Echte Tannen als Weihnachtsdeko: Christbäume haben Umweltfolgen
An Weihnachten werden viele echte Bäume als Deko verwendet. Der Trend geht zum Zweit- und Drittbaum: Was das für die Umwelt bedeutet und welche Alternativen es gibt.

Für das Weihnachtsfest wird viel aufgefahren. Kommunen hängen lange Lichterketten auf, Weihnachtsbäume schmücken die zentralen Plätze. Im Handel wird zur Adventszeit dekoriert: Schneeflocken aus Papier, Schmuck aus Plastik und Weihnachtsbäume werden zur Verschönerung der Verkaufsflächen platziert.
Privat sparen viele Menschen ebenfalls nicht am Adventsschmuck – der Weihnachtsbaum gehört in deutschen Haushalten einfach dazu. In die Weihnachtszeit fließen mächtig Ressourcen, explizit auch viele echte Bäume. Wie verhält es sich da mit der Öko-Bilanz?
Klimasünde Weihnachtsbaum? Überfluss ist ein Problem
Dazu bezieht Christin Löffler Stellung. Sie ist Geschäftsführerin der Klimastiftung der Kreissparkasse Heilbronn und Dozentin für Gesundheit im Klimawandel und Klimamanagement an der Dualen Hochschule Stuttgart. Die in der Adventszeit überall als Weihnachtsdeko aufgestellten Bäume hält sie für zu viel. Gegen den Weihnachtsbaum im Wohnzimmer sei nichts einzuwenden, aber „der Trend geht zum Zweit- und Drittbaum. Manche Städte im Landkreis setzen einen ganzen Wald in die Innenstadt – leider nicht gepflanzt, sondern abgeholzt“.
Die schlichte Menge an echten Weihnachtsbäumen als Deko empfindet Löffler als Überfluss. Das Fällen so vieler Bäume lässt sie am überzeugten Kampf gegen den Klimawandel zweifeln, für den es ja eigentlich einer deutlichen Aufforstung bedürfte. Laut Löffler sendet das Aufstellen dieser Menge gerodeter Bäume ein falsches Signal. Dabei ließen sich die vielen echten Bäume als Dekoration doch vergleichsweise leicht ersetzen, so Löffler. Sie schlägt zum Beispiel einzelne Tannenzweige vor, für die nicht extra der ganze Baum gefällt werden müsste.
Tannenbaum aus Plastik: Sind unechte Christbäume klimafreundlicher?
Und wenn es doch ein ganzer Baum sein soll? Zu der Entscheidung zwischen einem echten Baum und einer Tanne aus Plastik als Alternative gibt es reichlich Informationen und mediale Berichterstattung. Aus dem Tenor der verschiedenen Expertenmeinungen und Berechnungen wird klar: Ein unechter Baum muss viele Jahre wiederverwendet werden, damit er sich betreffend seiner CO₂-Bilanz amortisiert.
Auch die Transportwege zum Endverbraucher spielen bei beiden Christbaum-Varianten eine Rolle. Am besten kauft man also lokal. Zudem sei die Entsorgung zu beachten.
Umweltfolgen von Weihnachtsbäumen: Mehr als der CO₂-Fußabdruck
Die Auswirkungen unnötig vieler Christbäume gehen laut Löffler über den reinen CO₂-Fußabdruck und die symbolische Wirkung des Abholzens hinaus. In den meisten Weihnachtsbaumplantagen würde stark gedüngt und mit Herbiziden und Pestiziden gespritzt. Das schade dem Wald, dem Grundwasser und den Menschen, so Löffler.
„Und das kann jedes Kind ausrechnen: wenn wir jedes Jahr einen zehn Jahre alten Tannenbaum abholzen, müssen wir die Fläche für 300 Millionen Bäume in Weihnachtsbaumplantagen vorhalten“, sagt die Dozentin. Sie bezieht sich auf die Zahl der Tannenbäume in Deutschland, die laut Statista 2019 bei rund 29,8 Millionen lag.
Ökobilanz von Christbäumen: Das empfiehlt der BUND
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) empfiehlt für eine bessere Umweltbilanz einen regional erzeugten Bio-Weihnachtsbaum. Dieser hat die Vorteile, nicht mit Pestiziden behandelt worden zu sein und keinen Kunstdünger zu bekommen. Damit fördere man zudem die naturnahe Waldpflege und regionale Betriebe. Außerdem leiste man einen Beitrag zur Artenvielfalt.
Dazu gibt es aber auch weitere Alternativen: So finden sich Online-Shops, in denen man Weihnachtsbäume im Topf mieten kann, die Jahr für Jahr wiederverwendet werden. An anderer Stelle kann man Holzstangen mit vorgebohrten Löchern erwerben, aus denen man seinen Weihnachtsbaum bauen kann, indem man frische Schnittgrün-Äste hineinsteckt. Die Holzstange kann mit dem entsprechenden Zubehör unterjährig als Garderobe verwendet werden.
Die gesamte Ökobilanz der Tradition wird also bestimmt von Menge und Art der verwendeten Bäume. Doch nicht nur die Tannen sind wichtig für ein nachhaltiges Fest. Die Verbraucherzentrale listet auch nachhaltige Weihnachts-Tipps zu den Themen Beleuchtung, Deko, Geschenke und deren Verpackung sowie dem Festtagsessen auf.
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