Heilbronner Knorrianer tragen den Kampf für ihr Werk in die Stadt

Heilbronn  Eine Demonstration am Samstag soll den Menschen in der Region die Möglichkeit bieten, ihren Protest gegen die drohende Schließung des Heilbronner Knorr-Werks sichtbar zu machen.

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Knorrianer tragen den Kampf für ihr Werk in die Stadt

Vor drei Wochen protestierten die von einer möglichen Schließung des Werks Betroffenen auf dem Werksgelände im Heilbronner Süden.

Foto: Archiv/Mugler

Gut drei Wochen ist es jetzt her, seit die Hiobsbotschaft das Heilbronner Knorr-Werk erreicht hat: Der Unilever-Konzern hat Szenarien für die Schließung des Standorts ausgearbeitet. Schon in wenigen Wochen soll die Entscheidung fallen, ob die 1838 begründete Unternehmenstradition der Marke an ihrem Stammstandort zu Ende geht. Insgesamt sind nach Gewerkschaftsangaben rund 700 Arbeitsplätze gefährdet.

Nach der Kundgebung auf dem Werksgelände ist es still geworden. Wie der Konzern die Kostenstruktur "radikal umbauen" möchte, wie der weltweite Produktionschef Marc Engel es angekündigt hat, dazu hat der Heilbronner Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG, Burkhard Siebert, seither nichts mehr gehört.

"Knorr muss in Heilbronn bleiben!"

Er vermutet, dass die Pause taktisch ist: Der Pulverdampf soll sich verzogen haben, bevor das Unternehmen die nächsten Schritte einleitet. "Verlangen Sie keine Kostenreduzierung auf dem Rücken der Beschäftigten", fordert Siebert vom Unilever-Management, das eine Gewinnmarge von 21 Prozent als Ziel ausgerufen habe. "Unilever hat die Verantwortung, ein Konzept für zukunftsfähige Produkte und Technologien zu entwickeln, um Arbeitsplätze zu sichern."

Damit das drohende Aus für das Traditionsunternehmen nicht in Vergessenheit gerät, haben Siebert und die Arbeitnehmervertreter des Standorts für den kommenden Samstag nochmals eine große Demonstration angekündigt. "Knorr muss in Heilbronn bleiben!", lautet die Forderung, die in Heilbronn auf eine breite und parteiübergreifende Resonanz stößt. Etwa 5000 Unterschriften haben die Betroffenen bereits gesammelt, zu den Erstunterzeichnern zählen Politiker der SPD und Grünen genau wie der Linken und der CDU.

"Ich erwarte, dass die Unternehmensführung auch die Tradition eines Unternehmens berücksichtigt", schreibt etwa der CDU-Bundestagsabgeordnete Alexander Throm. Die baden-württembergischen Bundestagskollegen der Linken haben die Petition unterzeichnet, die Heilbronner SPD-Vertreter mit Josip Juratovic an der Spitze zählen zu den Erstunterzeichnern.

Demonstrationszug startet um 10 Uhr

Am Samstag wollen die für den Kampf für das Werk Verantwortlichen nun der Heilbronner Bevölkerung die Möglichkeit geben, ihre Solidarität mit den Knorrianern zu bekunden. Ein Demonstrationszug startet nach einer Kundgebung um 10 Uhr am Tor 1 des Unilever-Werks in der Knorrstraße. Mit ihrem Marsch auf den Kiliansplatz wollen sie ihren Protest gegen die Schließungspläne mitten in die Stadt tragen.

Bei einer Kundgebung, die dort für 11.30 Uhr terminiert ist, werden als Redner unter anderem Oberbürgermeister Harry Harry Mergel, Knorr-Betriebsratschef Thilo Fischer, NGG-Landeschef Uwe Hildebrandt sowie Martin Kunzmann, der DGB-Landesbezirksvorsitzende in Baden-Württemberg, erwartet. Im Rahmen der Veranstaltung sollen weitere Unterschriften für den Erhalt des Standorts gesammelt werden.

 


Manfred Stockburger

Manfred Stockburger

Chefkorrespondent Wirtschaft

Manfred Stockburger beschäftigt sich seit 1997 intensiv mit der Wirtschaft in Heilbronn-Franken und darüber hinaus. Die rasante Veränderung der Autobranche und des Lebensmittelhandels interessiert ihn besonders, außerdem die Entwicklung der Firmen in Hohenlohe.

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