Wie Tierhalter und Sonderkulturen mit dem Dauerregen klarkommen
Tierhalter mit eigenem Futtermittelanbau bewerten den vielen Regen positiv. Betriebe mit arbeitsintensiven Sonderkulturen sehen die Sache eher zwiespältig. Das sind die Gründe:

Der Dauerregen der vergangenen zweieinhalb Wochen ist für die Anbauer von Obst und Gemüse hilfreich und herausfordernd zugleich. Einerseits freut sich die Branche über das üppige und längst überfällige Wasser, das die Bodenreserven wieder auffüllt, andererseits erschwert es Ackerbau und Ernte. „Ich komme aktuell nicht mit meinen Maschinen auf meine Äcker“, berichtet Obst- und Gemüsebauer Andreas Frank aus Gellmersbach. Er sei gezwungen, viele Arbeiten, die er sonst mit Maschinen erledigt, händisch zu tätigen.
Wo dies nicht möglich ist, wie bei den Zucchinis, sehe der Ackerschlag entsprechend aus: „Wie ein Schlachtfeld“, so der Landwirt. „Seit mehr als zehn Tagen stehen hier Salat-Setzlinge, die nicht gepflanzt werden können“, so der Bauer. Die vollgesogenen Böden erhöhen demnach auch den Verschleiß der Geräte. Auf der anderen Seite freut sich der Gellmersbacher: „Ich muss gerade nicht beregnen.“
Wie die Zuckerrüben mit dem vielen Regen der vergangenen Wochen klarkommen
Positives Feedback hört man aus der Zuckerrübenbranche. „Vor der langen Regenzeit hatten wir auf unseren Schlägen Trockenstress“, berichtet Neil Naschold, Leiter der Rohstoffabteilung bei Südzucker. Dies habe sich nach regional unterschiedlichen 80 bis 150 Litern Niederschlag in der Region deutlich geändert. „Die Rüben haben das auf jeden Fall gebraucht.“ Die Zuckerpflanzen stünden jetzt gut da, beobachtet Naschold. Die Vitalität befördere die Widerstandskraft gegen Schadwirkungen, wie das Niedrig-Zucker-Syndrom (SBR) oder die Gummirübe (Stolbur), hofft er. Jetzt benötigten die Rüben vor allem Sonne, um mit Hilfe der Photosynthese Zucker bilden zu können.
Was der Wein jetzt zum Reifen benötigt
Die Weinbauern in der Region freuen sich über den Regen: „Das tut der Wasserversorgung im Boden gut“, weiß Daniel Drautz, Geschäftsführer der Genossenschaftskellerei Heilbronn. Aber jetzt dürfe es gern auch mal wieder „Freibadwetter“ geben. Sonne sei der Gesundheit der Reben zuträglich, indem sie den Pilzdruck reduziert. Außerdem benötige der Wein die Sonne für die Traubenreife. Zur Ernte, die Ende August/Anfang September beginnt, solle es möglichst nicht regnen. „Einerseits wegen der Traubengesundheit, aber auch wegen der Befahrbarkeit der Hänge“, so der Geschäftsführer.
Warum sich Tierhalter mit eigener Futtermittelherstellung freuen
Die Kartoffelanbauer werten den vielen Regen „ganz überwiegend positiv“, meint Florian Dambacher. Er ist beim Kartoffelberatungsdienst Heilbronn tätig. Vor allem die Spätkartoffeln würden von dem kühlen Nass profitieren.
Für die Tierhalter mit eigenem Futtermittelanbau ist der viele Regen ebenfalls von Vorteil. Er rechne in diesem Jahr mit einem guten Aufwuchs der Luzerne und des Maises, sagt Lorenz Weibler. Der Landwirt aus Bretzfeld nutzt die Kulturpflanzen in silierter Form als Futter für die hauseigene Ochsenmast.
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