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Wüstenrot

Wanderfreunde Heilbronn fahren doppelte Strategie

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Heilbronner Ortsgruppe bietet Wanderheim am Steinknickle in Neuhütten zum Verkauf an. Das ist Plan B. Die Pächtersuche geht dennoch weiter.

Die Naturfreunde-Ortsgruppe Heilbronn sucht weiterhin nicht nur nach einem Pächter des Wanderheims am Steinknickle, sondern bietet die Immobilie jetzt auch zum Verkauf an.
Die Naturfreunde-Ortsgruppe Heilbronn sucht weiterhin nicht nur nach einem Pächter des Wanderheims am Steinknickle, sondern bietet die Immobilie jetzt auch zum Verkauf an.  Foto: Archiv/Kunz

"Erfüllen Sie sich einen Traum...", so ist das Angebot bei Immo-Scout 24 überschrieben. Die Luftaufnahme zeigt die landschaftliche Schönheit, in die das Gebäude am Fuße des Steinknickle-Turms eingebettet ist. Für 390.000 Euro steht die Herberge der Naturfreunde Heilbronn außerhalb von Wüstenrot-Neuhütten zum Verkauf. Jetzt doch? Johannes Müllerschön vom sechsköpfigen Führungsteam klärt auf. Eine Veräußerung des Naturfreundehauses sei Plan B. Die Ortsgruppe arbeitet weiterhin parallel an Plan A: einen Pächter zu finden und die Umbauarbeiten inklusive Brandschutz zu stemmen. 

Das ist natürlich eine Riesenherausforderung, ist doch seit vier Jahren, seit der Pandemie, das Wanderheim geschlossen. Erst seit März wird es von einem Team Ehrenamtlicher zumindest einmal im Monat als "rustikaler Mini-Benefiz-Kiosk" geöffnet. Dadurch fehlen der Ortsgruppe Einnahmen. Unterhaltungskosten hat sie dennoch. Johannes Müllerschön hat bereits einen Flyer für eine Spendenaktion - 500 Euro für eine der 100 Stufen der zwei notwendigen Außentreppen - entworfen. Bevor die Kampagne gestartet wird, muss erst noch geprüft werden, ob eine Spendenbescheinigung ausgestellt werden kann. "Die Frage,  ob unsere Naturfreundehäuser wirtschaftlich komplett als Wirtschaftsbetrieb laufen oder über unsere gemeinnützige, naturnahe Bildungs- und Jugendarbeit auch teilweise den Anforderungen der Gemeinnützigkeit entsprechen, ist kompliziert", schildert Müllerschön die Problematik.

Wunschdenken und Realität driften auseinander

Natürlich sei es der Wunsch aller, das Haus mit seinen zwölf Zimmern und 50 Betten im Sinne der Naturfreundegedanken weiter zu betreiben, sagt Müllerschön. Es stecke Herzblut darin, aber Wunschdenken und Realität drifteten auseinander. Inzwischen beziffert er die Kosten für den Brandschutz und den Einbau einer Pächterwohnung ins Dachgeschoss auf 250.000 Euro. "Wir bemühen uns um Fördergelder auf allen Ebenen", teilt das Führungsmitglied mit. Voraussetzung für Zuschüsse ist ein funktionierendes Konzept. An dem arbeite eine Handvoll Leute. 

Die Baugenehmigung des Landratsamts Heilbronn liegt inzwischen vor. Allerdings mit der Auflage, dass die Löschwasserversorgung gesichert ist. Der Hydrant reiche nicht aus. Für Abhilfe soll eine Leitung vom Hochbehälter beim Steinknickle-Turm zum Wanderheim sorgen oder vom Naturfreundeweg aus. Ein Kostenfaktor, den die Ortsgruppe nicht auch noch stemmen kann. Deshalb hofft sie auf die  Unterstützung der Gemeinde, und dass der neue Gemeinderat sich bald mit dem Thema befasst. Bürgermeister Timo Wolf hatte sich im Mai gegenüber der Heilbronner Stimme überzeugt gezeigt, dass man "einen guten Kompromiss" finden werde.

Wirtschaftlichkeit wird geprüft

Eine Controllerin prüft derzeit die Wirtschaftlichkeit beider Naturfreundehäuser am Steinknickle und in Neckarmühlbach, berichtet Müllerschön. Können beide gehalten werden? Oder muss eines verkauft werden, um das andere zu halten? "Das ist ein schwieriger Prozess", meint das Vorstandsmitglied, und deshalb habe man einen Immobilienmakler fürs Steinknickle beauftragt, "um den Markt zu klären". Denn am Jahresende müsse die Entscheidung fallen, wie es weitergeht.

Es gebe sowohl Interessenten für die Pacht wie für den Kauf, fährt Müllerschön fort. Ihm ist bewusst, dass die Immobilienanzeige Pächter abschrecken könnte. Und dass die Tatsache, dass ohne modernisierten Brandschutz kein Beherbergungsbetrieb zugelassen wird, das Kaufinteresse mindern könnte. "Verramschen wollen wir nicht", macht er aber deutlich. Deshalb habe die Ortsgruppe das erste Kaufangebot über einen Euro auch abgelehnt. 

Die Ursprünge des Wanderheims am Steinknickle gehen auf das Jahr 1913 zurück. Damals errichtete die Heilbronner Ortsgruppe als erste im Gau Schwaben eine Schutzhütte. 1953, in den 1980er Jahren und 2011 erfolgten Erweiterungen und eine Komplettsanierung. In Neuhütten ist das Grundstück 8700 Quadratmeter groß. Die Herberge verfügt über 50 Betten. Das Naturfreundehaus in Haßmersheim-Neckarmühlbach mit rund 20 Betten funktioniert als Selbstversorgerhaus. 

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