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Tiny Häuser im Raum Heilbronn – ein Sprungbrett ins eigenständige Wohnen

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Acht Mini-Häuschen hat das diakonische Sozialunternehmen in der Region aufgestellt: Wie ein Ex-Bewohner und ehemals Obdachloser über das Leben auf neun Quadratmetern zurückblickt


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Sie sollen ein Sprungbrett sein, damit vormals obdachlose Menschen wieder Fuß fassen können auf dem Wohnungsmarkt: die Tiny Houses (Mini-Häuser), die die Aufbaugilde in den vergangen Jahren versucht hat, in Stadt- und Landkreis Heilbronn zu errichten. Das war nicht immer leicht. Nicht überall stieß das Ansinnen auf offene Ohren. Nicht jeder Bürgermeister war begeistert von der Idee. Teils scheiterten die Pläne auch deshalb, weil geeignete Grundstücke fehlten. Anschlüsse, etwa für Wasser, müssen vorhanden sein, die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ist für die Bewohner wichtig. 

Die Tiny Häuser sind auf vier Standorte im Raum Heilbronn verteilt

Acht Häuschen stehen inzwischen in Stadt- und Landkreis, verteilt auf vier Standorte. 2021 begann die Serie mit inzwischen drei Häusern in Heilbronn-Sontheim, dann folgten zwei in Schwaigern. Die Objekte jüngeren Datums befinden sich in Untereisesheim nahe des Friedhofs, zwei weitere stehen in der Südstraße in Heilbronn nebeneinander. Eine Ausweitung steht zum jetzigen Zeitpunkt nicht auf der Agenda. „Das wäre ein Blick in die Glaskugel“, sagt Micha Bangert, Geschäftsbereichsleitung Wohnungsnotfall- und Suchtkrankenhilfe bei der Aufbaugilde.

Tiny Häuser im Raum Heilbronn: Die Miete beträgt 170 Euro kalt

15 Menschen haben hier seit 2021 ein Zuhause auf Zeit auf neun Quadratmetern gefunden, sie bleiben zwischen einem halben Jahr und drei Jahren. Ein Drittel davon arbeitetet, zwei Drittel sind Männer, ein Drittel Frauen. 170 Euro beträgt die Miete für das möblierte Häuschen mit integrierter Nasszelle und Kochzeile, plus Nebenkosten wie Wasser und Strom.

Wichtig ist, dass die Mieter für diese Wohnform geeignet sind. „Wir schauen uns die Interessenten im Vorfeld gut an“, sagt Bangert. Das sei nicht immer der Fall. Eine gewisse Klarheit und Ordentlichkeit ist von Vorteil, psychische und Sucht-Störungen eher schwierig. Schließlich muss es, wie bei Ex-Bewohner Eberhard Wolf, auch mit den Nachbarn passen. „Sie haben immer vom Carport rüber gegrüßt, die Frau des Pfarrers hat Kuchen auf meine Treppe gestellt.“   

Micha Bangert (links) und Eberhard Wolf vor einem der neuen Tiny Häuser in der Südstraße in Heilbronn. Eberhard Wolf wohnte zweieinhalb Jahre in einem solchen Objekt in Sontheim.
Micha Bangert (links) und Eberhard Wolf vor einem der neuen Tiny Häuser in der Südstraße in Heilbronn. Eberhard Wolf wohnte zweieinhalb Jahre in einem solchen Objekt in Sontheim.  Foto: Ralf Seidel

Er hat die zweieinhalb Jahre im Tiny Haus in Sontheim sehr geschätzt. „Ich finde das eine hervorragende Einrichtung, um wieder auf die Beine zu kommen“, sagt der 65-Jährige. „Auch, weil man in Ruhe suchen kann, und nicht jedes noch so verratzte Wohnungsangebot annehmen muss.“

Erstbezieher im Tiny Haus in Heilbronn-Sontheim nach Pech im Berufsleben

Ausgebildet als Masseur und medizinischer Bademeister suchte er wegen der Kostendämpfungsmaßnahmen unter Norbert Blüm, die auch Heilmittel wie Bäder und Massagen betrafen, als junger Mann vergebens eine Anstellung. Er machte den Lkw-Führerschein und fuhr viele Jahre „bis meine Augen nicht mehr mitmachten“. Auch dann fand er noch eine Alternative bei Intersport in der Messeabteilung: Doch dann kam Corona.

Weil er das Frühstück im Unterstützungszentrum uwi26 kannte, meldete er sich dort in der Beratung, war kurz im Aufnahmehaus der Aufbaugilde und schließlich: Erstbezieher im Tiny Haus in Sontheim.

Wohnungssuche in Heilbronn führt zur Dreier-WG mit Perspektive durch Aufbaugilde

Gemeinsam mit der Sozialarbeiterin der Aufbaugilde forstete er regelmäßig Wohnungsangebote durch. „Wir hatten zunächst versucht, Angebote von WGs beiseite zu lassen, mussten dann aber einsehen, dass die Suche sonst ganz  aussichtslos ist.“ Inzwischen lebt er in einer Dreier-WG in Heilbronn und hilft ab und zu bei seinem Vermieter in der Kneipe aus, bedient und sortiert Schränke ein. „In der WG nutzen wir Bad und Küche zwar gemeinschaftlich, und natürlich ist es schöner, wenn man das für sich hat“, sagt er. „Aber die WG ist sehr angenehm.“

Die Aufbaugilde hat 2025 insgesamt 359 Menschen in Stadt- und Landkreis in ihrem eigenen Wohnumfeld betreut, zudem hat sie zwölf Wohnungen selbst angemietet, in denen zwei bis acht Menschen WGs bilden. Dazu kommen die Tiny Häuser. Im Aufnahmehaus und Eingliederungsheim in der Franz-Renner-Straße sind derzeit insgesamt 34 Personen untergebracht. 

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