Zweiter Naturkindergarten soll Platznot in Flein lindern
Elf über Dreijährige bekommen aktuell keinen Kindergartenplatz in Flein. Elternbeiträge für Verlässliche Grundschule steigen mit Einführung des Rechtsanspruchs ab 2026/2027.

Der Bedarf an Kindergartenplätzen für über Dreijährige (Ü3) in Flein ist unvermindert hoch. „Wir werden in allen sieben Ü3-Einrichtungen in Überbelegung gehen müssen, trotzdem fehlen Plätze“, erklärte die Sachgebietsleiterin Generationen und Soziales, Jutta Pomper, bei der Vorstellung des Kindergartenbedarfsplans im Gemeinderat.
„Obwohl wir seit 2019 schon 90 weitere Plätze geschaffen haben, kann ich aktuell elf Kinder nicht unterbringen“, so Pomper. Entspannung ist in Sicht: Ein zweiter Naturkindergarten soll zum Kindergartenjahr 2026/2027 in Betrieb gehen, wodurch es künftig 260 statt 240 Ü3-Plätze mit verlängerten Öffnungszeiten beziehungsweise Ganztagsbetreuung geben wird.
Kritik an Bürokratie und hohen Standards
Zudem hofft Pomper darauf, in der Kita Kelterstraße, die erst 2024 in Betrieb gegangen ist, fünf zusätzliche Plätze anbieten zu können – dafür bedarf es allerdings noch der Zustimmung des Landratsamts Heilbronn, das unter anderem eine fehlende Toilette beanstandet hat. Das war für Gemeinderat Jens Oppl (Bürgerliste) Anlass für heftige Kritik an den hohen Standards: „Alle reden von Bürokratieabbau, aber keiner tut etwas dagegen.“
Bei der Nachfrage nach Ganztagesplätzen für unter Dreijährige (U3) zeichnet sich dagegen ab, dass das Platzangebot ausreicht. Zum einen durch den Rückgang der Geburtenzahlen. Zum anderen, weil Eltern ihren Nachwuchs häufiger erst ab dem vollendeten zweiten Lebensjahr anmelden, wie Pomper festgestellt hat. Zwei Krippengruppen mit 20 Plätzen gibt es in der Martin-Maier-Kita, vier mit 40 Plätzen in der Kita Schulstraße – auch mit der Möglichkeit zur Ganztagesbetreuung. Im Regelkindergarten Sommerhöhe wurde bereits Ende 2010 eine altersgemischte Gruppe eingerichtet, die sechs Plätze für Zwei- und Dreijährige anbietet.
Zunehmenden Bedarf verzeichnet Pomper bei der Ferienbetreuung der Ü3-Kinder, die in den drei Sommerferienwochen für alle Einrichtungen angeboten wird. Ähnlich sieht es bei der Ferienbetreuung für Grundschüler aus. Allein für die vier Tage in den Osterferien gab es 30 Anmeldungen und acht Namen auf der Warteliste.
Verlässliche Grundschule geht mit erhöhtem Personalbedarf einher
Neue Herausforderungen für die Verlässliche Grundschule bringt der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Erstklässler ab dem neuen Schuljahr mit sich. Verbindliche Betreuungszeiten von acht Stunden und die Reduzierung der Schließtage auf maximal 20 Tage im Jahr werde einen Ausbau der Betreuungsmöglichkeiten und mehr Flexibilität erfordern, betonte Pomper. Bei einer Abfrage unter den Eltern von 100 potenziellen Erstklässlern hätten 72 Bedarf auf Betreuung gemeldet. Zwölf Rückmeldungen fehlten noch zum Stichtag 15. März.
Mit dem neuen Gesetz steigt auch der Personalaufwand. Kämmerer Joshua Waible präsentierte in diesem Zusammenhang die Neukalkulation der Elternbeiträge für die Verlässliche Grundschule und die flexible Nachmittags- und Ferienbetreuung ab 2026/2027 mit Sozialstaffelung. Der Kostendeckungsgrad soll von 45 auf 50 Prozent steigen.Das wollte Dr. Jochen Gärtner (SPD) so nicht mittragen. „Das All-In-Paket für Familien mit einem Kind war bisher 214 Euro, jetzt 335 Euro – ohne Essen“, so seine Kritik. Den Anstieg für Familien ab zwei Kindern nannte er dagegen „absolut moderat“. Sechs Gemeinderäte waren seiner Ansicht. Für den Antrag der Verwaltung gab es mit elf Ja-Stimmen dennoch eine Mehrheit.
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