Zu den klassischen Bauhofaufgaben gehören Grünflächenpflege, Winterdienst, Straßenunterhaltung oder technische Dienstleistungen. Schon jetzt kooperieren die Bauhöfe von Lehrensteinsfeld und Ellhofen. Nach dem tragischen und tödlichen Arbeitsunfall des Lehrensteinsfelder Bauhofleiters im vergangenen Jahr steht Ellhofen bei spezifischen Anfragen mit Rat und Tat bereit. Erste Pläne für einen gemeinsamen Neubau wurden schon vor Jahren geschmiedet. Damals war aber die Idee: zwei getrennten Mannschaften unter einem gemeinsamen Dach. Nun also ein gemeinsames Team. Was halten die beiden Bauhof-Belegschaften davon? „Ich habe den Eindruck, da wächst etwas zusammen“, sagt Benjamin Krummhauer. Er verspricht: Die Mitarbeiter würden auf dem Weg in die gemeinsame Zukunft „eng und transparent“ mitgenommen.
Zwei Bauhöfe verschmelzen zu einer Einheit
Eine gemeinsame Feuerwehr haben sie schon, jetzt gehen sie den nächsten weitreichenden Schritt: Die beiden Nachbarkommunen Ellhofen und Lehrensteinsfeld fusionieren ihre Bauhöfe. Das Vorhaben hat Modellcharakter.

Mit der Verschmelzung der beiden Bauhofmannschaften zu einem gemeinsamen Team tun die beiden kleinen Kommunen im Weinsberger Tal – Ellhofen hat rund 4000 Einwohner, Lehrensteinsfeld knapp 2800 – etwas, das es so im Landkreis Heilbronn und im Hohenlohekreis noch nicht gibt. Genauso wie in der Region keine zweite interkommunale Feuerwehr existiert. Die gemeinsame von Ellhofen und Lehrensteinsfeld, 2015 gegründet und Ellbachtal genannt, gehört deshalb zu den Vorzeigewehren im Landkreis Heilbronn. Das sagte Lehrensteinsfelds Bürgermeister Benjamin Krummhauer jetzt in der Gemeinderatssitzung, als der Grundsatzbeschluss für die Bauhoffusion gefasst wurde. Derselbe Beschluss stand zeitgleich etwa zwei Kilometer entfernt in Ellhofen auf der Tagesordnung: Dort ging er einstimmig durch, in Lehrensteinsfeld mit einer Gegenstimme.
Krummhauer sagte aber auch: Ihm und seinem Ellhofener Amtskollegen Felix Pontow gehe es nicht darum, sich mit einem besonders prestigeträchtigen Projekt hervorzutun. „Die Idee kommt rein aus Pragmatismus. Wir sehen die Nöte vor Ort und die Chancen. Es ist ein Mehrgewinn für beide Kommunen.“
Fusion der Bauhöfe von Ellhofen und Lehrensteinsfeld: „Durch die Bank nur Vorteile“
Hans-Jürgen Schiffner, langjähriger Leiter der Städtischen Betriebe Heidenheim, sieht es ebenfalls so. Der Experte hat eine Machbarkeitsstudie zu einer möglichen Verschmelzung der beiden Bauhöfe erstellt und dafür auch den Ist-Zustand analysiert. Sein Fazit zur Fusion: „Sie haben durch die Bank nur Vorteile.“ Als da wären: bessere und effizientere Auslastung der Fahrzeuge, Spezialisierung und Professionalisierung der Mitarbeiter, denn: „Der klassische Bauhofallrounder wird immer seltener“, wie Krummhauer sagte. Außerdem wirtschaftliche Vorteile, wenn Lager-, Personal- oder Sozialräume gemeinsam genutzt und Fahrzeuge im Verbund angeschafft werden. Und: Für beide Gemeinden wird es unterm Strich günstiger, wenn sie gemeinsam einen Neubau erstellen, statt je einen separaten. Man braucht dann keine zwei Salzlager oder zwei Werkstätten.
Bauhöfe: Vor allem Lehrensteinsfeld ist unter Zugzwang
Der Ausgangspunkt aller Gedankenspiele, die es seit Jahren in den beiden Rathäusern gibt, schon bei den Vorgängern der aktuellen Bürgermeister: Beide Bauhöfe sind an ihren bestehenden Standorten nicht zukunftsfähig, vor allem Lehrensteinsfeld steht unter Zugzwang – und das Geld ist knapp. „Allein schaffen wir einen Neubau nicht“, war denn auch der Tenor im Gemeinderat. Rainer Riedel formulierte es so: „Sonst haben wir wieder so einen halblebigen Bauhof.“
Gemeinsamer Bauhof von Ellhofen und Lehrensteinsfeld: So werden die Kosten aufgeteilt
Doch zum gemeinsamen Neubau – in einer ersten Kalkulation ist von 3,7 Millionen Euro die Rede, und idealerweise soll er neben dem gemeinsamen Feuerwehrhaus entstehen, das sich in der freien Landschaft zwischen den beiden Orten befindet – ist es noch ein ordentliches Stück Weg. Bis dahin heißt es: Eine Bauhofmannschaft, zwei Standorte. Zunächst geht es darum, Mitarbeiter und Maschinen zu einer Einheit zu formieren und die Rahmenbedingungen festzulegen. Es gibt noch manche offene Frage, zum Beispiel was die Verwaltungsarbeit betrifft.
Start soll zum 1. Januar 2027 sein. Dazu wird der bestehende Feuerwehrzweckverband Ellbachtal um die Aufgabe „kommunale Bauhofleistungen“ erweitert. Das Wort „Feuer“ im Namen wird gestrichen. Künftige Investitionen wollen sich das einwohnerstärkere Ellhofen und das flächenmäßig größere Lehrensteinsfeld im Verhältnis 60:40 teilen, die Kosten für den laufenden Betrieb wollen sie in 55 und 45 Prozent splitten.
Befürchtungen im Lehrensteinsfelder Gemeinderat, ob und wie gewährleistet werde, dass das gemeinsame Bauhofteam nicht zulasten des einen Ortes mehr im anderen zugange sei, versuchte Fachmann Schiffner zu zerstreuen. Wenn man das wolle, könne man dank Digitalisierung trennscharf abrechnen.
Zunächst werde durch die Verschmelzung nichts eingespart. Schon gar nicht bei den Mitarbeitern. Denn die Personalstärke liege in beiden Kommunen unter dem, was für Orte dieser Größe empfohlen werde, erklärte der Experte. „Aber mittelfristig spart man etwa ein Drittel der Kosten ein.“

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