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Tatortreiniger aus Untergruppenbach bekommt viel Leid zu sehen – wie er damit umgeht

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Sascha Wienands aus Untergruppenbach ist Tatortreiniger. Bei einem Besuch vor Ort gibt er Einblicke in seinen Arbeitsalltag – und erzählt, welche Einsätze ihn besonders betroffen machen.


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Stirbt ein Mensch, hinterlässt das Spuren – nicht nur in der Seele der Angehörigen, sondern manchmal auch am Ort des Todes. Einer, den man dann anrufen kann, ist Sascha Wienands aus Untergruppenbach. Der Rettungssanitäter hat sich nebenberuflich mit „Crime Clean Heilbronn“ ein Standbein als Tatortreiniger und Desinfektor aufgebaut und ist der einzige mit Sitz in der Region. Die Heilbronner Stimme durfte ihn, nach Zustimmung der Angehörigen, bei einem Einsatz im Landkreis Ludwigsburg begleiten.

Tatortreiniger aus Untergruppenbach nach tödlichem Unfall im Einsatz

Vor wenigen Tagen ist dort, in einer ruhigen Siedlung, ein Mensch nach einem schweren Sturz ums Leben gekommen. Ein tragischer Unfall in den eigenen vier Wänden, wie er jedem passieren könnte.

Wienands Auto parkt vor dem Wohnhaus, der 44-Jährige schlüpft in einen grellgelben Overall. Dann trägt der Tatortreiniger Spezialreiniger, Müllbeutel, Eimer und einen Wischmopp in die Wohnung, an deren Tür ein dezentes Siegel prangt. Die Spuren des Todes sind auf dem schmalen Vinylboden, den Fliesen und an mehreren Türrahmen deutlich zu sehen. Wienands wird für diese Reinigung vier Stunden brauchen.

Der Rettungssanitäter Sascha Wienands aus Unterheinriet ist nebenberuflich als Tatortreiniger im Einsatz.
Der Rettungssanitäter Sascha Wienands aus Unterheinriet ist nebenberuflich als Tatortreiniger im Einsatz.  Foto: Lutz, Vanessa

Wie kam der gebürtige Rheinländer zu diesem Beruf? „Den Job macht eben nicht jeder“, gibt Wienands zu. Schon vor Jahren hat er sich als Desinfektor weitergebildet. Schließlich machte er sich im Internet schlau, welche Voraussetzungen es bedarf, um Leichenfundortreiniger zu werden, erzählt er. Der 44-Jährige belegte eine Weiterbildung, paukte neben seinem Hauptberuf im Rettungsdienst. Seit 2024 ist er nebenberuflich Tatortreiniger und beseitigt Blut, Körperfette, Schädlinge und Fäkalien. 

Tatortreiniger zu Leichenfundorten, Buttersäureanschlag und Virus-Verdacht gerufen

Wienands Auftragspalette umfasst weit mehr als die Reinigung von Leichenfundorten. So bekämpfte er etwa den Gestank nach einem Buttersäureanschlag und stand auch als Desinfektor parat, als an einer Liegenschaft im Hohenlohekreis der Verdacht auf das Hantavirus durch Rattenbefall bestand. Die Preisspanne pro Einsatz rangiere zwischen 2500 und 4000 Euro.

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Dass Wienands Kunden offenbar zufrieden sind mit seiner bisherigen Arbeit, zeigen seine Auftragsbücher. Als er 2024 startete, verzeichnete er 13 Einsätze, 2025 waren es 18. „In diesem Jahr wurde ich bereits acht Mal gerufen.“ Sein Einzugsgebiet erstreckt sich von den Landkreisen Heilbronn, Hohenlohe und Ludwigsburg bis hin in den Rems-Murr-Kreis.

Bei seinem Einsatz in der engen Wohnung im Kreis Ludwigsburg bewegt sich Wienands vorsichtig, verrückt fast keine Gegenstände. Für ihn sei es am wichtigsten, ordentlich und respektvoll zu arbeiten. „Als Tatortreiniger betritt man die Privatsphäre eines Menschen“, macht er klar. Hierfür sei viel Vertrauen der Angehörigen nötig. „Es würde mir niemals einfallen, etwas zu durchwühlen.“ 

Tatortreiniger aus Untergruppenbach: Manche Tote werden erst Wochen später entdeckt

Wienands Job als Tatortreiniger ist nicht nur körperlich fordernd. Seinen ersten Einsatz werde er nie vergessen, sagt er. Damals starb ein Ehepaar aus dem Raum Heilbronn unter tragischen Umständen. Der Mann hatte einen Herzinfarkt und die Frau war nicht in der Lage, Hilfe zu holen. Bis zu ihrem eigenen Tod lebte sie noch mehrere Tage neben dem Verstorbenen.

Für die Reinigung nutzt Tatortreiniger Sascha Wienands aus Untergruppenbach unter anderem eine Mischung aus Wasser und einer Flüssigkeit mit Mikroorganismen.
Für die Reinigung nutzt Tatortreiniger Sascha Wienands aus Untergruppenbach unter anderem eine Mischung aus Wasser und einer Flüssigkeit mit Mikroorganismen.  Foto: Lutz, Vanessa

Wienands arbeitet seit über 20 Jahren als Sanitäter. Eines falle ihm auf, wie er sagt: „Die Einsamkeit und die Angst, jemandem zur Last zu fallen, nehmen immer mehr zu.“ Das Zusammenleben werde anonymer, Angehörige wohnten oft weit weg. Manche Tote würden erst Wochen später entdeckt werden – und das, obwohl sie teils in Mehrfamilienhäusern mit Nachbarn lebten. „Das macht mich sehr betroffen“, gibt er zu.

Wie steckt er selbst all das Leid, das er zu sehen bekommt, weg? „Reden, reden, reden.“

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