Lob und Tadel für Projekt-Campus

Bad Friedrichshall  Wir haben die Stimme-Leser dazu aufgefordert, uns ihre Meinung zum geplanten Projekt-Campus der Schwarz-Gruppe mitzuteilen. Das Ergebnis: Es gibt öfter Lob, aber auch viele Bedenken.

Von Vanessa Müller

Lob und Tadel für Projekt-Campus

Die Schwarz Gruppe hat am Montag den städtebaulichen Planentwurf für den Projekt-Campus vorgestellt. Er soll im Gebiet "Obere Fundel" entstehen.

Foto: Archiv/Maier

Was bedeutet der Bau des Projekt-Campus' für Bad Friedrichshall? Dazu konnten die Bürger bei der Infoveranstaltung der Schwarz-Gruppe am Montagabend Fragen stellen. In der Dienstagausgabe unserer Zeitung haben wir die Leser dazu aufgefordert, uns ihre Meinung mitzuteilen. Das Ergebnis: Es gibt öfter Lob, besonders für die architektonische Gestaltung und die Möglichkeit, Arbeitsplätze in der Region zu halten. Die Anrufer haben aber auch viele Bedenken, vor allem bezüglich des Verkehrs.

Von Entsetzen bis Begeisterung

"Ich bin entsetzt", sagt Gabriele Kleinbach. Sie lebt in Amorbach und ist Eigentümerin eines Gartengrundstücks 200 Meter vom geplanten Projekt-Campus in Kochendorf entfernt. "Hier stehen Geld und Gier im Vordergrund. Das Land wächst nicht wie die Wirtschaft. Wir brauchen auch natürliche Gebiete, in denen nichts gebaut wird." Bei bis zu 5000 Mitarbeitern stelle sich ihr die Frage: "Wie kommen die da hin?" Der Verkehr sei heute schon entsetzlich. Die Planer sollten "verantwortungsbewusst mit Großprojekten umgehen".

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"Etwas Besseres kann Bad Friedrichshall gar nicht passieren", findet dagegen Pensionär Ralph Walter. "Die Konzentration von Zukunftstechnologie und IT bedeutet eine absolute Aufwertung der Stadt und wird noch mehr im Nahbereich und Umland nach sich ziehen", sagt er. Das Verkehrsaufkommen werde sicher höher, aber zumindest nicht durch Schwerlastverkehr. Die einzige für ihn offene Frage: "Bleibt auch Gewerbesteuer in der Stadt hängen oder fließt alles nach Neckarsulm?".

Wohnraum und Nahverkehr

Alexander Bertsch aus Jagstfeld sieht die Planung der Unternehmensgruppe kritisch. "Die Bebauung wird immer mehr verdichtet. Und ich beobachte täglich, dass der Verkehr kollabiert." Er verweist auch auf den Lidl-Bau in Bad Wimpfen. "Ich verstehe die Bürgermeister Timo Frey und Claus Brechter schon. Sie möchten Arbeitsplätze in ihre Städte bringen." Die Verkehrsplanungen seien jedoch nur Stückwerk. Er würde den öffentlichen Nahverkehr stärken, um die Situation zu verbessern. Sein Vorschlag: Die Parkplätze verknappen und vermehrt Jobtickets oder ähnliches anbieten. Und was, wenn die Mitarbeiter dann den Anwohnern die Stellplatzsuche schwer machen? "Fremdparken muss unattraktiv gemacht werden."

Eine Anruferin lobt die architektonisch schöne Gestaltung des Campus". "Aber es gibt viel verschenkten Raum." Sie fände es gut, wenn auf dem Gelände nicht nur Büros, sondern auch Wohnungen für die Mitarbeiter entstünden. In Sachen Verkehr fragt sie sich, warum die großen Unternehmen wie Schwarz-Gruppe und Audi nicht noch mehr zeitlich versetzte Arbeitszeiten anbieten, damit sich alles entzerrt. Aber sie sagt dennoch: "Die Wirtschaftskraft ist wichtig für unsere Region. Und auch, dass die Schwarz-Gruppe hier bleibt."

Planentwurf

Die Schwarz-Gruppe plant bis zu 5000 IT-Arbeitsplätze in sieben asymmetrischen Gebäuden. Es sollen außerdem eine Kita, ein Restaurant und ein in den Hang hinein gebautes Parkhaus im Gebiet "Obere Fundel" in Bad Friedrichshall entstehen.

 


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