Wie läuft die Bürgermeistersuche in Massenbachhausen?
Massenbachhausen: Nico Morast wurde nach Bretten weggewählt. Die Kommune sucht einen neuen Rathauschef. Wie funktioniert das?

Am 1. Dezember stehen in Massenbachhausen Bürgermeister-Neuwahlen an. Doch Nico Morast ist schon am 1. Oktober weg. Der aktuelle Bürgermeister tritt dann seinen neuen Posten als Oberbürgermeister von Bretten an.
2011 wählten die Massenbachhausener den heute 38-Jährigen zum jüngsten Bürgermeister Baden-Württembergs. "Damals stellte sich ziemlich schnell heraus, dass Morast der geeignete Kandidat war", erinnert sich Udo Neuweiler. Seit 15 Jahren sitzt der erste Bürgermeistervertreter für die Freien Wähler im Gemeinderat. Fünf Mitbewerber gab es damals. Die anderen seien Quereinsteiger gewesen.
Hoffentlich gibt's gute Bewerber
Nico Morast hingegen hatte an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mannheim "Öffentliche Wirtschaft" studiert und anschließend Berufserfahrung gesammelt, unter anderem als Referent des Brettener OBs. Auch jetzt, sagt Neuweiler, "hoffen wir, dass sich gute Bewerber, die sich für den Job eignen, präsentieren". Die Ausschreibung erfolge am 20. September.
"Wir wollen eine kompetente Person haben, die aus der Verwaltung kommt", sagt auch der zweite Bürgermeistervertreter Walter Müller (CDU). Der 59-Jährige ist seit 30 Jahren Gemeinderat. In der Zeit hat er "drei Bürgermeister erlebt, die haben alle ihre Spezifikationen gehabt" und seien fit für das Amt gewesen.
Morasts Fußstapfen sind groß
„Leicht wird es nicht“, befürchtet er für die Nachfolgersuche: "Die Fußstapfen von Morast sind groß." Der scheidende Amtsinhaber habe den Beruf nicht nur "von der Pike auf gelernt" und sehr strukturiert und vernünftig gearbeitet, er sei auch leutselig gewesen. Müller weist beispielhaft auf die Weihnachtsmarktauftritte der Flötengruppe hin, die Morast mit dem Akkordeon begleitete: „Bürgermeister kann nicht jeder.“ Übers Fachliche hinaus müsse ein Rathauschef kommunikativ sein und auf Leute zugehen können.

Wenn es jemand nach Höherem drängt
"Manchmal", so Dr. Michael Wehner, Leiter der Landeszentrale für politische Bildung in Freiburg, gebe es in kleineren Gemeinden, zu denen auch das gut 3600 Einwohner zählende Massenbachhausen gehört, "etwa einen Vereinsvorsitzenden, den es zu Höherem drängt". Von einem Beispiel weiß er: "Als Sportvereinsvorsitzender hat man ganz gute Chancen, gewählt zu werden." Denn: "Die Parteien haben die kommunalpolitische Ebene noch nicht durchdrungen." Schließlich sei der Vorteil von Baden-Württemberg, im Gegensatz zu ostdeutschen Bundesländern: "Es gibt es einen vorpolitischen Raum in Form von Vereinen oder Gemeinderäten, die einen Kandidaten pushen können." Allerdings sei manchem auch die A14-Besoldung für den Posten zu wenig. Das Gehalt ist zwar recht hoch, aber "man muss das wollen", meint Wehner. Denn man sei rund um die Uhr im Einsatz und unter Beobachtung. Der Experte weiß auch: Ein Bürgermeister kommt auf eine Wochenarbeitszeit von mindestens 55 Stunden. Aber zunächst werde die Stelle ausgeschrieben, erklärt Wehner, wie die Suche nach einem Bürgermeister grundsätzlich vor sich geht: "Amtsblätter und lokale Medien machen darauf aufmerksam."
Das Interesse lässt nach
Kaderschmieden für künftige Rathauschefs sind in Baden-Württemberg die Verwaltungshochschulen in Kehl und in Ludwigsburg. Dort haben sich die Studierendenzahlen nach einer Corona-Delle wieder ganz gut erholt, weiß die Ludwigsburger Rektorin Dr. Iris Eliisa Rauskala. Doch, formuliert sie vorsichtig: „Wir stellen fest, dass das Interesse an den Positionen mit Führungsverantwortung nachlässt.“ Das liege nicht nur daran, dass das ein rund-um-die-Uhr-Job sei, der einem kein Privatleben lasse, sondern auch "am schärfer werdenden Ton in den sozialen Medien".
Nichtsdestotrotz gebe es "immer wieder junge Menschen, die sich gerade deswegen dafür entscheiden". Eine Aufgabe für ihre Hochschule sieht Rauskala darin, "junge Leute dafür zu begeistern und Rüstzeug mitzugeben." 70 Prozent der Studierenden seien weiblich, für sie gibt es spezielle Förder- und Mentoring-Programme. "Es ist wichtig, jungen Frauen zu zeigen: Wie kann die Vereinbarkeit Beruf und Familie funktionieren", so die Rektorin.
"Man hört bisher nichts, dass amtierende Bürgermeister oder Studenten hellhörig geworden sind", sagt Udo Neuweiler. Doch der 57-Jährige klingt noch gelassen. Auch Nico Morast war damals erst nach der Ausschreibung aufgetaucht.
Meinung: "Messlatte"
Stichwort: Gehobener Dienst
Seit 1973 gibt es Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, zu denen auch die Hochschulen für öffentliche Verwaltung in Kehl und in Ludwigsburg gehören. Sie bereiten Studierende grundsätzlich für den gehobenen kommunalen, nicht-technischen Dienst vor, der, bei Belegung des entsprechenden Schwerpunkts "Führung" im letzten Teil des Studiums, in kleineren Gemeinden auch direkt fürs Bürgermeisteramt qualifiziert.
„Was insbesondere die vielen weiblichen Studierenden daran hindert, in diese Position zu gelangen, anstatt den Schwerpunkt auf eine weniger sichtbare Tätigkeit in der Administration zu legen, "tut niemand, außer der eigene Kopf", glaubt Dr. Iris Eliisa Rauskala. Aber natürlich sei es eine Steilvorlage, gleich ans Bürgermeisteramt zu denken, "wenn man bedenkt, dass die Studenten 22, 23 sind, wenn sie mit dem Bachelor fertig sind". Dennoch sei das in einer Kommune auf dem Land, außerhalb des städtischen Ballungsbereichs, immer noch schöne Berufskarriere, so die Rektorin der Ludwigsburger Verwaltungshochschule, auch wenn das Amt früher mit anderem Prestige verbunden gewesen sei.
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