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Wertschöpfung

Weintourismus ist noch ausbaufähig

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Verband ist optimistisch: Übernachtungsgäste bringen gutes Geld in die Region. Lokale Anbieter sehen das aber eher skeptisch: Die meisten kommen nicht wegen des Weins, sondern aus anderen Gründen. 

Beim Tourismus im Heilbronner Land und in Hohenlohe spielt der Wein eine immer wichtigere Rolle.
Beim Tourismus im Heilbronner Land und in Hohenlohe spielt der Wein eine immer wichtigere Rolle.  Foto: Fotografin: Maya Baum

„Weintourismus stärkt die Region deutlich“, teilt der Weinbauverband Württemberg mit. Eine von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau (LVWO) Weinsberg beauftragte Studie zum Weintourismus belege, dass Wertschöpfung, Einkommen und Arbeitsplätze weit über die Weinbranche hinaus geschaffen werden. „Die Stärkung des Weintourismus ist eine große Chance für die Einkommensdiversifizierung unserer Betriebe und bietet gleichzeitig herausragende naturnahe Erlebnisse für Touristen aus nah und fern,“ so der Präsident des Weinbauverband Württemberg, Dietrich Rembold aus Lauffen.

Gemäß der Studie seien über 10.000 Arbeitsplätze in Württemberg direkt vom Weintourismus abhängig. Zusätzlich generiere der Sektor 76,8 Millionen Euro an Steuereinnahmen. „Weintourismus ist für viele Weinbaubetriebe längst mehr als ein ergänzendes Angebot. Er fungiert als Vertriebskanal, Imageträger und wirtschaftlicher Stabilitätsfaktor, insbesondere im ländlichen Raum. Gleichzeitig verbindet er Weinwirtschaft, Tourismus, Bevölkerung und Politik“, ergänzt Hermann Morast, Geschäftsführer des Weinbauverbands Württemberg. 

Mehr als die Hälfte wollen weintouristisches Angebot ausbauen

Rund zwei Drittel der Gäste, so das Ergebnis der Befragung, stammen aus der Region oder dem näheren Umfeld im Umkreis von 50 Kilometern. Rund 57 Prozent der Betriebe planen, ihr weintouristisches Angebot in den kommenden drei Jahren auszubauen. Steigende Kosten, bürokratische Anforderungen und verändertes Konsumverhalten seien Herausforderungen, die Investitionen bremsen, so Dieter Blankenhorn, Direktor der LVWO. „Die Betriebe sind bereit zu investieren und ihre Angebote weiterzuentwickeln. Dafür brauchen sie verlässliche und praxistaugliche Rahmenbedingungen sowie einen Dialog mit der Verwaltung, um bürokratische Hürden abzubauen.“

Allerdings sind die Auslastungszahlen mit teilweise unter 20 Prozent noch verbesserungsfähig. Dies bestätigt auch Jasmin Politschek aus dem Bad Friedrichshaller Stadtteil Jagstfeld. Im dortigen Weingut gibt es auch ein Gästehaus. „Im Sommer sind wir sehr gut besucht“, so Jasmin Politschek. Durch die Radwege an Kocher und Jagst seien die Übernachtungsmöglichkeiten im Weingut gut ausgelastet. Aber: „Im Winter könnte es besser sein.“ 

Ein Großteil der Gäste in Heilbronn und Umgebung kommt nicht wegen des Weins

„Es fehlt ein gastronomisches Angebot“, stellt Jasmin Politschek fest. „Unsere Besenwirtschaft hat nur im Winter geöffnet.“ Mit ein Grund ist der Personalmangel. Allerdings: Bei privaten Feiern in der Besenwirtschaft werden die Zimmer gern gleich mit gebucht. 

Dass Gäste nur wegen des Weins in die Region kommen, kann auch Alexander Bauer vom gleichnamigen Weingut in Heilbronn nicht bestätigen. „Das macht eher unter fünf Prozent der Übernachtungen bei uns aus.“ Die 20 Zimmer werden in der Regel von Geschäftsreisenden oder wie in Bad Friedrichshall von Radfahrern belegt. „Wenn die abends noch einen unserer Weine trinken können, freuen die sich natürlich.“ 

Bauer sieht es eher nicht so, dass der Weintourismus viele Gäste nach Heilbronn bringt. „Wir müssen mehr dafür tun. Wir haben eine schöne Region, die sollten wir bestmöglich präsentieren.“ Der Erhalt der Weinberge und der Steillagen habe daher hohe Priorität, auch für den Tourismus.

Weinerlebnis in Hohenlohe: Das wird geboten

Regina Weihbrecht aus Schwabbach hat ein breites Spektrum an Gästen. „Das spielt gut in die Karten, gerade in den etwas ruhigeren Zeiten.“ Mit Weinerlebnistouren, Weinproben und Kellerführungen biete man viele Zusatzangebote. „Das kommt sehr an“, sagt die Winzerin und Wein-Erlebnisführerin. 

Markus Busch aus Bretzfeld hat die Erfahrung gemacht, dass Busgruppen bis zum Junggesellabschied das Ambiente mit Wein und gutem Essen in der Besenwirtschaft und in dem zur Vinothek umgebauten Bahnhof  schätzen. Geschäftsreisende nehmen nach der Übernachtung gern auch „ein bissle Wein mit“, es kommen aber nicht unbedingt viele Touristen nur wegen des Weins. „Man muss sich ganz genau Gedanken machen, wie man seine Kunden findet.“ Wichtig sei es, „Interesse für die Region und damit auch den Weinbau zu wecken“. 

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