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Schulabsentismus

Träger hoffen auf langfristige Hilfe für Schulschwänzer

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Awo fürchtet Finanzierungslücke beim Projekt mylife, das junge Menschen Richtung Schulabschluss führt

71 Kinder, die aus Angst oder anderen Problemen nicht mehr die Schule besuchen können, hat die Awo im Rahmen ihres Projekts begleitet, beim Bildungspark waren es 101 junge Menschen. Foto: dpa
71 Kinder, die aus Angst oder anderen Problemen nicht mehr die Schule besuchen können, hat die Awo im Rahmen ihres Projekts begleitet, beim Bildungspark waren es 101 junge Menschen. Foto: dpa  Foto: Helen Ahmad

Mobbing und psychische Krankheiten, Angst- und Essstörungen. Das sind nach Erfahrung von Daniela Engel, Leitung ambulante Gruppenangebote bei der Awo in Heilbronn, die Hauptgründe, warum Kinder in der Region nicht mehr in die Schule gehen. Sie wieder zurückzuführen in einen Unterrichtsalltag, das ist Ziel des Programms „mylife“. Groß ist der Run auf dessen 24 Plätze, die Warteliste umfasst bis zu 15 junge Menschen. Eigentlich sind sie Schülern ab Klasse 5 vorbehalten. „Wir bekommen allerdings inzwischen schon E-Mails von Grundschulrektoren“, so Engel.  Nun fürchtet die Awo um die Zukunft des Projekts, das im Jahr 250.000 Euro kostet.

Stadt und Landkreis haben Co-Finanzierung zugesagt

Bislang hatte der Europäische Sozialfonds (ESF) 40 Prozent der Kosten übernommen, die Co-Finanzierung übernahmen Stadt- und Landkreis Heilbronn. Um die Gunst des ESF buhlen allerdings viele Akteure, die Projekte werden dem regionalen Arbeitskreis im Juni vorgestellt. 

Stadt und Landkreis wollen sich weiterhin engagieren, haben sie den Trägern jüngst mitgeteilt. „Die Stadt Heilbronn hat die Co-Finanzierung dieser wichtigen Projekte gegen Schulabsentismus zugesagt“, sagt Sozialamtsleiter Achim Bocher. Die Entscheidung über einen möglichen Anteil aus dem Europäischen Sozialfonds durch den örtlichen Arbeitskreis stehe ja noch aus. „Erst danach können eventuelle Auswirkungen auf die Projekte bewertet werden.“ Der örtliche Arbeitskreis war bis Redaktionsschluss nicht erreichbar. 

Gerald Bürkert: Der Bedarf steigt

Die Hoffnung der Awo-Spitze derweil: „Dass über die Finanzierung nicht jedes Jahr neu entschieden, sondern dass sie verstetigt wird“, so Tessa Fink, Fachbereichsleiterin Unterstützung, Beratung und Hilfe. Denn selbst wenn die Mittel für 2026 in trockene Tücher kommen, ist Ende 2027 der Förderzeitraum endgültig vorbei.  Auf Regelfinanzierung hofft auch Gerald Bürkert, Chef der Aufbaugilde Heilbronn-Franken, deren Bildungspark mit dem Projekt wifit ein ähnliches und analog finanziertes Angebot für etwas ältere schulabstinente Kinder hat. „Es ist ein Projekt, das dringend gebraucht wird, denn der Bedarf steigt“, sagt der Geschäftsführer. 

Schulamt begrüßt die Angebote, kann sich aber finanziell nicht weiter engagieren

„Wünschenswert wäre auch, dass das Schulamt finanzielle Verantwortung zeigt“, sagt Awo-Chef Stratos Goutsidis. Das scheint wenig wahrscheinlich. Zwar seien die Projekte wifit und mylife sehr hilfreich, so Markus Wenz, Leiter des staatlichen Schulamts Heilbronn. Sie böten jungen Menschen mit sehr unterschiedlichen Problemen die Möglichkeit,  eine passgenaue Unterstützung zu erarbeiten und begleiteten sie so lange, bis der Schulbesuch wieder gut funktioniert. Aber: Seine Behörde investiere schon zwölf Lehrerwochenstunden in dieses Arbeitsfeld und damit das gesamte Abordnungskontingent, sagt Wenz.

Das heißt, ein zum Schulamt abgeordneter Lehrer bearbeitet in diesen zwölf Stunden das Thema Schulabsentismus und betreut 127 Betroffene aus der Region. Und dass sich das Schulamt mit den eingesetzten Lehrerstunden an der Finanzierung beteiligt, so wie es früher war, sei nicht mehr möglich, vielleicht, „weil sich die Bedingungen bei den ESF-Mitteln geändert haben“, mutmaßt Wenz. 

Jetzt scheint die Zukunft offen. Nur so viel: „Das Thema Schulabsentismus wird auch oberhalb der Schulamtsebene diskutiert, um möglicherweise neue Wege zu finden, wie bewährte Projekte aufrecht erhalten werden können,“ so Wenz. „Das Kultusministerium  richtet hinsichtlich Schulabsentismus den Fokus auf die Prävention, für diese Projekte stellt es keine Mittel zur Verfügung“, so eine Sprecherin des Ministeriums. 

Der Förderzeitraum des Europäischen Sozialfonds  (EFS) läuft von 2021 bis 2027. Der regionale Arbeitskreis will in dieser Periode besonderes Augenmerk auf die Steigerung der sozialen Inklusion und der gesellschaftlichen Teilhabe legen sowie Armut bekämpfen und sich dafür einsetzen, dass Schulabbrüche möglichst vermieden und die Ausbildungsfähigkeit verbessert wird. 473.950 Euro beträgt die Höhe des jährlichen Budgets, heißt es auf der Homepage der Stadt Heilbronn. amo

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