Noch mehr Uralt-Züge zum Neustart der Frankenbahn

Region  Es ist der zweite Rückschlag rund um den Neustart der Frankenbahn: Nach dem Bahnunternehmen Abellio legt nun auch Go-Ahead die Bremse ein, nur wenige moderne Züge werden zum Start der neuen Anbieter im Dezember verkehren. Nun braucht es einen Plan B.

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Go-Ahead in Stuttgart
Ein Zug von Go-Ahead wartet im Stuttgarter Hauptbahnhof auf die Abfahrt nach Pforzheim: Auf der Frankenbahn werden solche modernen Bahnen vorerst selten zu sehen sein. Foto: Archiv/Hettich

Neue Anbieter, ganz neue Züge mit WLAN und Klimaanlage: So sollte die Frankenbahn am 15. Dezember in die Zukunft starten. Daraus wird vorerst nichts. Nach Abellio hat mit Go-Ahead auch das zweite Bahnunternehmen für die Strecke von Stuttgart nach Heilbronn und Würzburg ein Notfallkonzept ausgerufen. Mindestens bis März 2020 werden nur wenige moderne Wagen fahren. 

Nun also auch Go-Ahead: „Wir sind gerade dabei, Plan B aufzusetzen“, kündigte Dr. Hans-Peter Sienknecht, kaufmännischer Geschäftsleiter Baden-Württemberg, im Gespräch mit der Heilbronner Stimme an.

Plan A, das hätte bedeutet: Die Tochter eines britischen Konzerns bedient die ihr zugedachte Express-Verbindung von Stuttgart über Heilbronn nach Würzburg stündlich und schafft damit eine deutliche Verbesserung gegenüber dem bislang häufig üblichen Zweistunden-Takt. Und: Go-Ahead fährt mit modernen Zügen des Schweizer Herstellers Stadler, die WLAN, Klimaanlage und Barrierefreiheit aufbieten. Teil eins des Versprechens will man vom Start weg einhalten, auf neue Bahnen müssen viele Kunden aber noch länger warten.

Vielerorts längst ausgemusterte Silberlinge fahren weiter

Drei von fünf Zuggarnituren würden zunächst für eine Übergangsfrist von drei anderen Bahnunternehmen im Auftrag von Go-Ahead bereitgestellt. Welche Firmen das sind, will Sienknecht noch nicht verraten. Die Deutsche Bahn sei nicht dabei. Mindestens bis März 2020 soll der Mischverkehr dauern.

Für Pendler besonders schmerzhaft: Die Übergangspartner setzen laut dem Go-Ahead-Geschäftsführer auf die berühmt-berüchtigten N-Wagen, im Volksmund Silberlinge genannt, vielerorts längst ausgemusterte Uralt-Wagen, deren Zeit auf der Frankenbahn eigentlich endlich vorbei sein sollte. 

Unternehmen geht nach Startproblemen auf Nummer sicher 

Seit Go-Ahead an Pfingsten erste Strecken im Netz um Stuttgart übernahm, häuften sich technische Probleme. Zugausfälle und Verspätungen waren die Folge. So blockierten immer wieder die Schiebetritte der Stadler-Züge, die automatisch ausfahren und den Abstand zum Bahnsteig überbrücken sollen. Die Software legte daraufhin oft den ganzen Zug lahm. Diese und weitere Kinderkrankheiten soll ein Software-Update in den nächsten Wochen beheben. Das bestätigte auch eine Stadler-Sprecherin auf Stimme-Nachfrage.

Den Fahrplan mit Takt-Verbesserung will Go-Ahead einhalten

„Wir sind zuversichtlich, dass der katastrophale Start auf die Frankenbahn nicht durchschlägt“, kann Go-Ahead-Regionalchef Sienknecht den schlechten Erfahrungen und daraus gezogenen Lehren zumindest etwas Positives abgewinnen. Man werde den vom Land bestellten Betrieb gewährleisten können, mit Ausfällen und Verspätungen, die sich „im Rahmen hielten“ – aber eben zunächst nur mit der Hilfe von Partnern und mit nur zwei neuen Zuggarnituren, die nach und nach mit weiteren Stadler-Zügen aufgestockt werden sollen. 

Auch Abellio musste Plan B aus der Schublade holen

Es ist der zweite Rückschlag rund um den Frankenbahn-Neustart, nachdem Abellio bereits im Frühjahr wegen Lieferschwierigkeiten des Herstellers Bombardier ein Übergangskonzept angekündigt hatte. Die eigentlich ausgebootete DB Regio, die bei der Ausschreibung wegen Formfehlern gegen die beiden Konkurrenten den Kürzeren gezogen hatte, werde die Strecke zwischen Stuttgart und Heilbronn im Rahmen einer Kooperation „für wenige Monate“ weiter bedienen.

Voraussichtlich geschieht das mit Doppelstockwagen, die nicht so museal sind wie die Silberlinge. Konkret sieht Plan B so aus: Abellio fährt die stündliche Regionalbahn Stuttgart-Heilbronn-Osterburken durchgehend selbst, aber mit geliehenen, älteren Zügen. Die ebenfalls stündliche Regionalbahn-Verbindung von Stuttgart nach Mannheim behält übergangsweise die DB Regio auf dem Abschnitt bis Heilbronn. Dort steigen Fahrgäste, die nach Mannheim wollen, in Abellio-Bombardier-Bahnen um.

VCD: Übergangsphase mit alten Wagen zu verschmerzen

Dass nun auch Go-Ahead die Bremse einlegt, sieht Matthias Lieb nicht ganz so kritisch. „Lieber ein Ersatzkonzept, als das auf Biegen und Brechen durchzuziehen“, zeigt der Landesvorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) Verständnis. Seit 25 Jahren kämpfe man für einen besseren Takt auf der Strecke nach Würzburg. Das sei nun erreicht, da ist der kurze Rückfall in Silberling-Zeiten für Lieb „ein Schönheitsfehler“. 

 


Alexander Hettich

Alexander Hettich

Autor

Alexander Hettich ist seit 2003 bei der Heilbronner Stimme. Er berichtet über den Kraichgau, Verkehr, Pendler und Themen aus benachbarten Landkreisen. 

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