Von den 5700 Vereinen im Württembergischen Landessportbund hat dieser 1000 zur Situation des Ehrenamts, speziell zu Trainern und Übungsleitern, befragt. Mehr als 300 Vereine antworteten. 91 Prozent stellten mangelnde Bereitschaft zum Ehrenamt fest. Zeitmangel (67 Prozent) und eine zu zeitintensive Tätigkeit (59 Prozent) wurden als Hauptgründe aufgeführt. Weniger Bürokratie sowie mehr Wertschätzung und finanzielle Unterstützung würden aus Vereinssicht helfen, das Ehrenamt attraktiver zu machen. Neben der Jugendförderung honorieren viele Kommunen auch die Trainerarbeit in diesem Altersbereich. In Flein sind das zum Beispiel 2.50 Euro pro Stunde, maximal 500 Euro pro Jahr.
"Suchen ständig Übungsleiter": Vereinen fehlen Trainer – auch im Raum Heilbronn
Die Trainerausbildung ist zeitaufwendig – und gerade jungen Leuten fehlt es an Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren. Doch fehlende Übungsleiter haben Folgen für das Angebot der Vereine.

Manuel Adler bringt es auf den Punkt: "Das ist ein Dauerbrenner." Der Geschäftsführer der Sport-Union Neckarsulm spricht von Trainings- und Übungsleitern, die in vielen Vereinen landauf landab fehlen. Das hat der Württembergische Landessportbund bei einer Umfrage festgestellt. Dieses dritte "Vereinsbarometer" ergründete die Situation des Ehrenamts.
Besonders heftig drückt vor Ort der Schuh, Helfer für Aktionen zu finden. 61 Prozent der mehr als 300 Antwortenden haben das angegeben. 58 Prozent kreuzten bei den Mehrfachangaben den Trainer- und Übungsleitermangel an. Wie sieht es in der Region aus?
Quer durch alle Abteilungen der 17 Sportarten, die über 225 Übungsleiter verfügen, sei die Sport-Union mit dieser Problematik befasst, gibt Adler weiter Auskunft. Jede Sparte habe ihren Weg gefunden, damit klar zu kommen. Teilweise würden Gruppen zusammengelegt. Man tue sich schwer, den Wegfall altersbedingt ausscheidender Übungsleiter zu kompensieren. Mit ein Grund für ihn ist ein gesellschaftlicher Wandel. Heutzutage würde ein Verein als Dienstleistung wahrgenommen, früher sei er wie eine große Familie gewesen.
Vereine suchen händeringend Trainer: Ohne Entschädigung oft keine Bereitschaft
"Die junge Generation ist nicht mehr unbedingt bereit, solche ehrenamtlichen Tätigkeiten zu übernehmen", ist Adlers Erfahrung. Und wenn sie es tue, lege sie Wert auf eine angemessene Aufwandsentschädigung. "Die ältere Generation hat das ohne einen Cent gemacht", so der Geschäftsführer. Der Verein spreche gezielt junge Leute an, die er für den Trainingsbetrieb für geeignet halte. "Das gelingt immer wieder", ist Adler dankbar.
"Wir suchen ständig Trainer und Übungsleiter", sagt Ulrich Heinle. Er ist Vorsitzender des SV Leingarten mit seinen fast 2700 Mitgliedern, der inklusive 25 bis 30 lizenzierter Trainer rund 100 Helfer im Übungsbetrieb hat. Wie Adler merkt auch Heinle an: "Es ist eine traurige Entwicklung. In meinen Augen hat sich die Gesellschaft in eine Ich-Gesellschaft verändert." Es sei kaum jemand zu finden mit Trainerschein, der seine Tätigkeit ohne Bezahlung leisten wolle.
Fehlende Trainer in Vereinen: Steigende Mitgliederzahlen verschärfen Situation
"An Kindern mangelt es uns nicht", weist Claudia Grimm, die die Geschäftsstelle der Handball-Abteilung des TV Flein führt, auf den großen Andrang auf den Vereinssport hin, über den sich auch andere Vereine eigentlich freuen können. Allein die F-Jugend sei 40 Köpfe stark. Das verschärft die Situation.
Auch in Flein fehlen gut ausgebildete Trainer. Die Abteilung behilft sich im Kinder- und Jugendbereich vor allem mit Eltern. "Man muss froh sein, dass man jemand hat, der sich in die Halle stellt", sagt Grimm, die selbst ein Mini-Training mit anderen Eltern leitet. "Das ist nicht professionell", gibt sie zu, aber das sei im Breitensport auch nicht möglich.
Die App "Learn Handball" mit Videomaterial stünde den Eltern zur Verfügung, um sich Grundlagen anzueignen. Auch aktive oder ehemalige Spieler sind bei der Handball-Abteilung im Kinderbereich im Einsatz. Permanente Anstrengungen sind beim TSV Weinsberg mit seinen 1400 Mitgliedern ebenfalls notwendig, wie Vize-Vorsitzender Heinz Fetter berichtet. Bei wachsender Mitgliederzahl sei das nicht einfach, dennoch sei man derzeit in der Lage, trainerseitig die Aufgabe zu leisten. Fetter hält nichts davon, Untergangsstimmung zu verbreiten.
Was helfen würde: Erhöhung der steuerfreien Übungsleiterpauschale
"Wir sind als Verband gefordert", ist Thomas Müller, Pressesprecher des WLSB in Stuttgart, angesichts der Situation klar. Ein Ansatz ist die Trainerausbildung. Die sollte digitalisiert werden, weist Claudia Grimm auf den großen Aufwand hin, den drei Seminarwochen an einer Landessportschule bedeuteten. Digitale Lerntage gebe es schon, berichtet Müller, der kürzere Lehrgänge als eine Vorstufenqualifikation mit Grundlagenvermittlung für denkbar hält.
Was ebenfalls helfen könnte: die Erhöhung der steuerfreien Übungsleiterpauschale von bis zu 3000 Euro pro Jahr. Das sei der Gesetzgeber gefragt, meint Müller. Nach Auskunft der Vereinsvertreter spendeten die Empfänger meist das Geld wieder an die Vereine, die es zum Wirtschaften brauchen. Oft finanzieren die Vereinen die Ausbildungskosten.
Ein Appell ist Müller noch wichtig: Im Kinder- und Jugendbereich wäre eine geringere Erwartungshaltung, dass der Verein alles mache, wünschenswert. Er ruft dazu auf: mitmachen, mithelfen, mitwirken, gemeinsam anpacken.

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