44 Kinder gehen in Neuhütten in die freiwillige Ganztagsschule. 17 davon, so teilt Hauptamtsleiter Jürgen Reinhardt mit, benötigen vor und nach dem Unterricht sowie an den unterrichtsfreien Nachmittagen zusätzliche Betreuung, 18 Schüler sind für die Kernzeit bis 14 Uhr gebucht. Die Kernzeit gibt es in den Paketen zwei, drei und fünf Tage, ganztags von 7 bis 16 Uhr wird als Zwei-Tages-Paket angeboten. Betreuung von 16 bis 17 Uhr kann hinzugebucht werden.
Wüstenroter Eltern fürchten Kürzung der Hort-Zeiten
Gegen die Pläne der freiwilligen Ganztagsschule im Teilort Wüstenrot regt sich Widerstand bei Eltern. Schule und Bürgermeister gestehen ein, dass es an Informationen gefehlt hat.

Die Georg-Kropp-Schule in Wüstenrot möchte freiwillige Ganztagsschule werden. Der Gemeinderat hatte im September bei einer Enthaltung den Grundsatzbeschluss gefasst. Der Antrag beim Staatlichen Schulamt wurde gestellt. Nun heißt es warten auf die Entscheidung des Regierungspräsidiums Stuttgart. Das Ansinnen sorgt in der Elternschaft für Aufregung und Ärger. Zum einen, was die Informationspolitik betrifft, zum anderen ist die Betreuung der Knackpunkt: Denn für Kinder, die nicht die Ganztagsschule besuchen, würde die Kernzeitenbetreuung nur noch bis 14 Uhr laufen. So zumindest der jetzige Stand.
In der Fragestunde der Sitzung im Oktober meldeten sich mehrere Mütter zu Wort. Die Bedarfsabfrage nach den Sommerferien werde äußerst kritisch gesehen, meinte Carolin Zahler, Elternbeiratsvorsitzende der Klasse 3b.
39 Eltern bekunden bei Umfrage Interesse
Etwa 120 Eltern von Vorschulkindern sowie Erst- bis Drittklässlern wurden zu Schuljahresbeginn angeschrieben. 39 können sich das Modell für ihr Kind vorstellen, 54 antworteten mit Nein, der Rest machte keine Angaben. „Für eine Erstabfrage ist das kein schlechtes Ergebnis“, antwortet Bürgermeister Timo Wolf auf Nachfrage der Heilbronner Stimme. Das würde je eine Ganztagsgruppe für die Erst- und Zweitklässler sowie die Dritt- und Viertklässler bedeuten, gibt Rektor Peter Wetter Auskunft. Die Zahlen entsprächen denen von Neuhütten, als dort vor zehn Jahren die Ganztagsgrundschule in Wahlform an den Start ging.
„Es ging alles ein bisschen hopplahopp“, erkennt Wolf im Nachhinein. Auch Peter Wetter betrachtet es als einen Fehler, dass Gemeinde und Schule den Fragebogen nicht mit ausführlicheren Informationen gefüttert hatten. Und bei den Elternabenden sei das vergessen worden, so Wetter. Es hätte längerfristig vorbereitet werden sollen, gesteht der Bürgermeister jetzt ein. Er habe aufs Tempo gedrückt, wollte nicht noch ein weiteres Jahr auf die Neuerung warten. Der Antrag musste bis 1. Oktober gestellt sein. Am Mittwoch hat die Gemeinde nun einen Elternbrief zum Planungs- und Sachstand verschickt, "um weiteren Irritationen vorzubeugen".
Ziel: Bildungsangebot erweitern
„Wir sind mit guten Absichten gestartet“, verteidigt sich Wolf, dem die Weiterentwicklung des Schulstandorts am Herzen liegt. Bildung und Betreuung hätten in der Gemeinde einen hohen Stellenwert. Wetter macht deutlich, dass es bei der freiwilligen Ganztagsschule um ein erweitertes Bildungsangebot, um individuelle Förderung gehe. Dafür gibt es zusätzliche Lehrerstunden. Die Ganztagsschule ist für ihn ein „tolles Angebot“, das nachmittags kostenlos sei. Er wisse von Eltern, die sich den Hort nicht leisten könnten.
Elternbeiratsvorsitzende Carolin Zahler stellt klar, dass sie nicht gegen Ganztagsschule, wenn sie freiwillig ist, per se ist. Damit habe sie kein Problem, wenn denn die Betreuungsmöglichkeiten im Hort blieben, wie sie sind. Aber: „Parallel zur Ganztagsgrundschule kann es keine Betreuung geben. Das schließt das Land aus“, hatte Hauptamtsleiter Jürgen Reinhard in der Sitzung erläutert. Eine zusätzliche Betreuung für die Nicht-Ganztagsschüler werde nicht gefordert, ergänzt er gegenüber der Heilbronner Stimme. Die Betreuung der Kinder, die nicht die Ganztagsschule wählen, endet um 14 Uhr, macht der Bürgermeister deutlich und verweist auf Neuhütten, wo es nicht anders gewünscht sei. „Da muss sich die Gemeinde Gedanken machen“, meint Rektor Wetter mit Blick auf die Haltung der Eltern in Wüstenrot. Wenn der Bedarf gegeben sei, betonen er und Wolf. "Auch in Neuhütten hat man nachjustiert", so Wolf. Grundsätzlich könnte ein erweitertes Betreuungsangebot ermöglicht werden, sagt er gegenüber der Heilbronner Stimme. Darüber müsse im Laufe der Vorbereitung auf die Ganztagsschule im Gemeinderat beraten werden.
Hort bietet mehr Flexibilität
Gezwungenermaßen müssten Eltern ihr Kind für die Wahlform anmelden, wenn sie eine längere Betreuung benötigten, kritisiert Elternbeiratsvorsitzende Zahler. Der Hort sei flexibler. An der Georg-Kropp-Schule können bisher Pakete für zwei, drei oder fünf Tage bis 17 Uhr gebucht werden. Bei der Ganztagsschule sind die Schultage fix. An der bisherigen Ferienbetreuung würde sich durch die neue Schulform nichts ändern.
Talheim leistet sich ein umfassendes Angebot
Die freiwillige Ganztagsschule gibt es bereits in mehreren Kommunen, etwa in Ellhofen, Untergruppenbach oder Talheim. Weinsberg hat sie wieder abgeschafft wegen der beengten Verhältnisse. Ilsfeld macht sich auf den Weg zur neuen Schulform. Wie sieht es anderenorts mit Betreuungsmöglichkeiten für Kinder aus, die nicht die Ganztagsschule besuchen? Untergruppenbach handhabt es wie wohl die meisten anderen Kommunen: Um 13.45 Uhr oder 14 Uhr ist Schluss mit der Kernzeitenbetreuung für Regelschüler. „Sonst würden wir Parallelstrukturen schaffen“, nennt Bürgermeister Andreas Vierling den Grund. Und dafür schießt das Land kein Geld zu. Wer eine längere Betreuung für sein Kind benötige, könne das Angebot der Ganztagsschule annehmen, so Vierling weiter. Gängige Praxis ist es, dass für diese Schüler über die Unterrichtszeit hinaus bis 17 oder 17.30 Uhr Betreuung kostenpflichtig gebucht werden kann.
Ganztagsschule auch nur an einem Tag buchbar
Ganz anders in Talheim: Da wird in Sachen Betreuungsangebot nicht zwischen Ganztags- und Regelschule unterschieden. Die Zeiten sind praktisch gleich, sagt Anna Sauer, Gesamtleiterin der Kindertageseinrichtungen. Teilweise seien die Schüler in dieselben Gruppen eingeteilt. 146 Kinder sind aktuell in der Betreuung. Mehr Flexibilität geht kaum: Die Kernzeitenbetreuung, im Gegensatz zur Ganztagsschule kostenpflichtig, kann mit verschiedenen Bändern zwischen 7.30 und 16.45 Uhr montags bis donnerstags und freitags von 7.30 bis 15.15 Uhr monatlich umgebucht werden. „Das passiert aber quasi nie“, merkt Sauer an. Wer die Kernzeitenbetreuung ganztags benötigt, bezahlt pro Monat 28 Euro für einen Tag. Eine weitere Besonderheit: Die Ganztagsschule läuft zwar von Montag bis Donnerstag, die vier Tage sind jedoch nicht fix. Kinder können auch nur einen Tag diese Schulform wählen. „Der einzige Grund, sich für die Kernzeit zu entscheiden, ist die Flexibilität“, meint die Kindheitspädagogin.
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