Immer mehr Zecken: Risiko für Stiche steigt im Raum Heilbronn
Zecken haben in diesen Wochen ideale Bedingungen im Raum Heilbronn. Durch den Klimawandel steigt das Risiko für Stiche und übertragene Krankheiten wie FSME. Wie man sich schützt und welche Risiken bestehen.
Sommer- und Badezeit ist auch Zeckenzeit. Wer viel in der Natur unterwegs ist, wird schon bemerkt haben, dass zum Beispiel Hunde derzeit viele der blutsaugenden Parasiten auf dem Körper haben. Aber auch Menschen werden im Sommer häufig gestochen. Der Eindruck, dass die Tiere sich extrem vermehren, kann stimmen. Daran ist der Klimawandel schuld.
Wärmere Temperaturen und milde Winter begünstigen die Dichte der Zecken, informiert das Robert-Koch-Institut. Klimatische Veränderungen begünstigen außerdem, dass nicht-heimische Zeckenarten wie die Hyalomma-Zecken sich in Deutschland etablieren und neue Krankheiten übertragen.
Gesundheitsamt Heilbronn: Kein Zecken-Monitoring
Ein erhöhtes Zeckenaufkommen kann seitens des Gesundheitsamtes Heilbronn allerdings weder bestätigt noch widerlegt werden, da kein Monitoring stattfindet, sagt Pressesprecher Andreas Zwingmann. Aus biologischer und ökologischer Einschätzung lasse sich aber sagen, dass es Zecken feucht-warm mögen. Mit mäßig Regen, milden Temperaturen im Frühling und einem recht milden Winter habe es entsprechend gute Voraussetzungen gegeben.

„Aktuell ist die Landschaft durch die Hitze noch nicht so trocken, dass sich die Zecken vor dem Austrocknen schützen müssten. Die derzeit idealen Bedingungen für die Tiere können sich aber auch schnell wieder ändern, wenn es eine längere Zeit sehr heiß und trocken war“, teilt Zwingmann mit. „Dann verkriechen sich die Zecken in den Boden, wo sie relativ lange verweilen können.“
Risiko durch Zecken: Bisher keine FSME-Fälle im Hohenlohekreis
Das Landratsamt Hohenlohekreis betreibt ebenfalls kein Zecken-Monitoring. Es sei aber davon auszugehen, dass die Zeckenpopulation aufgrund der milderen Winter immer weiter steige, prognostiziert Pressesprecher Sascha Sprenger. Damit nähmen im Schnitt auch die Fallzahlen bei Infektionskrankheiten zu, die durch Zecken übertragen werden. Der Hohenlohekreis sei ein Risikogebiet für die Krankheit FSME (Frühsommer-Meningoencephalitis), die durch Zecken bisse übertragen werden kann. Allerdings seien im Jahr 2024 wie auch bisher im Jahr 2025 (KW 1 bis KW 27) keine Fälle von FSME im Hohenlohekreis gemeldet worden.
Nur der Stadtkreis Heilbronn ist kein FSME-Risikogebiet
In Baden-Württemberg ist das Risiko, über eine Zecke infiziert zu werden hoch. Das ganze Bundesland ist als Risikogebiet für FSME eingestuft – bis auf den Stadtkreis Heilbronn. Warum das seit Jahren so ist, kann niemand erklären. Fakt ist, dass die Erkrankungszahlen, die das Robert-Koch-Institut für seine Risikobewertung heranzieht, in Heilbronn gering sind. „Ein Kreis gilt als FSME-Risikogebiet, wenn in einem Zeitraum von fünf Jahren mehr als fünf FSME-Fälle pro100.000 Einwohner registriert werden“, heißt es auf der Internetseite des Zecken-Radars. Der Status als FSME-Risikogebiet gelte für 20 Jahre.
- Welche Folgen kann ein Zeckenbiss für die Menschen haben?
Zecken übertragen aber nicht nur FSME, sondern auch Lyme-Borreliose. Während FSME eine Viruserkrankung ist, die in besonders schweren Fällen zu Hirnhautentzündungen und Lähmungen führen kann, ist eine Lyme-Borreliose von Bakterien verursacht. „Sie äußert sich durch grippeähnliche Symptome und kann in der Regel mit einem geeigneten Antibiotikum gut behandelt werden“, informiert das Landratsamt Heilbronn. Bei unzureichender Behandlung könne die Krankheit allerdings zu chronischen Beschwerden führen. Im Gegensatz zu FSME gibt es gegen die Lyme-Borreliose bislang keine Impfung.
- Wann ist das Zeckenrisiko hoch?
Die Gefahr, von einer Zecke gebissen zu werden, ist in Deutschland zwischen März und Oktober am größten. Zum einen halten sich die Menschen in dieser Zeit mehr draußen auf als im Winter, zum anderen sind die Tiere laut Landratsamt bei Temperaturen ab etwa fünf Grad aktiv. „Sie stechen bevorzugt am Vormittag und frühen Abend.“ Während sehr trockener und heißer Phasen im Sommer würden sich die Zecken jedoch in der Erde vergraben, um sich vor dem Austrocknen zu schützen. Üblicherweise kämen Zecken vor allem im hohen Gras, Unterholz, in Gebüschen und Wäldern vor. Beliebte Stellen, an denen Zecken stechen, seien feuchtwarme und dunkle Körperstellen wie Kniekehlen, Leistenbeugen, Achselhöhlen und der Haaransatz.
Ständige Impfkommission empfiehlt FSME-Impfung in Risikogebieten
- Wie kann man sich vor Zecken schützen?
Der beste Schutz vor Zeckenstichen ist laut Landratsamt Heilbronn, bei Aufenthalten in der Natur helle, lange Kleidung zu tragen, die den Körper vollständig bedeckt. Nach einem Aufenthalt im Freien sollte die Kleidung gutausgeschüttelt und der gesamte Körper gründlich auf Zecken untersucht werden. Zudem sollten sich Personen, die sich in Risikogebieten aufhalten oder leben, entsprechend der Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) gegen FSME impfen lassen. Bei erwachsenen Personen sollte die Impfung alle fünf Jahre aufgefrischt werden.
Das RKI informiert in einem aktuellen Bericht, dass die Mehrzahl (99 Prozent) der 2023 übermittelten FSME-Erkrankten gar nicht oder unzureichend geimpft gewesen sei. „Ein hoher Anteil der auftretenden FSME-Erkrankungen könnte wahrscheinlich durch eine Steigerung der Impfquoten insbesondere in Risikogebieten mit hoher FSME-Inzidenz verhindert werden“, heißt es dort weiter.
- Was tun bei einem Zeckenbiss?
Eine festgesaugte Zecke sollte so schnell wie möglich entfernt werden, rät das Landratsamt. Hierbei sei es wichtig, die Zecke mit einer Pinzette oder einer Zeckenkarte so nah wie möglich an der Haut zu fassen und vorsichtig, gerade herauszuziehen. Die Zecke dürfe nicht gequetscht werden. Von Hausmitteln wie Öl oder Klebstoff werde dringend abgeraten.
Nach der Entfernung solle die Stichstelle desinfiziert und die Einstichstelle in den folgenden Tagen beobachtet werden. Bei Anzeichen einer Wanderröte (ein roter Ring um die Einstichstelle) sollte sofort ärztlicher Rat eingeholt werden. Dies kann ein Anzeichen für eine Borreliose sein.
Stimme.de
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