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Versicherung entschuldigt sich
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Familie aus Brackenheim lebt in Schimmel-Wohnung – "wurden nur vertröstet"

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Im Juli bricht ein Rohr in einer Wohnung in Brackenheim. Es vergehen mehrere Wochen, bis sich eine Firma den Schaden anschaut. Weil sich Schimmel massiv ausbreitet, müssen die Mieter ausziehen.


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Familie Stock ist es längst leid. Wegen eines Rohrbruchs musste die vierköpfige Familie ihre Mietwohnung in Brackenheim verlassen. Das war Anfang Juli. Hausverwaltung, Vermieter und Familie Stock fühlen sich von der Versicherung und einer Firma für Sanierungsarbeiten im Stich gelassen. Denn eigentlich hätte die Wohngebäudeversicherung den Schaden in der Erdgeschosswohnung längst regeln müssen.

Schimmelflecken in Brackenheimer Wohnung – Versicherung entschuldigt sich für Verzögerung

Die R+V-Versicherung weist auf einen zweiten Rohrbruch im Haus hin und entschuldigt sich bei den Betroffenen. Es sei bei der Bearbeitung zu Verzögerungen gekommen. Die Sanierungsfirma Sprint wollte sich öffentlich nicht äußern.

Ein brauner Fleck im Wohnzimmer war Jana Stock als erstes aufgefallen. Als ihr Mann das Regal beiseiteschiebt, erkennt sie Schimmelflecken oberhalb der Sockelleiste. Sie meldet es dem Vermieter und der Hausverwaltung. Dann vergehen knapp vier Wochen, bis ein Handwerker die Dusche abbaut und Fließen im Bad entfernt, um ein Rohr zu reparieren. Für Stock und für die Hausverwaltung ist das nicht nachvollziehbar.

Eine undichte Druckleitung in einer Wohnung eines Mehrfamilienhauses in Brackenheim hat für Schimmelbildung und einen immensen Schaden gesorgt. Seit Monaten leben die Mieter in einem Ausweichquartier.
Eine undichte Druckleitung in einer Wohnung eines Mehrfamilienhauses in Brackenheim hat für Schimmelbildung und einen immensen Schaden gesorgt. Seit Monaten leben die Mieter in einem Ausweichquartier.  Foto: privat

Krankheitsbedingte Ausfälle bei Firma – Schimmel breitet sich in Brackenheimer Wohnung aus

„Wir haben gleich die Versicherung informiert. Normalerweise dauert so etwas zwei, drei Tage“, sagt Simone Holzinger von BFT Hausverwaltung in Lauffen, die das Mehrfamilienhaus betreut. In diesem Fall seien mehrere Wochen vergangen. Krankheitsbedingt seien Mitarbeiter ausgefallen, habe die Sanierungsfirma gegenüber BFT erklärt. „Vermutlich sind die von einem Haarriss eines Rohrs ausgegangen. Es war aber eine Druckleitung, die undicht war.“

Je länger es dauert, desto mehr Wasser verteilt sich in Boden und Wänden der Wohnung. Schimmel breitet sich immer weiter aus. „Unsere Kinder haben nur noch gehustet“, sagt Mieterin Jana Stock. Sie führt Protokoll über die Ereignisse. Anfang Juli meldet sie den Wasserschaden dem Vermieter und der Hausverwaltung. Ende Juli habe sich die Sanierungsfirma zum ersten Mal den Schaden angeschaut.

Feuchtigkeit in Wänden: Familie zieht aus Wohnung in Brackenheim aus

Anfang August repariert eine Firma den Rohrbruch. Vier Wochen später sei die Sanierungsfirma erneut in die Wohnung gekommen, habe die Feuchtigkeit der Wände gemessen und entschieden, dass sie unbewohnbar sei. Noch am selben Tag zieht die Familie aus der Wohnung im Erdgeschoss. Von der Sanierungsfirma habe Stock die Auskunft erhalten, dass die Versicherung den Auftrag nicht freigeben würde. Deshalb die Verzögerung.

Eine Sprecherin von R+V erklärt, dass der Fall sehr komplex sei. Bei einer Leckortung sei festgestellt worden, dass im Erdgeschoss das Rohr einer Kaltwasserleitung gebrochen war. „Der Wasserschaden war sehr groß. Die Handwerker mussten im Wohnzimmer den Bodenbelag und im Bad die Fliesen entfernen.“ Erst danach habe man die betroffenen Räume trocknen können. Zudem sei Anfang Oktober bei einer erneuten Leckortung ein weiterer Schaden in einer Wohnung im ersten Stock entdeckt worden. Man stehe mit der Hausverwaltung „kontinuierlich im Austausch“.

Hausverwaltung über Verzögerung bei Sanierung: "Keine Rückantwort bekommen"

Dies wiederum bestätigt die Hausverwaltung nicht. „Egal, ob wir mit der R+V telefonieren wollten oder mit der Sanierungsfirma. Wir wurden nur vertröstet. Zu 90 Prozent haben wir keine Rückantwort bekommen“, sagt Holzinger von der Hausverwaltung. So etwas habe sie bislang noch nicht erlebt. Nach einem reparierten Rohrbruch kämen normalerweise die Trockner. Danach dauere es zwei bis drei Wochen, in Ausnahmefällen auch mal vier bis fünf Wochen, bis solch ein Schaden behoben ist.

Schimmel in Brackenheimer Wohnung: Entschädigung für Familie nicht vorgesehen

Die Sprecherin von R+V geht von einem Schaden von etwa 40.000 Euro in der Wohnung von Familie Stock aus. R+V übernehme die Kosten der Leckortung, die Entkernung, Trocknung und Wiederherstellung der Wohnung. „Außerdem kommen wir für die Mietausfälle auf.“ Eine Entschädigung für Familie Stock ist nicht vorgesehen. „Ein Ausweichquartier für die betroffenen Mieter ist in der Wohngebäudeversicherung nicht enthalten“, teilt die Sprecherin mit. 

Rechte von Mietern

Wasserschäden in Wohnungen kommen ständig vor, erklärt Rainer Eckert, Vorstandsmitglied beim Mieterbund Heilbronn. Selbst ein Vermieter, der kooperiert, sei auf Versicherungen angewiesen. Bei der Schadensabwicklung komme es immer wieder zu Problemen. „Da steckt oft kein schlechter Wille dahinter. Versicherungen sind oft überlastet.“ Bei einem Rohrbruch hätten Mieter das Recht auf Mietminderung oder auf Zurückbehaltung von bis zu 100 Prozent. Letztere müsse nach behobenem Schaden zurückbezahlt werden.

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