Wie das Talheimer Prinzenpaar durchs Nadelöhr passt
Beim Rathaussturm des Talheimer Carnevalsvereins (TCV) inszenieren Bürgermeister Rainer Gräßle und sein Team eine „Gaukelei vom Feinsten“. Bis Aschermittwoch übernehmen die Narren das Regiment.

Mit elf Salutschüssen, abgefeuert von der Massenbachhausener Schützengilde, ließ es der Talheimer Carnevalsverein (TCV) zum Auftakt seines Rathaussturms so richtig krachen. Gemäß des Mottos „Der TCV lässt’s knallen bei Pulverschnee und Eiskristallen“ feuerten Narren in Schneemannkostümen zudem Styropor-Schneebälle auf den als Pierrot verkleideten Bürgermeister Rainer Gräßle.
Rathaussturm in Talheim: „Taugenichtse, Tunichtgute und Wegelagerer der verlorenen Fröhlichkeit“
„Hey, Schultes, wir tun jetzt das Rathaus stürmen, ihr werdet mit eurer Belegschaft ganz schnell türmen“, verkündete TCV-Präsidentin Stefanie Abt am Dienstagmittag. Den mit etwas schrägen Tönen Fanfare spielenden Pierrot ließ das unbeeindruckt. Schließlich wollten er und sein Rathausteam zunächst „eine Gaukelei vom Feinsten“ zum Besten geben. Nicht ohne das „närrisch ungehobelt’ Volk“ vorher ausgiebig als „Taugenichtse, Tunichtgute und Wegelagerer der verlorenen Fröhlichkeit“ zu beschimpfen.
Die so Bezichtigten waren sichtlich eingeschüchtert – fast schien es, als müsse der Pierrot sie zu „lautem Handgeklapper, tosendem Getöricht, singendem Gedings und kleinen Luftsprüngen“ erst einmal ermutigen. Erst nach mehrmaligen Aufforderungen ertönten ein „Oh, wie ist das schön“ und ein dreifaches „Daale Dalau“ aus ihren Kehlen.
Vom feuerspeienden Drachen bis ins Schozachtal verfolgt
Die Geschichte, die der von weit her Angereiste zu erzählen hatte, war eine unglaubliche. Von einem feuerspeienden Drachen sei er verfolgt worden auf seinem Weg ins Schozachtal. Einen Kampf um Leben und Tod habe es gegeben: „Das Narrenvolk allein war der Preis, weshalb er mein Leben verschonte.“
Zum Glück schritt der „beste Drachenbändiger, den die Welt je gesehen hat“ ein, um die TCVler zu retten: Rainer Gräßle jonglierte unter Anweisung seiner Pierrette erst mit einem, dann mit zwei und schließlich mit drei Bällen. Und so gelang es ihm tatsächlich, den Drachen „zu schrumpfen“. Zum Dank überreichte ihm Stefanie Abt eine rote Schärpe mit der Aufschrift „Sir Rainer, Drachenbändiger und Retter des Talheimer Narrenvolks“.
Wahrsagerin und Zauberin im Einsatz für die Talheimer Narren
Für ihn aber noch lange kein Grund, den Narren das Regiment zu überlassen. Vorher musste eine Wahrsagerin die Chancen für Prinzessin Carolin I. von den tanzenden Rollen und Prinz Marco II. von Bau und Zins in der Glaskugel ausloten. Die standen schlecht: „Eher kommt ein Prinzenpaar durch ein Nadelöhr als dass ein Narrenvolk ins Talheimer Rathaus kommt.“ Eine Zauberin machte das Unmögliche möglich – und als dann zusätzlich das Glücksrad nach mehreren Versuchen Grün anzeigte, bekamen das Prinzenpaar und sein Gefolge endlich Zutritt zum Talheimer Regierungssitz.
„Mit 45 Minuten der längste Rathaussturm in der Geschichte Talheims, wenn nicht sogar im Land“, resümierte der entmachtete Bürgermeister bei der anschließenden Feier mit Blick auf die Vize-Präsidentin des Landesverbands Württembergischer Karnevalvereine (LWK), Ute Schwarz. Für die Narren hat sich das Warten gelohnt: Bis Aschermittwoch herrschen sie über das Volk.
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