission "30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit" und das Bundesinnenministerium.


Christoph Donauer

Christoph Donauer

Autor

Christoph Donauer kümmert sich bei der Stimme um alles, was in Heilbronn, Deutschland und der Welt los ist. Seit 2019 ist er Redakteur für Politik und Wirtschaft. Davor war er als Journalist in Berlin, Brüssel, Dänemark und Stuttgart unterwegs.

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