Virtueller Flug ins Weltall – SpaceBuzzOne macht Station in Lampoldshausen
Das Schulprojekt „SpaceBuzzOne“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) will Schüler für Naturwissenschaften begeistern – mit einer Rakete auf Rädern, einer Virtual-Reality-Reise ins All und einer Crew aus Schauspielern.

Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, mit einer Rakete ins All zu fliegen? Für Schüler aus der Region wurde dieser Traum nun zumindest virtuell wahr: Der SpaceBuzzOne, ein mobiles Bildungsprojekt, hat Halt am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Hardthausen-Lampoldshausen gemacht. Mit dabei waren unter anderem Klassen des Jagsttal-Gymnasiums Möckmühl.
Von außen wirkt der SpaceBuzzOne wie ein futuristischer Truck. Doch wer ihn betritt, findet sich in einer täuschend echt gestalteten Rakete wieder – inklusive vibrierendem Sitz, Start- und Landungssimulation und beeindruckender 360-Grad-Projektion durch Virtual-Reality-Brillen. Entwickelt wurde das Projekt ursprünglich 2019 vom niederländischen Astronauten André Kuipers. Die zentrale Idee: Den sogenannten „Overview-Effekt“ – jenen Moment, in dem Astronauten beim Blick auf die Erde ein tiefes Gefühl für deren Zerbrechlichkeit entwickeln – auf die Erde zu bringen. „Damit wir unsere Erde nochmal anders wertschätzen können und sehen, wie wir damit umgehen“, erklärt Natalie Scheidgen, Mission Specialist der SpaceBuzzOne-Crew in Deutschland. „Ich finde es so toll, dass wir das, was ganz wenigen Menschen vorbehalten ist, hier erlebbar machen.“
Die SpaceBuzzOne, die als erste von vier Raketen ganzjährig durch Deutschland tourt, bietet Platz für acht Teilnehmende pro Flug – sowie einen neunten Notsitz. Eine Einheit dauert rund 25 Minuten. Auch öffentliche Einrichtungen und Unternehmen können sich um einen Besuch bewerben. Eine interaktive Landkarte auf der Website zeigt, wann der SpaceBuzzOne in der Region ist
Einmal zum Mond, zur ISS und zurück
Bevor der Flug beginnt, begrüßen die deutschen Astronauten Alexander Gerst und Matthias Maurer die Teilnehmer mit einer kurzen Videobotschaft. Anschließend hebt die Rakete ab – natürlich nur virtuell, aber begleitet von real wirkenden Vibrationen und visuellen Effekten. Die Reise führt zur Internationalen Raumstation, weiter zum Mond und zurück zur Erde. Höhepunkt ist der Blick auf unseren Planeten: Polarlichter, die dünne Atmosphäre, Wetterphänomene, Industrieabgase – alles sichtbar gemacht durch echte Satellitenaufnahmen. Ziel ist es, junge Menschen für MINT-Fächer zu begeistern und ihr Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu schärfen.
Die Crew der SpaceBuzzOne bietet alles andere als normalen Unterricht: „Wir sind alle Schauspieler, Musicaldarsteller und kommen aus dem kreativen Bereich“, erzählt Natalie Scheidgen, die ursprünglich Tanzpädagogin ist. „Unsere Hoffnung ist, dass wir das Thema dadurch anders rüberbringen können, als es im normalen Schulalltag passiert.“
Die zwölfköpfige Crew wird von den DLR School Labs unterstützt – insbesondere von Tobias Neff, dem Leiter des Schülerlabors am Standort Lampoldshausen, sowie Anja Kaboth aus der Kommunikationsabteilung des DLR. Gemeinsam setzen sie sich für die Nachwuchsförderung in der Raumfahrttechnik ein.
Auch das Jagsttal-Gymnasium ist begeistert: „Das Jagsttal-Gymnasium hat erfreulicherweise eine Kooperation mit dem DLR“, sagt Marcel Armbrust, stellvertretender Schulleiter. „Wir wurden vom DLR und Herrn Neff aufmerksam gemacht und haben sofort gesagt, dass wir mit möglichst vielen Klassen teilnehmen wollen.“ Schüler der Klassenstufen 5 bis 8 nehmen in dieser Woche an den virtuellen Flügen teil.
Modernes Lernen mit Virtual-Reality-Brillen und Nachwuchsförderung
Die VR-Brillen-Technologie ist für viele Neuland – auch für das Team. „Ich hatte noch nie so eine Brille auf dem Kopf“, gibt Natalie Scheidgen offen zu. „Aber man fuchst sich rein. Und wir schreiben nach jedem Einsatz einen kleinen Report, ob etwas verbessert werden muss – die Technik entwickelt sich ständig weiter.“
Mit einem Investitionsvolumen von rund einer Million Euro ist das Projekt alles andere als ein Experiment – sondern ein ernsthaftes Bildungsangebot mit großem Anspruch. Und mit viel Herzblut: „Am ersten Tag dürfen wir selbst einen Testflug machen – das ist immer wieder etwas ganz Besonderes“, sagt Scheidgen.
Die DLR School Labs – darunter auch Lampoldshausen – sind fest etablierte Einrichtungen mit direktem Bezug zur Forschung. Schüler führen unter Anleitung echte Experimente durch, etwa im Bereich Raketenantriebe, Aerodynamik im Windkanal oder Materialforschung. Sie lernen den Berufsalltag von Wissenschaftlern kennen und erfahren, wie Theorie aus dem Unterricht in realer Forschung Anwendung findet. Lehrkräfte profitieren zudem von Workshops und Unterrichtsmaterialien, zum Beispiel über das Portal Space2School, das Lernmodule zu Satellitenkommunikation, Robotik oder Sonnensystem bietet.
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