Wie Kinder und der Sportverein Leingarten für die Zukunft fit gemacht werden
Der Sportverein Leingarten wächst und wächst: Vor Corona waren es 2500 Mitglieder, jetzt sind es mehr als 3000. Keimzelle ist das Kinderturnen.

Hoppla, da tut sich was: Ein Kind versucht, über Bälle zu laufen, die zwischen Weichbodenmatten fixiert sind, rutscht ab und fällt hin. Egal, aufgesprungen und weiter geht’s! Bewegen, ausprobieren, lernen – darum geht es donnerstags von 16 bis 17 Uhr in der Leingartener Eichbotthalle, wenn Sabine Libuda das Grundschulturnen leitet. 20 Kinder, die auf fünf Stationen verteilt sind, treiben laut sowie freudvoll Sport.
„Meine Motivation ist, den Kindern etwas beizubringen, ihnen etwas mitzugeben, dass die Kinder aus der Stunde rausgehen und sagen: ’Ich hab’s probiert!’“, erzählt die 49-jährige Übungsleiterin, die nicht nur die Kinder, sondern den ganzen Verein für die Zukunft fit machen möchte.
Beim SVL sind in 13 Abteilungen mehr als 200 lizenzierte Übungsleiter aktiv
Dem Sportverein Leingarten geht es gut. „Vor Corona hatten wir 2500 Mitglieder“, sagt der Erste Vorsitzende Uli Heinle, „jetzt sind es mehr als 3000.“ Die in 13 Abteilungen aktiv sind, angeleitet von mehr als 200 lizenzierten Übungsleitern, so Heinle. Der Verein sei gut aufgestellt, er wächst. Beispiel Kinderturnen, die Wiege der Bewegung: Aus neun Gruppen mit elf Übungsleiterinnen und Übungsleitern sowie 200 angemeldeten Kindern sind innerhalb von zwei Jahren 13 Gruppen, 17 Übungsleiter und 340 Kinder geworden – „weitere 40 stehen aktuell auf den Wartelisten“, erzählt Sabine Libuda, die seit September 2022 den Kinderturnbereich koordiniert.
„Meine Mama sagt,Kinderturnen ist einfach gut für die Fitness.“
Aurora Zott
Immer wieder ist in der Eichbotthalle ein lautes „Sabiiiiene!?“ zu hören. Ein Kind sagt am Barren, über dessen Holme seitwärts gekrabbelt werden soll: „Das ist schwer.“ Die C-Lizenzinhaberin entgegnet: „Das weiß ich. Deswegen wollen wir das trainieren.“ Sie macht es noch einmal vor und hilft dem Kind bei der Umsetzung. Kürzlich hat sie in ihre Stunde, für die es eine Stunde Vorbereitung sowie eine weitere Stunde Aufbauzeit braucht, Bockspringen und Räuberleiter eingebaut. „Das konnten die Kinder größtenteils nicht“, sagt Sabine Libuda. „Schade, dass wir Dinge verlernen.“
Sabine Libuda hat das Vorstandsteam des SV Leingarten verjüngt
Kinder verlieren Bewegungskompetenz. „Gleichzeitig wachsen die Ansprüche an die Sportvereine, während die Bereitschaft, sich zu engagieren sinkt“, weiß Dirk Libuda, der sich seit Jahren in der Leichtathletikabteilung des SVL engagiert. Der 51-Jährige und seine Frau haben bei der Hauptversammlung des Gesamtvereins Ende Juni die Hand gehoben, Verantwortung übernommen: sie als Beisitzerin, er als Sportlich-Technischer Leiter. Uli Heinle freut’s: „Wir müssen unser Vorstandsteam verjüngen.“ Sabine Libuda ist nun die Jüngste. Und treibt mit ihrem Mann verschiedene Projekte voran. Eines ist die Digitalisierung des SVL.

Wer nutzt und benötigt welche Geräte? Wann und wo gibt es freie Sportstätten? „Leichtathleten freuen sich bei schlechtem Wetter, wenn sie ihr Training in eine Halle verlegen können“, sagt Dirk Libuda. Mittels einer in einem Ordner abgehefteten Liste lasse sich das nicht bewerkstelligen. Ein weiteres Beispiel, wo Digitalisierung hilft: Über ein Ein- und Auschecken beim Training lasse sich die Gruppengröße optimieren. Sabine Libuda erklärt: „Wenn von 30 angemeldeten Kindern im Schnitt 22 da sind, man aber Kapazität für 24 hat, kann man von 30 auf 32 erhöhen.“ Und so mehr Kindern Bewegung ermöglichen.
Liane Zott schätzt am Grundschulturnen ihrer Tochter die Freude an der Bewegung
Beim Grundschulturnen am Donnerstag von 16 bis 17 Uhr sind offiziell 25 Kinder angemeldet. Louie (sechs Jahre alt), Annika (sechs) und Aurora (sieben) hat die Stunde diesmal mächtig Spaß gemacht. Was besonders? „Alles!“, sagen sie im Chor. Aurora ergänzt: „Meine Mama sagt, Kinderturnen ist einfach gut für die Fitness.“ Die Mama, die 35-jährige Liane Zott, schätzt am Grundschulturnen zudem „das Zusammensein mit gleichaltrigen Kindern und die Freude an der Bewegung“.
Der SVL kann sich vorstellen, eine 14. Abteilung aufzumachen, das Angebot für Kinder bis zwölf Jahren zu erweitern. „Wir haben im Gesamtverein die Kindersportschule vorgestellt“, sagt Sabine Libuda. Das zertifizierte Konzept sieht eine sportliche Basisausbildung vor, nach dem Motto „früh beginnen, spät spezialisieren“. Da tut sich was.
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