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Wein ist Heimat

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Wein hat einen hohen Mehrwert für die ganze Region. Der Weg aus der Krise beginnt für Winzer mit mehr Aufklärung, meint unser Autor

Gut, dass der Weinbauverband nach dem Tod von Hermann Hohl nach einem Jahr einen neuen Präsidenten gefunden hat. Freilich, mit dem Prozedere hat man sich Zeit gelassen, dadurch aber einen Schnellschuss vermieden. Vom Tisch ist auch die Fusion mit einem anderen Agrarverband, was der Standesvertretung im Jahr des 200-jährigen Bestehens nicht gut zu Gesicht gestanden hätte. Dietrich Rembold wurde einstimmig gewählt: ein Vertrauensbeweis, der dafür spricht, dass die Reihen innerhalb der einzelnen Gruppierungen, also Güter, Kellereien und Genossenschaften, geschlossen sind. Das war nicht immer so.

Die Wahl spricht aber auch für den Kandidaten selbst. Der sympathische Lauffener ist gut vernetzt, hat als Chef einer der größeren WGs im Lande eine Ahnung vom Geschäft und er strahlt Optimismus aus. Hut ab, dass er sich in der aktuellen Schieflage überhaupt hat aufstellen lassen. Denn ausgerechnet im Jubiläumsjahr ist die Feierlaune getrübt, nicht nur in Württemberg.

Für viele Winzer rentiert sich der Arbeitsaufwand nicht mehr

Trotz Rodungen und Destillation wird weltweit mehr Wein produziert, als getrunken. Der Konsum ist regelrecht eingebrochen: durch die allgemeine Krisenstimmung, Sparzwänge, aber auch, weil immer mehr Menschen auf Alkohol verzichten. Gleichzeitig steigen Betriebskosten und Bürokratie. Für viele Winzer rentiert sich der Arbeitsaufwand nicht mehr, weil die Preise stagnieren, viele Verbraucher sich mit Billigware begnügen und zu wenige die heute hohe Qualität des heimischen Weines honorieren. Dass in Deutschland 60 Prozent der verkauften Weine aus dem Ausland stammen, ist eine Schande.

Wein ist ein Stück Heimat, zu deren Erhalt jeder etwas beitragen kann

Der neue Präsident findet also viele Baustellen vor. Eine Schlüsselfunktion hat die Öffentlichkeitsarbeit. Die Winzer müssen Verbrauchern besser vermitteln, dass sich der Wert von Wein nicht allein am Geld bemessen lässt, gerade in unserer Region: von der Reblandschaft über die vielen Wengerterfamilien, ihre Weine, Besenwirtschaften, Feste und andere Events. Kurzum: Wein ist ein Stück Heimat, zu deren Erhalt jeder etwas beitragen kann.

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