Stimme+
Umweltschutz

Wasserkraftwerke umzubauen ist teuer

   | 
Lesezeit  1 Min
audio Anhören
Erfolgreich kopiert!

In Jagsthausen fordert der Fischereiverein einen Kraftwerksbetreiber auf, seine Anlage anzupassen. Der schweigt auf Anfrage.  

Gewässer, wie die Jagst hier bei Schöntal-Winzenhofen, müssen bis 2027 in einen guten ökologischen und guten chemischen Zustand versetzt werden. Dazu gehört auch, dass die Wehre durchgängig für Fische sein müssen.
Gewässer, wie die Jagst hier bei Schöntal-Winzenhofen, müssen bis 2027 in einen guten ökologischen und guten chemischen Zustand versetzt werden. Dazu gehört auch, dass die Wehre durchgängig für Fische sein müssen.  Foto: Ludwig\, Tamara

Eine Wasserkraftanlage in Jagsthausen beschäftigt derzeit das Landratsamt in Heilbronn. Der Fischereiverein Jagsthausen wirft dem Kraftwerksbetreiber vor, das Wehr erhöht zu haben, um mehr Wasser in den Wehrkanal zu seiner Anlage abzuleiten. Aus dem Landratsamt hieß es noch vor acht Wochen, dass man eine Überstauung mal festgestellt habe und mal nicht. Bei einer erneuten Anfrage wollte sich die Behörde nicht mehr äußern. Das könnte damit zusammenhängen, dass der Anlagebetreiber einen Rechtsanwalt beauftragt haben soll. Zudem soll er damit gedroht haben, den beliebten Badeplatz in der Nähe des Wehrs auf seinem Grundstück zu schließen, sollte keine Ruhe einkehren. Für eine Stellungnahme war der Betreiber trotz mehrfacher Versuche nicht bereit. 

Vorstand des Landesfischereiverbands: „Es greift keiner ein“

Walter Rauch ist Vorstand beim Landesfischereiverband und Sprecher für den Hohenlohekreis. Er weist auf eine interessante Grafik hin. Darauf ist zu sehen, wie sich der Pegel der Jagst wellenförmig über Tag verändert. Kraftwerksbetreiber würden die Anlagen auch bei Niedrigwasser einschalten, „um noch die letzte Kilowattstunde zu nutzen“. Dadurch nehme der Wasserpegel weiter ab. „Stellen fallen trocken, es sterben immer mehr Fische, Muscheln und Kleinstlebewesen.“ Die im Flussbett verbliebenen Steine werden von der Sonne aufgeheizt. Das führe dazu, dass sich die Wassertemperatur erhöht, wenn das Wasser wieder einfließt. Was den Dörzbacher ärgert: „Es greift keiner wirklich ein.“ Der 58-Jährige weist daraufhin, dass zwischen drei und vier Prozent der in Deutschland erzeugten Energie durch Wasserkraft erzeugt werde. Davon entfielen 0,2 bis 0,5 Prozent auf Kleinstwasseranlagen. In Baden-Württemberg sei der Wert etwas höher.

Strafzahlungen drohen, wenn Vorgaben nicht eingehalten werden. 

Zu niedrige Wasserpegel sind das eine Problem. Dr. Gerhard Bronner ist Vorsitzender des Landesnaturschutzverbands Baden-Württemberg. Er weist auf eine Mitteilung des Landesrechnungshofs hin, wonach Strafzahlungen festgesetzt werden, wenn die Ziele der Wasserrahmenrichtlinien (WRRL) nicht engagiert verfolgt werden. Zur Erklärung: Laut WRRL sollen Gewässer der EU-Mitgliedstaaten bis spätestens 2027 in einen guten ökologischen und versetzt werden. Dazu gehört auch die Fischdurchlässigkeit von Wehranlagen. „Das Ziel muss sein, das an den Zielen festgehalten wird“, sagt der 67-Jährige.

Umbau der Wehre oft sehr teuer

Julia Neff (41) ist Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Wasserkraftwerke. Für den Umbau der Wehre seien weit mehr als 100 000 Euro fällig. „Es wurde seitens der Anlagenbetreiber schon sehr viel getan.“

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben