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Kita-Verantwortliche richten klare Forderungen an die neue Landesregierung

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Fachkräfte in den Kindergärten in Heilbronn und Umgebung kämpfen mit immer mehr Aufgaben im Arbeitsalltag. Ihre Wunschliste an die neue Landesregierung fällt kurz aus.

Weit mehr als nur Betreuung: Im Morgenkreis, wie hier in der Kindertagesstätte St. Kilian Massenbachhausen, lernen die Kinder, kurze Geschichten zu erzählen und einander zuzuhören.
Weit mehr als nur Betreuung: Im Morgenkreis, wie hier in der Kindertagesstätte St. Kilian Massenbachhausen, lernen die Kinder, kurze Geschichten zu erzählen und einander zuzuhören.  Foto: Ferdinand, Ben

Es wurde rege diskutiert beim Fernseh-Triell in der vergangenen Woche Manuel Hagel (CDU), Cem Özdemir (Grüne) und Markus Frohnmaier (AfD). Wie stärkt man die Wirtschaft? Wie sollte eine geordnete Migrationspolitik aussehen? Doch ein Thema, was die Kernaufgabe der Landepolitik in Baden-Württemberg ist, wurde nur am Rande diskutiert: Die Bildungspolitik.  

Rege diskutieren Manuel Hagel (CDU), Cem Özdemir (Grüne) und Markus Frohnmaier (AfD) vergangene Woche beim Fernseh-Triell: Was braucht die Wirtschaft, um wieder in Schwung zu kommen? Wie sollte eine geordnete Migrationspolitik aussehen? Ein Kernthema der baden-württembergischen Landepolitik wird von den drei Spitzenkandidaten nur am Rande angesprochen: die Bildungspolitik. Von Lehrermangel und von einer Verbesserung beim Schreiben, Lesen und Rechnen ist die Rede.

Weit mehr als nur Kinderbetreuung

Doch Bildung beginnt nicht erst am ersten Schultag. Ruhiges und konzentriertes Arbeiten am Tisch, die richtige Stifthaltung, mit der Schere eine Linie entlang schneiden, erstes Zählen, einander zuhören und andere aussprechen lassen - all das können Erstklässler bereits, wenn sie zuvor den Kindergarten besucht haben. Den Kitas kommt damit eine weitaus größere Bedeutung zu, als nur die Kinder zu betreuen. Wie ist die Lage in den Kindergärten und Krippen und was erwarten die Verantwortlichen von der neuen Landesregierung?

Anforderungen an Erzieher ist enorm

Janine Hagner ist Kita-Mangerin beim Katholischen Verwaltungszentrum Heilbronn, das im Stadt- und Landkreis Heilbronn als Träger 38 Kitas betreut. Sie weiß: Die Anforderungen, die Kita-Leitungen, Erzieherinnen und Erzieher täglich bewältigen, ist enorm und der Druck ist hoch: Inklusion von Kindern mit Handicap und die damit verbundene Bürokratie mit Ärzten und sonstigen Institutionen, spontane Krankheitsvertretung in einem Beruf mit hohem Krankenstand, Sprachförderprogramme, die Entwicklung eines jeden Kindes dokumentieren, Elterngespräche und - nicht zu vergessen - die Arbeit am Kind. Ihre Forderung an die neue Landesregierung lautet daher kurz und knapp: Mehr Personal für die Kitas. „Gerade bei der hohen Fluktuation, einer generell hohen Belastung und vielen Krankheitstagen fällt es oft schwer, den Personalmangel in den Kitas abzufangen.“ Mit mehr Fachkräften könnten auch die bürokratischen Anforderungen besser geleistet werden.

Auch müssten die Kitas nicht so oft in den Notbetrieb gehen oder die Öffnungszeiten reduzieren, was berufstätige Eltern vor große Probleme stellt. „Niemandem bereitet es Freude, solch eine Konsequenz ziehen zu müssen“, stellt Janine Hagner klar. Problematisch sieht sie den Rechtsanspruch auf die „verlässliche Grundschule“, also der Ganztagesbetreuung an Grundschulen. Hierfür würde ebenfalls pädagogisches Personal benötigt, welches ebenfalls in den Kitas gebraucht wird. Janine Hagner: „Woher soll das Personal also kommen?“ 

Arbeit in Kitas mehr Bedeutung schenken

Gerlinde Gebert ist Leiterin im evangelischen Kindergarten im Eppinger Teilort Kleingartach. Ungefähr kommen täglich in die Einrichtung zum Spielen und Lernen, aufgeteilt auf zwei Vollzeitkräfte und sechs Teilzeitkräfte. Sie pflichtet Janine Hagner bei: „Uns würden weniger Kinder pro Fachkraft helfen, also ein niedrigerer Betreuungsschlüssel“, sagt sie am Telefon, während im Hintergrund Kinder toben. 

Eine Erzieherin aus einer Kita in Heilbronn-Böckingen ist eines besonders wichtig: „Wir wollen mit unserer Arbeit ernster genommen werden - von der Politik, aber auch von der Gesellschaft insgesamt.“ Sie möchte nicht mit Namen genannt werden. Die Frau stellt klar: „Was in den Kindergärten stattfindet, hat einen hohen Stellenwert. Das wird oft nicht gesehen.“ Hingegen Schulen würde in der öffentlichen Wahrnehmung mehr Beachtung genießen. „Wir haben auch einen Bildungsauftrag. Wir legen den Grundstein für das, was in der Schule gemacht wird.“ Das beginne schon in der Krippe bei den Kleinkindern: Strukturierte Tagesabläufe, Erziehung zu Selbstständigkeit und das Spielen mit anderen Kindern würden die Entwicklung eines jungen Menschen prägen.

Personalentwicklung sollte verbessert werden

Anika Hofacker vom Kindergarten Taläcker in Künzelsau ist die Ausbildung neuer Fachkräfte ein wichtiges Thema. „Es ist schön, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, in den Beruf zu kommen, wie zum Beispiel über den Quereinstieg. Aber Fachkraft ist nicht gleich Fachkraft. Wir brauchen qualitativ hochwertiges Personal in den Einrichtungen. Hier fände ich es wichtig, dass Berufseinsteiger einen Ausbilder zur Seite haben, von dem sie lernen können. Ähnlich wie in einem Unternehmen.“ Ein weiterer wichtiger Punkt ist für sie die Leitungsfreistellung. Diese sieht vor, dass die Krippen- und Kindergartenleitungen von der Arbeit mit den Kindern für eine gewisse Stundenzahl freigestellt sind, um Leitungsaufgaben zu erfüllen: Etwa die Entwicklung und Umsetzung pädagogischer Konzepte oder die Personalentwicklung. Diese Zeit ist Teil des Gute-KiTa-Gesetzes und soll die Qualität der Einrichtungen verbessern. Anika Hofacker: „Das ist nett gedacht, geht aber an der Realität vorbei. Die Zeit für diese Leitungsaufgaben ist viel zu wenig.“  

Positionen von CDU, Grüne und AfD zu frühkindlicher Bildung 

Beim Triell des SWR mit Manuel Hagel (CDU), Cem Özdemir (Grüne) und Markus Frohnmaier (AfD) wurden Krippen und Kindergärten nur oberflächlich diskutiert. Özdemir sieht Kitas als ersten Ort für Chancengleichheit, deshalb müsse die Frühförderung ausgebaut werden, besonders bei Sprache und Integration. Hagel will Städte und Gemeinden beim Ausbau von Kita-Plätzen stärker unterstützen, um eine verlässliche Betreuung für arbeitende Eltern zu garantieren. Frohnmaier will eher die Familienpolitik stärken, statt staatliche Bildungsprogramme auszubauen. 

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