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Fahrzeuge aus zwei Jahrhunderten

„Schatzkammer“ mit 300 Fahrrädern: Blick ins Depot des Zweirad-Museums Neckarsulm

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Im Depot des Zweirad-Museums ist die „Schatzkammer“ mit 300 Fahrrädern aus zwei Jahrhunderten. Eine weitere Etage tiefer war früher die Abfüllanlage der Weingärtnergenossenschaft.  

Der WG-Keller in Neckarsulm hat gewaltige Ausmaße
Der WG-Keller in Neckarsulm hat gewaltige Ausmaße  Foto: Seidel, Ralf

Keller gibt es im Deutschen Zweirad-Museum und der ehemaligen Weingärtnergenossenschaft (WG) reichlich. Im NSU-Museum ist die Schatzkammer in der untersten Etage. Steil und schmal ist der Zugang im „Palas“, es gibt natürlich aber auch einen modernen Aufzug. Die Mauern reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück, und hier geht es auch zu den Ursprüngen des Zweiradmuseums. 

Zweiradmuseum feiert Geburtstag: Im Keller lagern die NSU-Preziosen

Das Deutsche Zweirad- und NSU-Museum Neckarsulm feiert bald einen runden Geburtstag. Im Jahr 1956 wurde das DeMoMu gegründet. Die Privatsammlung Mühlich ist der Kern der Ausstellung. Wie sind die Besonderheiten vom Motorrad Neckarsulm 2 ½ HP aus dem Jahr 1905 über den knallroten NSU-Spider in den Keller gekommen? 

Die Antwort ist im wahrsten Sinne des Wortes hinter den Kulissen zu finden: Macht man die dünnen Holztüren auf, findet man eine uralte Treppe, über die sogar der mächtige Ro 80 den Weg in den Keller gefunden hat. Ganz neu ist die Beleuchtung: Über 500 Lampen wurden auf LED umgerüstet, mit denen eine farbechte und punktgenaue Ausleuchtung möglich ist. 

Im Depot des Zweiradmuseums, das im WG-Gebäude aus dem 16. Jahrhundert untergebracht ist, geht es ebenfalls in die Tiefe: Im ehemaligen Flaschenlager der WG sind 300 Fahrräder aus zwei Jahrhunderten in Reih und Glied untergebracht. Museumsleiterin Natalie Scheerle-Walz und der technische Leiter Sven Heimberger müssen immer schmunzeln, weil genau an der Treppe ein originaler NSU-Karton mit der Aufschrift „Bitte nicht stürzen“ steht. 

Bitte nicht stürzen: Den Hinweis nimmt Sven Heimberger gern wörtlich.
Bitte nicht stürzen: Den Hinweis nimmt Sven Heimberger gern wörtlich.  Foto: Seidel, Ralf

Pro Woche mehrere Angebote für alte NSU-Fahrräder

Beinahe täglich gehen Angebote für alte Fahrräder ein. Doch der Platz ist knapp. Von A wie „Adler“ bis W wie Wanderer, Fahrräder von Zündapp gibt es aktuell nur aus chinesischer Produktion, ist das Lager schon gut gefüllt. An Raritäten sei man interessiert, so Sven Heimberger, aber das typische NSU-Fahrrad von Oma und Opa sei schon reichlich vertreten. 

Im Keller des Zweirad-Depots lagern Hunderte Fahrräder aus allen Epochen.
Im Keller des Zweirad-Depots lagern Hunderte Fahrräder aus allen Epochen.  Foto: Seidel, Ralf

Vom Depot geht es noch einmal tiefer in den Keller. In der mit Steinen der Burgruine Scheuerberg gebauten Schlosskelter war die Abfüllanlage der 1855 gegründeten Weingärtnergenossenschaft Neckarsulm-Gundelsheim untergebracht. Bis sie 2007 in der Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg aufging, war die „Association für Bereitung und Verwertung des Weinmostes“ laut Wikipedia „die älteste noch bestehende Weingärtnergenossenschaft Deutschlands und wahrscheinlich auch der Welt“.

Über die gewaltige Treppe wurden die Fässer befördert.
Über die gewaltige Treppe wurden die Fässer befördert.  Foto: Seidel, Ralf

300 Mitglieder produzierten bis zu 100.000 Liter Wein im Jahr. Die Schlosskelter mit ihrem weiträumigem Keller war das Herzstück der Genossenschaft. Über die gewaltige Treppe wurden die Fässer in und aus dem Keller befördert. Nicht zu verwechseln ist die Schlosskelter mit der „Großen Kelter“ am Marktplatz, in dem die Kreissparkasse residiert. Hier war zwischenzeitlich eine beliebte Musikbar mit Live-Events

„Die Große Kelter an der nordwestlichen Ecke des Marktplatzes wurde im Jahr 1567 errichtet und ist ein Zeuge der frühen Wirtschaftskultur der Stadt Neckarsulm“, teilt die Stadtverwaltung auf Nachfrage mit. Mit sechs Kelterbäumen war die Große Kelter die leistungsfähigste der vier Neckarsulmer Keltern.

Bei der Zerstörung der Stadt 1945 blieben von der Großen Kelter nur noch die Außenmauern stehen. Die Kelter wurde als eines der stadtbildprägenden Gebäude neben Schloss und St. Dionysius bis Mitte der 1950er Jahre wieder aufgebaut. Bereits 1948 war sie wieder vollständig mit einem Dach bedeckt.

In der großen Kelter war einige Zeit die Musikbar „Vivendi“

Anfang der 1980er Jahre wurde die Große Kelter umgebaut und um einen Anbau erweitert. Das Gebäude ist seitdem Sitz der Kreissparkasse Heilbronn und dient als Hauptzweigstelle Neckarsulm. Der Gewölbekeller unter dem Gebäude blieb ungenutzt. 

Im Rahmen des städtischen Revitalisierungskonzeptes baute die Stadt das historische Sandsteingewölbe von 2000 bis 2001 zu einer Erlebnisgastronomie mit Kleinkunstbühne um. Mit einer Mischung aus Theater und Kleinkunst, Musik und Gastronomie sollte die Kulturgaststätte die Innenstadt zusätzlich beleben und mehr Besucher anziehen.      

Die Große Kelter wurde nach dem Umbau im September 2001 als „Theataurant“ (Theater und Restaurant) eröffnet und vom damaligen Betreiber in „Alte Kelter“ umbenannt. Das Theataurant wurde bis März 2003 betrieben. Von Mai 2004 bis Mai 2011 wurde der gastronomische Betrieb unter dem Namen Vivendi fortgesetzt. Im selben Jahr wurde der Gewölbekeller von der Stadt für Einzelveranstaltungen vermietet, zum Beispiel für Hochzeiten, Konzertveranstaltungen im Rahmen der Reihe Nightgroove und Veranstaltungen der städtischen Kulturreihe „Neckarsulm lacht“. Zuletzt nutzte der Kiwanis-Club Neckarsulm die Räumlichkeiten im Jahr 2015 für eine Spendenveranstaltung.

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