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Neuer Forstrevierleiter

Vom Industriemechaniker zum Förster: Benedikt Nüter leitet seit März das Forstrevier Neuenstadt und Langenbrettach

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Benedikt Nüter hat in Australien nach seinem beruflichen Weg gesucht – und ihn im Wald gefunden. Seit März leitet der 32-Jährige das Forstrevier Neuenstadt-Langenbrettach. Sein Ziel: Den Wald fit für den Klimawandel machen.

Seit März ist Benedikt Nüter als Nachfolger von Eckhard Staudt für das Forstrevier der Gemeinden Neuenstadt und Langenbrettach zuständig.
Seit März ist Benedikt Nüter als Nachfolger von Eckhard Staudt für das Forstrevier der Gemeinden Neuenstadt und Langenbrettach zuständig.  Foto: Elfi Hofmann

Wer im Forstrevier der Gemeinden Neuenstadt und Langenbrettach spazieren geht, hat ihn vielleicht schon gesehen: Seit 1. März ist Benedikt Nüter für das rund 1400 Hektar große Gebiet am Rand des Landkreises Heilbronn verantwortlich. In grün-brauner Arbeitskleidung fügt sich der 32-Jährige nahezu unauffällig in seine neue Arbeitsumgebung ein.

Dass er irgendwann als Förster arbeiten würde, war lange nicht absehbar: „Familiär bin ich nicht vorbelastet“, erzählt er lachend. In Pforzheim aufgewachsen, absolvierte er nach dem Schulabschluss und dem Bundesfreiwilligendienst eine Ausbildung zum Industriemechaniker. Im Anschluss war er kurz als Geselle beschäftigt. Doch das war nicht das, was sich Nüter für den Rest seines Lebens vorstellte: „Die Arbeit mit den Händen macht mir Spaß, aber nicht in einer Werkshalle.“

Reise nach Australien verändert Benedikt Nüters Leben

Um herauszufinden, was ihn wirklich glücklich macht, brach er vor knapp neun Jahren nach Australien auf. Als „Sinnreise“ beschreibt er den Aufenthalt auf einer Farm, der sein Berufsleben verändern sollte, heute. Draußen arbeiten habe ihm Spaß gemacht, Landwirtschaft sei hingegen langweilig gewesen – so fasst Benedikt Nüter das Erlebte zusammen.

Revierförster Benedikt Nüter (zweiter von links) und das Forstteam (von links) Simon Böhm, Johannes Schmiedl und Ralf Hilker
Revierförster Benedikt Nüter (zweiter von links) und das Forstteam (von links) Simon Böhm, Johannes Schmiedl und Ralf Hilker  Foto: Elfi Hofmann

Dann ging alles ganz schnell: Nach einer Recherche im Internet stieß er auf die Hochschule Rottenburg, schickte seine Bewerbung ab und hatte bereits nach einer Woche eine Zusage. Im Herbst 2018 begann der 32-Jährige mit dem Studium und merkte schnell: „Das ist das, was ich machen will.“ Zwei Jahre war er im Anschluss Trainee in Lörrach, dann ging es für Benedikt Nüter noch mal für einige Zeit nach Australien.

Pflege des Jungbestands ist wichtiges Puzzleteil

Den roten Staub hat er nun wieder gegen grüne Bäume eingetauscht. „Der Wald hier, davon träumt man“, sagt er mit Blick in die Wipfel eines Abschnitts unweit der Langenbrettacher Blockhütte. In diesem Bereich war Nüter gemeinsam mit drei Waldarbeitern in den vergangenen Wochen zugange und hat die Bäume markiert, die im kommenden Winter geschlagen werden sollen. Rund 9000 bis 10.000 Festmeter werden in dem Revier pro Jahr geerntet. Exemplare mit Punkten bleiben allerdings stehen; sie sind sogenannte Zukunftsbäume, die über besonders gute Eigenschaften verfügen und gezielt gefördert werden.

„Das ist das, was ich machen will.“ Benedikt Nüter

Das Hauptaugenmerk liegt allerdings vor allem auf der Pflege des Jungbestands. „Dort sind wir dann vor allem im Herbst tätig“, so Benedikt Nüter. Auch Neupflanzungen gehören dazu. Über allem steht allerdings ein großes Ziel: Den Wald mit Blick auf den Klimawandel resilienter zu machen. Am besten funktioniere das mit naturnaher Waldbewirtschaftung mit Augenmerk auf kommende Generationen, erklärt der 32-Jährige. „Heimische Arten bleiben die Hauptarten, aber auch Sorten aus anderen Regionen spielen dabei eine Rolle.“

Die Arbeit im Wald hat sich verändert

Dabei erfindet Nüter das Rad nicht neu, sondern kann auf die gute Arbeit seines Vorgängers Eckhard Staudt zurückgreifen, der nach über 30 Jahren im Amt zu Beginn des Jahres verabschiedet wurde. Anhand von Typenkarten, auf denen mit unterschiedlichen Farben die verschiedenen Arten gekennzeichnet sind, kann er erkennen, wo welcher Baum steht. „Das werde ich so weiterführen“, sagt Benedikt Nüter, der auf Bewirtschaftung und Pflege des Waldes einen anderen Fokus legt als die Generation Förster vor ihm.

Stand früher vor allem die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund, sind nun auch ökologische, soziale und politische Interessen von Bedeutung. „Der Erhalt der Schutzfunktion des Waldes ist wichtiger geworden.“ Er versuche, alle Aspekte zu kombinieren.

Die Arbeit, sie macht Benedikt Nüter sichtbar Spaß. „Das Frühjahr zu erleben, Verantwortung und die vielen Gestaltungsmöglichkeiten gefallen mir“, sagt er. „Und vor allem, in diesen interessanten Zeiten etwas für Natur, Tiere und Menschen tun zu können.“

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