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Zig Anträge für Windräder in Region Heilbronn – Ansturm auf nicht vorgesehene Flächen

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Der Regionalverband beschließt die Abspaltung von 17 strittigen Projekten in Heilbronn-Franken. Inzwischen sind aber auch viele weitere Vorhaben hinzugekommen.


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Nach der Verzögerung bei der Ausweisung von Vorranggebieten für Windräder in Heilbronn-Franken ist ein Ansturm auf darin nicht vorgesehene Flächen eingetreten. Bis Jahresende wurden bereits neun Windräder genehmigt, die auf Standorten errichtet werden, die eigentlich nicht vom Regionalverband dafür eingeplant sind, berichtete Verbandsdirektor Andreas Schumm in der jüngsten Regionalversammlung in Braunsbach. Außerdem liefen weitere 40 Genehmigungsverfahren – ebenfalls für Windräder außerhalb der vorgesehenen Areale.

Weil die Windräder die Silhouette der Altstadt in erheblichem Maß stören würden, stieß der Planentwurf zur Ausweisung von Vorrangflächen auf Ablehnung.
Weil die Windräder die Silhouette der Altstadt in erheblichem Maß stören würden, stieß der Planentwurf zur Ausweisung von Vorrangflächen auf Ablehnung.  Foto: Plückthun, Ute

Ziel erreicht: 2,12 Prozent der Regionsfläche sollen ausgewiesen werden

„Aufgrund der Verzögerungen versuchen Projektierer, sich solche Flächen zu sichern“, sagte Schumm. „Weitere Anträge werden wahrscheinlich noch kommen, vor allem, wenn wir noch länger brauchen.“ Eigentlich hat der Regionalverband 87 Vorranggebiete ausgewiesen. Sie umfassen zusammen mit den bereits bestehenden Windparks 10.090 Hektar oder 2,12 Prozent der Regionsfläche – und erfüllen damit die Vorgabe des Klimaschutzgesetzes des Landes, in dem 1,8 Prozent gefordert werden.

Das Verfahren dürfte noch einige Monate dauern

Allerdings fehlen noch einige rechtliche Schritte. Zunächst einmal beschloss die Versammlung, 17 weitere Flächen nochmals zu untersuchen. Dadurch wird aber ein erneutes Anhörungsverfahren nötig, das – so die Planung – vom 2. März bis 2. April dauern soll. Erst dann können eventuelle neue Einwendungen abgewogen und Maßnahmen dazu beschlossen werden. Die Teilfortschreibung Windkraft soll aber möglichst noch im Herbst in Kraft treten. Erst dann können zusätzliche Flächen nicht mehr von Kommunen oder Projektierern eingereicht werden.

3000 Briefe und 800 Mails werden nun verschickt

„Das Risiko ist natürlich, dass es erneut zu vielen Einwendungen kommt“, erklärte der Direktor. In der ersten Anhörung waren es exakt 3761 Stellungnahmen, die sich auf 5660 Seiten und 2153 Seiten Anlagen summierten. Bis zu zwölf Mitarbeiter der Behörde waren zeitweise für die Bearbeitung eingesetzt. Nach dem Beschluss der Regionalversammlung über diese Stellungnahmen müssen nun etwa 3000 Briefe und 800 Mails versandt werden, in denen jeder Einreicher über sein Anliegen und die konkrete Beschlussfassung dazu informiert wird, wurde berichtet.

Warum Flächen bei Bad Wimpfen umstritten sind

Bei den 17 strittigen Flächen geht es unter anderem um geplante Windräder auf dem Heuchelberg, bei Bad Wimpfen und bei Waldenburg. Vier weitere Flächen wurden von der Bundeswehr und der Luftsicherheit des Flughafens Schwäbisch Hall beanstandet. Die Landesdenkmalbehörde forderte Prüfungen zu Projekten in der Umgebung der Schlösser Weikersheim, Langenburg, Waldenburg, Neipperg und Stocksberg. Nur bei Neipperg und Stocksberg gäbe es Konflikte, räumte Raphael Kist vom Regionalverband ein.

Allerdings besagten Gerichtsurteile, dass das Interesse der Energieversorgung überwiege und daher die Verfahren weitergeführt werden müssen. Anders sieht es bei Bad Wimpfen aus: Die Denkmalbehörde fordert, dass die Altstadt-Silhouette nicht von Windrädern beeinträchtigt werden dürfe. Daher müssten zwei der drei Flächen im Süden der Stadt wahrscheinlich gestrichen werden, eine weitere sei hingegen wohl weiter möglich. Dort sei auch nur ein einziges Windrad vorgesehen.

„Wir müssen all diese Gebiete nochmals prüfen“, erläuterte der leitende Planer Sascha Weisser. Die 17 Areale haben  zusammen 2429 Hektar. Hinzu kommen 81 weitere Flächen, die von Projektierern und Kommuen nachträglich eingereicht wurden, mit insgesamt 4116 Hektar. „Wir werden einen genauen Blick auf deren Eignung werfen“, kündigte er an. „Wir können uns auch ein Ranking und eine Flächenbeschränkung vorstellen.“  

Das sagen die Fraktionen der Versammlung zu den Plänen

Die meisten Fraktionen in der Versammlung befürworteten das Verfahren. „Es kann kein Ziel sein, Windkraft komplett zu verhindern“, meinte Udo Glatthaar (CDU). „Windräder sind heute viel akzeptierter – nicht weil sie schön sind, sondern notwendig“, ergänzte Ralf Steinbrenner (FWV). Hanspeter Friede (SPD) warnte vor einem Argumentationsproblem für weitere Flächen, da das Ziel ja bereits erreicht sei.

Grünen-Sprecher Thomas Tuschhoff erklärte, dass seine Fraktion Anträge für Windräder außerhalb der Vorranggebiete durchaus positiv sehe. AfD-Sprecher Gordon Stotz meinte hingegen: „Die betroffenen Bürger können nur noch hoffen, dass ihr Standort nicht genehmigungsfähig ist.“

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