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Stromfluss in den Süden sichern: Transnet BW baut neue Strommasten in Neckarwestheim

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Transnet BW plant neue Strommasten auf dem Gemeindegebiet von Neckarwestheim bis zum Umspannwerk in Leingarten-Großgartach. Die Netzverstärkung soll die Energie-Versorgung sicherstellen.

Zwischen Neckarwestheim und und dem Umspannwerk in Leingarten-Großgartach will Transnet BW zur Netzverstärkung neue Strommasten bauen, um die Energieversorgung zu sichern.
Zwischen Neckarwestheim und und dem Umspannwerk in Leingarten-Großgartach will Transnet BW zur Netzverstärkung neue Strommasten bauen, um die Energieversorgung zu sichern.  Foto: Sebastian Kahnert

Das Energiesystem in Deutschland ist im Wandel, erklärt Transnet-BW-Sprecher Malte Scholz. Durch den Umstieg auf erneuerbare Energien wie Solar- oder Windkraft sei die Stromeinspeisung ins Netz volatiler geworden. In den Windparks im Norden des Landes wird viel Strom erzeugt, der im Süden gebraucht wird. Um das Nord-Süd-Gefälle zu verringern und dem steigenden Übertragungsbedarf nachzukommen, braucht es einen Netzausbau, sagt Scholz: „Das Ziel ist, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.“ Zu diesem Zweck verfolgt die Transnet BW das Projekt „Netzverstärkung Mittlerer Neckarraum“, dessen Fertigstellung für das Jahr 2031 anberaumt ist. Das zuständige Team hat das Projekt in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats vorgestellt. 

Netzverstärkung: Neue Strommasten in Neckarwestheim geplant

Die Maßnahme betrifft die bestehende 380-Kilovolt-Leitung zwischen Endersbach im Rems-Murr-Kreis und dem Umspannwerk in Leingarten-Großgartach. Neckarwestheim ist zweifach betroffen. Zum einen ist ein Parallelneubau über 13 Kilometer zwischen der Kommune und Großgartach geplant, zum anderen muss die bestehende 14 Kilometer lange Trasse zwischen Neckarwestheim und Freiberg im Landkreis Ludwigsburg ersetzt werden, da sie die benötigte Kapazität nicht leisten kann.

Für Neckarwestheim heißt das konkret: Auf dem 2,25 Kilometer langen Abschnitt der Gemeinde entstehen insgesamt elf neue Strommasten. Auf einem weiteren, 1,5 Kilometer langen Abschnitt werden die bestehenden Stahlkonstruktionen ersetzt. Aktuell befindet sich das Projekt in Vorplanung. „Wir durchlaufen gerade erste behördliche Verfahren“, erklärt Projektleiter Bertram Bläschke. Für Prüfung und Genehmigung ist das Regierungspräsidium Stuttgart zuständig. Spätestens 2026 soll es an die technische Planung gehen und etwa ab 2028 soll die Bauphase starten. Ob man die Stromkabel nicht unterirdisch verlegen könne, will Andrea Ziegler von der Freien Bürgervereinigung wissen. „Das kommt für dieses Projekt nicht in Frage“, antwortet Bläschke. Das Verfahren werde derzeit an anderen Pilotprojekten erprobt, wie etwa bei der Stromautobahn Suedlink zum Umspannwerk Leingarten. In diesem Fall mache das aber technisch keinen Sinn und sei auch gesetzlich nicht vorgesehen.

Elektrosmog und Verkehr? Gemeinderat Neckarwestheim mit Bedenken

Ziegler gibt die Belastung durch den Elektrosmog zu bedenken, und Bürgermeister Jochen Winkler fragt zudem nach den Auswirkungen auf den Naturkindergarten und das entstehende Gewerbegebiet. Beides bezeichnet Bläschke als unkritisch. „Wir dürfen nichts überspannen, das für den dauerhaften Aufenthalt von Menschen gedacht ist“, sagt Bläschke. Damit seien zum Beispiel Wohngebiete gemeint. Im Gebiet des Kindergartens lägen die Emissionen unter den Grenzwerten. Bedenken von Seiten der Gemeinderäte gibt es auch bezüglich der möglichen Auswirkungen auf den Straßenverkehr in und um den Ort, zum Beispiel in Form von gesperrten Verbindungsstraßen. „Da werden wir noch zu prüfen haben, wie man die Einschränkungen minimieren kann“, gibt Bläschke an.

Ein Standartmodell eines Strommasts nimmt eine Grundfläche von zehn bis zwölf Metern Austritt ein, die Höhe belaufe sich auf rund 60 Meter. Im Jahresverlauf sollen die genauen Maststandorte konkret werden. Der Netzbetreiber Transnet BW werde aktiv auf die betroffenen Grundstückseigentümer, in den meisten Fällen Landwirte, zugehen, sagt Bertram Bläschke. Diese würden auch über ihre Möglichkeiten auf Schadensersatz informiert. Denn, so Andrea Ziegler: „Das sind vielleicht Zukunftspläne, die dadurch zunichte gemacht werden.“ Aus diesem Grund wolle das Unternehmen auch mit den Bürgern in den Dialog gehen und plant Anfang Juni Bürgerinformationsveranstaltungen.

Warum ist Leingarten so wichtig?

Das Umspannwerk in Leingarten-Großgartach soll im Zuge des Netzausbaus ein Knotenpunkt in Süddeutschland werden, an dem zukünftig mehrere leistungsstarke Stromtrassen zusammentreffen.

Dort entsteht ein Konverter, der Gleichstrom aus Norddeutschland in Wechselstrom umwandeln soll. Der Strom soll über die Stromautobahn Suedlink dort ankommen. Neben der „Netzverstärkung Mittlerer Neckarraum“ treibt Transnet BW auch den Ausbau der Stromtrasse zwischen Kupferzell und Großgartach voran (wir berichteten). In Kupferzell baut das Unternehmen zudem einen Batteriespeicher (Netzbooster). Er soll Schwankungen im Stromnetz ausgleichen.

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