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Aufnahme in den Fußverkehrs-Check 2025

Ziel: Mehr Sicherheit für Fußgänger in Ellhofen

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Nach fünf vergeblichen Versuchen hat es im sechsten Anlauf geklappt: Die Gemeinde Ellhofen darf mitmachen beim Fußverkehrs-Check des Stuttgarter Verkehrsministeriums. Ein Fachbüro analysiert Verbesserungen für Fußgänger und berät Kommunen kostenlos. Die Bürger werden mit ins Boot geholt, schon im Juli soll es losgehen.

Eine wichtige Hilfe für Fußgänger in Ellhofen ist der Zebrastreifen in der Hauptstraße. Im Zuge des Großprojektes „Neue Ortsmitte“ wird er um etliche Meter versetzt. Beim Fußverkehrs-Check wird voraussichtlich auch dieser Zebrastreifen ein Thema sein.
Eine wichtige Hilfe für Fußgänger in Ellhofen ist der Zebrastreifen in der Hauptstraße. Im Zuge des Großprojektes „Neue Ortsmitte“ wird er um etliche Meter versetzt. Beim Fußverkehrs-Check wird voraussichtlich auch dieser Zebrastreifen ein Thema sein.  Foto: Anja Krezer

Es ist nicht besonders geruhsam in Ellhofen. Der 4000-Einwohner-Ort ist zwar nicht übertrieben groß, aber vom Verkehr gebeutelt: Die Bundesstraße teilt das Dorf in zwei Hälften, 42 000 Fahrzeuge bewegen sich innerhalb von 24 Stunden auf der B39 durch Ellhofen. Auf der K2113 (äußere Bahnhofstraße) sind es 11 000 Fahrzeuge in beiden Richtungen, auf der L1102 (Hauptstraße) bewegen sich täglich 3800 Fahrzeuge in Richtung Lehrensteinsfeld/Querspange.

Keine einfachen Bedingungen für Fußgänger

Diese Zahlen, die Bürgermeister Felix Pontow nennt, stammen aus der Erhebung eines Fachbüros. Sie sind schon ein paar Jahre alt, von 2017, aber die Zahl der Autos und Lkw hat seither sicher nicht abgenommen. Im Gegenteil. Hinzu kommen die Bahngleise und zwei enge Bahndurchlässe. Unterm Strich also keine einfachen Bedingungen für Fußgänger in Ellhofen.

Fußverkehrs-Check 2025: Ellhofen ist die einzige Kommune aus dem Landkreis Heilbronn

Da kommt der Rathausverwaltung der Fußverkehrs-Check gerade recht. Jedes Jahr wählt eine Fachjury im Auftrag des Landesverkehrsministeriums unter Dutzenden Bewerbungen aus ganz Baden-Württemberg 15 Kommunen für die Teilnahme aus. In diesem Jahr auch Ellhofen. Es ist die einzige Kommune aus dem Landkreis Heilbronn.

„Super, dass wir genommen wurden“, freut sich Bürgermeister Felix Pontow. Es sei gut, dass jemand von außen die Ellhofener Fußwege und Fußverbindungen unter die Lupe nimmt. „Externe Spezialisten schauen anders auf die Situation vor Ort. Manchmal haben sie einfache, praktikable Lösungen.“

Demnächst werden zwei Quartiere festgelegt, derer sich das Fachbüro Planersocietät aus Karlsruhe annehmen soll: Zum einen ist das die „Neue Ortsmitte“, die gerade im Entstehen ist, samt Bereich drumherum. Wegen ihr hatte Pontows Vorgänger Wolfgang Rapp einst die Idee gehabt, sich für den Fußverkehrs-Check zu bewerben. Ist die künftige Lage des Zebrastreifens – weg vom Rathaus, hin zur Bäckerei Trunk – gut gewählt? Darum zum Beispiel soll es gehen. Als zweites Quartier haben Pontow und Bauamtsleisterin Lena Stürzl den Bereich Stadtbahnhaltestelle/K2113/B39 und das Wohngebiet im Bereich Schillerstraße im Blick.

Ein neuralgischer Punkt für Fußgänger ist die K2113 in diesem Bereich. Die Kreisstraße, der Fußweg zur Stadtbahnhaltestelle und zwei Einmündungen, nämlich Schillerstraße und (innere) Bahnhofstraße, liegen nahe beieinander.
Ein neuralgischer Punkt für Fußgänger ist die K2113 in diesem Bereich. Die Kreisstraße, der Fußweg zur Stadtbahnhaltestelle und zwei Einmündungen, nämlich Schillerstraße und (innere) Bahnhofstraße, liegen nahe beieinander.  Foto: Anja Krezer

Lena Stürzl erklärt den Ablauf: „Die öffentliche Auftaktveranstaltung ist voraussichtlich im Juli.“ Bürger können Anregungen einbringen. Dasselbe ist auch bei zwei Begehungen mit dem Büro zwischen Juli und Oktober möglich. Dann folgen laut Stürzl die Auswertung und ein Abschlussworkshop. Im Gemeinderat wird 2026 ein Maßnahmenkatalog vorgestellt und überlegt, was man ändern kann und will und wofür es Zuschüsse gibt.

Fußverkehrs-Check 2025: Sammelstellen für Mülltonnen?

Dass dank der Vorleistung des Büros keine Planungskosten für die Umsetzung von Maßnahmen anfallen, ist laut Pontow ein großer Pluspunkt des Fußverkehrs-Checks, gerade für kleiner Kommunen. Größere hätten oft ein eigenes Stadtplanungsamt, das sich darum kümmern könne, dass Gehwege möglichst fußgängerfreundlich sind.

Oft sind sie es nicht – und das in Zeiten, da immer mehr Menschen mit Rollatoren unterwegs sind, oft mit Begleitperson. 1,80 Meter habe ein Gehweg idealerweise breit zu sein, sagt Pontow. „Das schaffen wir wahrscheinlich an keiner Stelle.“

Es könnten im Zuge des Checks auch Ideen diskutiert werden, die es Leuten mit Rollator oder Kinderwagen zwar leichter machen – die aber nicht allen Ellhofenern schmecken werden: „Man könnte zum Beispiel Sammelstellen für Mülltonnen einrichten.“ Des entspräche zumindest dem Motto des Checks 2025: „Gehwege frei räumen“.

Den Fußverkehrs-Check des Landes–Verkehrsministeriums gibt es seit 2015. 120 Kommunen haben bisher teilgenommen, in der Region unter anderem Bad Wimpfen und Bad Friedrichshall. Über 300 Kommunen bewarben sich mindestens einmal um eine Teilnahme. Laut Pressestelle des Ministeriums gilt Baden-Württemberg als Vorreiter in der Fußverkehrsförderung. Eine Jury, unter anderem bestehend aus Vertretern des Gemeinde- und Städtetags, des ADAC und des Ministeriums, wählte die 15 Kommunen für 2025 aus: Badenweiler, Balingen, Eningen unter Achalm, Ellhofen, Epfenbach, Hemsbach, Neuler, Oberkirch, Offenburg, Sachsenheim, Ulm, Urbach, Weil der Stadt, Willstätt und Zell unter Aichelberg. Vergangene Checks hätten „zu einer deutlichen Sensibilisierung und einem besseren Verständnis für die Bedürfnisse“ der Fußgänger geführt, lassen die Landtagsabgeordneten Isabell Huber (CDU) und Armin Waldbüßer (Grüne) in einer gemeinsamen Pressemitteilung wissen. 

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