Architektur-Preis: Jury überzeugt von Qualität

Region  Die Jury, die in Heilbronn-Franken unterwegs war, hatte keine leichte Aufgabe, um aus 50 eingereichten Projekten diejenigen auszuwählen, die einen "Kleinen Hugo" verdient haben. Elf Bauvorhaben befanden die Juroren für preiswürdig. Diese gehen 2018 ins Rennen um den Hugo-Häring-Landespreis.

Von Bärbel Kistner

 

Den begehrten Preis lobt der Landesverband des Bund Deutscher Architekten (BDA) alle drei Jahre aus. 14 Kreisgruppen zeichnen 2017 aus ihren Regionen Architektur aus.

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Wie sind die Bauten in die Umgebung eingeordnet? Wie sind Form und Struktur? Leisten sie einen Beitrag zur Entwicklung des Bauens? Diese Fragen hat die Jury für das Sanitäts- und Versorgungszentrum der Bundeswehr positiv beantwortet. Auf dem Kasernengelände in Niederstetten wurde bislang mit Klinker gebaut, das weiße Gebäude markiert dagegen eine neue Architektursprache und steht für den Wunsch nach Imageveränderung. Überzeugt hat die Jury die streng reduzierte Gestaltung und die "stille Ästhetik", die weit über das Funktionale hinausgehe. Insgesamt fünf Gebäude waren in der Kategorie Verwaltungsgebäude dabei.

Bildungseinrichtungen gut vertreten

Traditionell gut vertreten im Wettstreit um Architekturpreise sind Schulen: Von neun Hugo-Häring-Kandidaten bekommen drei eine Auszeichnung: die schwarz-goldene Sporthalle in Lauffen, unter anderem dank ihrer "mutigen und selbstbewussten Materialität und Farbgebung"; die Schweißwerkstätten im Technischen Schulzentrum Heilbronn wegen ihrer kraftvollen Ausstrahlung; der Neubau der Realschule in Osterburken, weil sich dieser wie selbstverständlich in die Hanglandschaft einfügt.

Mit dem Bildungscampus III und dem Bildungscampus 7+8 werden zwei Hochschulprojekte ausgezeichnet: Feine Details und eine "noble Zurückhaltung", die den Raum "zum Passepartout" für Studenten und Lehrende macht, sprechen für den hellgrauen Kubus, der von der Hochschule Heilbronn genutzt wird. Eine "schlichte und edle Gestaltung", eine Architektur, die mit "leichter Hand" daherkommt und die "Kunst der Zurückhaltung der Architekten" überzeugen bei den Bauten von Aula und AIM.

Bei der Niederlassung und Akademie Würth − als einer von sechs Industrie-und Gewerbebauten ausgewählt − lobt die Jury die "klare, stringente Architektursprache" des "selbstbewussten Baukörpers", der Mitarbeitern ein attraktives Arbeitsumfeld biete. Dem Carmen-Würth-Forum wird eine "harmonische Symbiose zwischen Architektur und Umgebung" zugeschrieben. Vier Kultur- und Gemeindezentren waren eingereicht worden.

Für die Umnutzung einer landwirtschaftlichen Hofanlage in Weikersheim-Schäftersheim hätten die Architekten eine "schlichte und angemessene Lösung" gefunden, die eigenständig in die Umgebung ausstrahle, heißt es bei der Jury. Pluspunkte sind die zukunftsweisende Nutzung und der "vorbildliche Ansatz zur Revitalisierung von sich immer weiter auflösenden Dorfkernen".

Eine Qualität und Großzügigkeit, die sonst Einfamilienhäusern zugeschrieben werde, sprächen für den Umbau mehrerer Wohnungen zum großzügigen Loft in der Heilbronner Badstraße: Hochwertiges Wohnen ohne Flächenverbrauch ist das Ergebnis.

Baubürgermeister sieht Nachholbedarf im Wohnungsbau

Leer gehen die Projekte im Bereich Kindergärten, Sakralbauten, Krankenhäuser, Freizeitbauten, Verkehrsbauten und Feuerwehrhäuser sowie Mehrfamilienhäuser aus. Gerade im Wohnungsbau sieht Heilbronns Baubürgermeister Wilfried Hajek "immensen Nachholbedarf" im Blick auf architektonische Qualität. Kosten und Nutzen stünden bei Wohngebäuden deutlich stärker im Vordergrund als bei Repräsentationsbauten. Die Vorgaben bei der Wärmedämmung machten die Häuser "schwerfällig und Fenster zu Schießscharten", sagt Hajek.

Er hofft auf den Neckarbogen, "der uns nach vorne bringen wird". Das höhere finanzielle Engagement für Architektur bringe zwar "keine Kostenmiete" − aber vielleicht im Jahr 2021 dann einen Hugo-Häring-Preis.

Die Region Heilbronn-Franken ist erst seit dem Jahr 2000 auf Landesebene erfolgreich bei der begehrten Auszeichnung. Den ersten "Großen Hugo" erhielt in jenem Jahr das Parkhaus am Bollwerksturm in Heilbronn.

2003 gab es keinen Preis, dafür waren 2006 gleich gleich Bauten erfolgreich: das Gebäude der Südwestmetall in Heilbronn, das Feuerwehrmagazin in Lauffen und der Firmensitz von Bass in Niederstetten. 2009 gab es den "Großen Hugo" für den Neubau der Beschützenden Werkstätte im Längelter in Heilbronn-Böckingen. 2012 gewann ihn der Kirchenumbau von St. Augustinus in Heilbronn. Bei der letzten Preisverleihung 2015 waren die Projekte von Heilbronn-Franken leer ausgegangen. Ob die Region 2018 wieder zu den durchschnittlich neun Preisträgern auf Landesebene zählt, entscheidet sich im Herbst.

 

Elf Preisträger in der Ausstellung

Sanitätsversorgungszentrum (Simon); Akademie Würth (Allmann Sattler Wappner); Platz am Bollwerksturm (Biegert), Bildungscampus III (Auer Weber); Realschule Osterburken (BJW); Loft-Umbau (Herzog+Herzog); Blickpunktseite 12. Oktober im Bild vorgestellt: Carmen-Würth-Forum (Chipperfield); Technisches Schulzentrum, (Hochbauamt); Hof 8 (Klärle); Bildungscampus 7+8 (Glück+Partner); Sporthalle Lauffen (mvm+starke). Alle elf ausgezeichneten Projekte sind ab Donnerstag, 19. Oktober, im Knotenpunkt Inselspitze (unter der Friedrich-Ebert-Brücke in Heilbronn) für zehn Tage zu sehen. Vernissage ist um 19 Uhr.

 

Eingereichte Projekte

Folgende Bauten haben sich zudem um die Auszeichnung beworben (ohne Preisträger): Lerchenhof, Heilbronn (Hascher Jehle), Wohnbebauung Badener Straße 57-63, Heilbronn (Kohler Grohe); Wohnhaus, Neuenstein (Mattes Riglewski); Wohnhaus, Heilbronn-Bö. (Schaedler/Gentsch); Haus R, Neckarwestheim (Kohler Grohe); Münzing Chemie, Abstatt (Müller HN); Hieber AG Betriebserweiter./Sanierung, Weikersheim (Klärle); Vollert Betriebsumbau, Weinsberg (Mattes Riglewski); Bürkert Campus, Ingelfingen-Criesbach (ARP); Büro-/Geschäftshaus, Öhringen (Knorr &Thiele); Kindertagesstätte St. Franziskus, HN-Kirchh. (Mattes Riglewski); Kinderkrippe, Igersheim (Wolf Sedat), Kindertageseinrichtung, Lauffen (Kiel Klinge Dillenhöfer); Katholische Kirche Herz Jesu, Renovierung/Anbau, Bad Rappenau (Erzbisch. Bauamt HD); Kolumbarium Westfriedhof, Heilbronn-Kli. (Mattes Riglewski); Realschule Umbau/Anbau, Güglingen (Mattes Riglewski); Deutschordensgrundschule Ganztagesbetrieb, Heilbronn-Kirchh. (Mattes Riglewski); Johann-Friedrich-Mayer-Schule, Mensa, Kupferzell (Wiechers Beck); Gemeinschaftsschule, Nordheim (Langguth); Christiane-Schmidt-Schule Aula, Neckarsulm (C&C); Fachraumzentrum, Bad Mergentheim (Wolf Sedat); Psychiatrie, Schwäbisch Hall (BJW); Hochschule, Mensa-Umbau, Heilbronn (Weinbrenner Single Arabzadeh); Festhalle, Kirchberg (Wiechers Beck); Schüler-/Jugendbegegnungsstätte, Öhringen (Knorr&Thiele); Dorfgemeinschaftshaus, Werbach-Gamburg (Klärle); Hallenbad, Neckarsulm (Sacker); Brettener Vorstadt, Eppingen (Wick + Partner); Geschäfts-/Wohnhaus, Heilbronn (Kohler Grohe); Marrahaus, Heilbronn (Schleifenheimer); ehem. Spital, Öhringen (Knorr & Thiele); Schwaigern, Rathaus (GJL); Amtsgericht Fassade, Heilbronn (BffgmbH); mobile Büroerweiterung, Heilbronn (Philipp); Forum, Bad Mergentheim (Imhof Kruhm Schlumberger); Feuerwehr, Talheim (OHO); Feuerwehr, Michelfeld (Glück+Partner); Bauhof, Künzelsau (OHO).