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13 Uhr in Cleebronn

Ungewöhnliche Begegnung mit einem Papagei im Naturpark Stromberg-Heuchelberg

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Der  Cleebronner Wanderparkplatz Michaelsbergsattel ist ein idealer Ausgangspunkt für Wanderer und Radfahrer. Was ist los an einem frühen Freitagnachmittag?

Katrin Lorey aus Hausen an der Zaber führt am Fuße des Michaelsbergs ihre Hündin Bonnie aus. Hier gibt es viele Wege für Spaziergänger, Wanderer und Radfahrer.
Katrin Lorey aus Hausen an der Zaber führt am Fuße des Michaelsbergs ihre Hündin Bonnie aus. Hier gibt es viele Wege für Spaziergänger, Wanderer und Radfahrer.  Foto: Sabine Friedrich

Schnell auf dem Rückweg noch den Hund rauslassen, deshalb hat Stefan Möbius auf dem Wanderparkplatz Michaelsbergsattel angehalten an diesem frühen Freitagnachmittag. Vier bis fünf Mal im Monat wählt er diesen Ausgangspunkt für den Spaziergang mit seinem Vierbeiner. "Ich genieße die Ruhe", sagt der Cleebronner. Das Kreischen der Fahrgäste in den Achterbahnen in Tripsdrill in Blickweite stört ihn nicht weiter. "Ab Herbst hört das auf", sagt Möbius, ehe er zu einer kleinen Runde aufbricht.

Im Naturpark Stromberg-Heuchelberg können Radler, Wanderer und Spaziergänger auch große Runden  unternehmen. Das Angebot an Wegen und Touren, auf denen Rast- und Grillplätze zu Pausen einladen, ist vielfältig, das zeigen die Infotafel und die Beschilderungen. In alle Richtungen kann man ausschwärmen. Der Württembergische Weinwanderweg führt hier entlang genauso wie der Hauptwanderweg HW 10 Stromberg. Es gibt einen Martinus- oder einen Sachsenheimweg. Und natürlich können Radler und Wanderer einfach auch nur den Michaelsberg umrunden oder zwischen den Rebzeilen hochmarschieren und -fahren. Aussichtspunkte gibt es genug, von denen der Blick weit in die Landschaft reicht. Ein herrliches Panorama, das ein Gefühl von Freiheit vermittelt.

Unter der Woche ist es ruhig

Katrin Lorey wohnt zwar nicht mehr in Cleebronn, sondern inzwischen in Hausen an der Zaber. Aber es zieht sie mit ihrer Osteuropäischen Schäferhündin unter der Woche zurück auf die Cleebronner Gemarkung. "Ich komme gerne hierher, weil es so schön ruhig ist", stellt auch sie heraus. Zumindest unter der Woche. Am Wochenende sei mehr los. Sonntags hat regelmäßig der Weinausschank der Weingärtner Cleebronn-Güglingen im Steinbruch Näser geöffnet. Der ist werktags Treffpunkt von Heinz Gabert und seinen Freunden. "Wir trinken hier ein Bier, und nach zwei Stunden gehen wir wieder nach Hause", sagt der Rentner aus Cleebronn. Sein Kumpel aus Bietigheim holt die Flaschen aus der Kühltasche. 

Ein Mountainbiker schnauft bei der sommerlichen Hitze den ansteigenden Weg in Richtung Näser-Rastplatz hinauf. Vereinzelt ist zartes Vogelgezwitscher zu hören. Es raschelt im Unterholz, eine Eidechse huscht über den Weg, Schmetterlinge flattern unter dem schattenspendenden Laubdach von Buchen und Eichen. 

Wenn man ein bisschen aufräumt, ist die Feuerstelle noch nutzbar. Die teils bemoosten Bänke neben der Schutzhütte laden jedoch nicht zur Rast ein.
Wenn man ein bisschen aufräumt, ist die Feuerstelle noch nutzbar. Die teils bemoosten Bänke neben der Schutzhütte laden jedoch nicht zur Rast ein.  Foto: Sabine Friedrich

Rastplatz macht einen verwahrlosten Eindruck

600 Meter sind es vom Parkplatz bis zum Rastplatz. Die Grillstelle sieht benutzt aus. Pfleglich ist mit ihr nicht umgegangen worden. Einer der festverankerten Roste vermisst einige Streben. Holz liegt zerstreut herum. Die Schutzhütte zumindest macht einen ordentlichen Eindruck, während Tische und Bänke irgendwann mit der Natur verschmelzen werden. Ein Teil ist mit Moos überzogen, einladend ist das nicht. Genauso wenig wie der Tisch und die beiden Bänke am Parkplatzeingang. Sie sind verwittert, teils ist das Holz gesplittert.

Ein ungewöhnliches Gespann auf einem schweren E-Bike will den Rastplatz passieren, wird aber von der Redakteurin angehalten. Sitzt da tatsächlich ein großer Papagei mit glänzendem ultramarinblauen Rückengefieder auf der Schulter des Mannes? "Das ist ein Gelbbrust-Ara, der fährt immer mit", erklärt Hubert Kuhn der verblüfften Fragestellerin, und stellt Richie vor: Dreieinhalb Jahre alt, relativ jung, aber ausgewachsen. Sprechen kann Richie auch, wünscht seinem Besitzer "Gute Nacht, Schatz" oder verlangt nach Wasser - "Wasser, Richie". "Du Lump, sagt er auch", erzählt Kuhn, dem man seine 80 Lenze nicht ansieht. 

Eine ungewöhnliche Begegnung im Wald: Hubert Kuhn hat bei seinem Ausflug mit dem Rad seinen Papagei auf der Schulter.
Eine ungewöhnliche Begegnung im Wald: Hubert Kuhn hat bei seinem Ausflug mit dem Rad seinen Papagei auf der Schulter.  Foto: Sabine Friedrich

Richie braucht 24 Stunden Unterhaltung 

Früher hatte der Ochsenbacher eine Gelbstirnamazone. Die musste er aus beruflichen Gründen abgeben. Jetzt im Alter hat er wieder Zeit für ein Tier, um das er sich 24 Stunden kümmern muss. "Richie braucht den ganzen Tag Unterhaltung", sagt der einstige katholische Pfarrer. Gerade jetzt ist es dem Ara langweilig, das Gespräch dauert ihm zu lange, fast scheint es, als sei sein Krächzen Unmut. Kuhn krault ihn am Hals, und da kuschelt sich der Vogel an ihn. "Wir haben eine fast unbedingte Beziehung mit dem allergrößten Respekt voreinander." Man müsse die Gleichwertigkeit von Geschöpfen akzeptiert haben, sonst sei keine Beziehung möglich. Er gebe seit 1973 Zen-Meditationskurse, und das Bewusstsein des Zen helfe ihm dabei, mit dem Ara umzugehen. 

Der Michaelsberg auf Cleebronner Gemarkung, eingesäumt von Weinbergen,  ist einer der herausragenden Aussichtspunkte in der Region. In alle vier Himmelsrichtungen kann auf dem 394 Meter hohen Hügel ein weiter Blick in die Landschaft geworfen werden. Umgekehrt ist der Michaelsberg mit seiner romanischen Kirche auch aus allen Himmelsrichtungen gut sichtbar.

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