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„Konzept hat Mitglieder überzeugt“
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Weingärtner verkaufen Standort Eberstadt – das sind die neuen Pläne

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Die Winzer vom Weinsberger Tal haben ihren Standort in Eberstadt verkauft. Eine Immobiliengesellschaft übernimmt – mit großen Plänen für die Zukunft.


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Nach Jahren des Überlegens, nach langem Hin und Her ist jetzt ein Knopf drangemacht: Der Eberstädter Standort der Winzer vom Weinsberger Tal ist verkauft. Nachdem knapp 70 Prozent der anwesenden stimmberechtigten Genossenschaftsmitglieder bei einer außerordentlichen Generalversammlung vergangene Woche für diesen Schritt gestimmt hatten, wurde der Vertrag unterzeichnet. Die neue Eigentümerin, eine Immobiliengesellschaft, hat an ihrem künftigen Firmensitz viel vor. Unter anderem ist Gastronomie geplant.

WG-Standort Eberstadt ist verkauft: Konzentration auf den Standort Löwenstein

Eine gewisse erschöpfte Erleichterung steht Dirk Mosthaf ins Gesicht geschrieben. Die allgemeine Krise in der Weinwirtschaft und die Frage, ob und wie es am WG-Standort Eberstadt weitergeht, sind nicht spurlos am geschäftsführenden Vorstand der Winzer vom Weinsberger Tal vorübergegangen. Immer wieder musste er Kritikern von innen und außen die Linie der WG-Spitze erklären, wonach sich die Weingärtnergenossenschaft auf Dauer keine zwei Standorte leisten kann und sich auf Löwenstein konzentrieren sollte. Mosthaf hatte immer betont, dass dennoch weiterhin Trauben in Eberstadt angenommen und verarbeitet werden sollen.

Der Veräußerung des WG-Standortes ist unter Dach und Fach.
Der Veräußerung des WG-Standortes ist unter Dach und Fach.  Foto: Archiv/Krezer

Dass die WG 1000 Quadratmeter der Lagerfläche sowie den Keller für die Vinifizierung nutzen darf, sei vertraglich mit der neuen Besitzerin vereinbart, sagt Dirk Mosthaf, und Aurel Kamdem nickt. Er ist nach eigenen Angaben einer von zwei Geschäftsführern der NBG-Gruppe. Die Immobiliengesellschaft halte ihre Objekte im Bestand und sei deutschlandweit tätig, erzählt Kamdem. Sie habe ihren Sitz derzeit noch in Heilbronn und will ihn laut Kamdem nach Eberstadt verlagern und dort ihre Kräfte bündeln. Rund 20 Menschen sollen im WG-Verwaltungstrakt einmal arbeiten.

Weingärtner verkaufen Standort Eberstadt: Das Konzept sieht Gastronomie, Sportstätte und Veranstaltungen vor 

Darüberhinaus hat Kamdem für Eberstadt weitere Pläne. Sie wurden den WG-Mitgliedern in einer Versammlung zwei Tage vor der außerordentlichen Generalversammlung vorgestellt. „Gastronomie, Sportstätte, Veranstaltungen – das wollen wir hier umsetzen“, sagt Kamdem im Nachgang im Stimme-Gespräch. Was Art und Umfang betreffe, komme es auf die Abstimmungsgespräche mit dem Heilbronner Landratsamt an – also, was die Kreisbehörde an Nutzung erlaubt. Wie bisher auch, sollen im Weinhaus Geburtstage oder Firmenevents gefeiert werden können.

Außerdem soll eine Gastronomie heimisch werden, „ein dauerhaftes, festes Restaurant“, sagt Kamdem. Dort sollen die Weine der Winzer vom Weinsberger Tal nicht nur ausgeschenkt, sondern auch verkauft werden – anstelle des bisherigen Verkaufs. Ein weiterer Baustein des Nutzungskonzeptes sei eine Art Indoorspielplatz oder ein Indoorkunstrasenplatz, erläutert Aurel Kamdem. „Unsere Vorstellungen stimmen wir nun mit dem Landratsamt ab.“ Mit Ergebnissen rechnet er in drei Monaten, für Umbauarbeiten kalkuliert er ein bis zwei Monate.

Art und Umfang der künftigen Nutzung bestimme später auch die Zahl der Stellplätze auf dem 1,5 Hektar großen Areal, das laut Mosthaf für einen „unteren, einstelligen Millionenbetrag“ den Besitzer gewechselt hat. Die genaue Summe nennt er nicht. Man habe Stillschweigen vereinbart.

Schon länger wird der Verkauf des Eberstädter Standortes der WG Winzer vom Weinsberger Tal mit ihren 424 Hektar Rebfläche diskutiert. Die Lagerlogistik ist inzwischen in Löwenstein konzentriert, die Verkaufszeiten in Eberstadt sind seit einiger Zeit eingeschränkt.Zwischendurch war die Gemeinde als Käuferin im Gespräch. Die Idee war, Rathaus, Bauhof und Feuerwehrhaus dorthin zu verlegen. Die Kommune konnte sich die Liegenschaft aber nicht leisten. Im Dezember 2024 gab der Gemeinderat grünes Licht für eine gewerbliche Nutzung – eine Grundlage für den nun erfolgten Verkauf. Bis zur tatsächlichen Umnutzung läuft der Weinverkauf wie bisher. Später können die vier Teilzeitkräfte laut Geschäftsführer Dirk Mosthaf nach Löwenstein wechseln, wenn sie das möchten. 

Winzer verkaufen Eberstädter Standort  –  Dirk Mosthaf: „Konzept hat Mitglieder überzeugt“

Von den 230 stimmberechtigten Mitgliedern waren 166 bei der Generalversammlung, berichtet Dirk Mosthaf. Knapp 70 Prozent haben dem Verkauf zugestimmt – das sei in etwa die Quote, mit der er gerechnet habe, sagt der WG-Geschäftsführer. Die Versammlung sei sehr strukturiert verlaufen. Bei der Infoversammlung zwei Tage zuvor habe es „Diskussionen und Rückfragen gegeben – aber alles im Rahmen“.Dass Mitglieder, die mit dem Verkauf nicht einverstanden sind, nun der Genossenschaft den Rücken kehren, davon geht Mosthaf nicht aus. „Ich denke, das Konzept hat die Mitglieder überzeugt.“

Dem geschäftsführenden Vorstand ist es ein Anliegen, dass „die DNA des Weinhauses erhalten bleibt“. Auch liebgewonnen Institutionen wie das Wengertshäusle oder die Muttertagshocketse sollen Bestand haben. „Das ist wichtig für den Ort.“ Aurel Kamdem ergänzt: „Wir wollen Teil der Gemeinschaft sein.“

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