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Mögliche Steinbrucherweiterung in Gundelsheim: Wieder Kritik von Bürgern

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Im Jahr 2023 entschied sich der Gemeinderat Gundelsheim gegen eine Erweiterung des Steinbruchs – nun flammt die Debatte wieder auf. Bürger bemängeln fehlende Transparenz, die Verwaltung äußert sich bislang ausweichend zur Thematik. Was dahinter steckt. 


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Die mögliche Erweiterung des Steinbruchs in Gundelsheim (Landkreis Heilbronn) ist ein kontrovers diskutiertes Thema, das die Stadt schon eine ganze Weile beschäftigt. Und aktuell wieder für viel Gesprächsstoff in der Bevölkerung sorgt. Ein kleiner Rückblick: Im Jahr 2023 entschied der Gemeinderat für die Erweiterung keine städtischen Waldflächen – es geht um mehrere Hektar – herzugeben, auch ein von Bürgermeisterin Heike Schokatz angestrebter Bürgerentscheid wurde mehrheitlich vom Gremium abgelehnt. Die Baden-Württembergischen Steinbruchbetriebe (BWS) gaben aber schon damals an, den Erweiterungsantrag weiter verfolgen zu wollen. Die Heilbronner Stimme berichtete mehrfach. 

Mögliche Erweiterung des Steinbruchs in Gundelsheim: Nicht-öffentliche Besprechungen

Nun flammt die Debatte in der Stadt wieder auf. In die Gemeinderatssitzung im Februar war BWS-Geschäftsführer Baptist Schneider zum nicht-öffentlichen Teil ins Rathaus gekommen. Warum? „Zu nicht-öffentlichen Themen kann ich keine Auskunft geben“, sagt Heike Schokatz auf Stimme-Nachfrage.

Warum das heikle Thema, das so viele Bürger interessiert, nicht-öffentlich besprochen wird? Schokatz bleibt vage: Das vorliegende öffentliche Interesse zur Erweiterung sei der Verwaltung durchaus bewusst und werde bei anstehenden Entscheidungen als sehr wichtig erachtet. Beratung und Beschlussfassung über die Verpachtung werde „selbstverständlich in öffentlicher Sitzung“ stattfinden, teilt die Bürgermeisterin in einer schriftlichen Stellungnahme mit. „Wann das genau der Fall sein wird, steht noch nicht fest.“ Der Gemeinderat habe zu entscheiden, ob für die Erweiterung städtische Flächen verpachtet werden sollen. 

BWS reicht neue Unterlagen ein: Steinbruch-Erweiterung in Prüfung

Gundelsheim ist nicht nur ein wichtiger Abbau- und Produktionsstandort der BWS, die Firma ist auch ein großer Gewerbesteuerzahler für die Stadt. Das Unternehmen äußert sich auf Stimme-Anfrage nicht und lässt einen schriftlichen Fragenkatalog sowie telefonische Anfragen unbeantwortet.

Wird der Steinbruch in Gundelsheim doch erweitert? Nachdem sich der Gemeinderat 2023 dagegen entschied, könnte das Thema jetzt wieder aktuell werden.
Wird der Steinbruch in Gundelsheim doch erweitert? Nachdem sich der Gemeinderat 2023 dagegen entschied, könnte das Thema jetzt wieder aktuell werden.  Foto: Archiv/Rudolf Landauer

Eine Nachfrage beim Landratsamt Heilbronn ergibt, dass BWS dort Ende Dezember 2025 weitere und aktualisierte Unterlagen eingereicht hat, unter anderem zu Themen wie Artenschutz und Hydrologie sowie Unterlagen, die die Waldumwandlung betreffen. Das Amt Bauen und Umwelt prüfe aktuell die Vollständigkeit der Unterlagen. „Das Verfahren wird 2026 fortgeführt“, so das Landratsamt weiter. Über den Antrag einer Erweiterung des Steinbruchbetriebs entscheidet das Landratsamt als Genehmigungsbehörde.

Bürger aus Gundelsheim äußern Kritik an möglicher Erweiterung und am Vorgehen

Viele Bürger treibt das Thema um. In der Gemeinderatssitzung im März sprechen einige davon in der Fragestunde die Verwaltung direkt auf die Erweiterung an, erhalten von Bürgermeisterin Heike Schokatz aber keine Antworten: „Dazu kann und will ich mich nicht äußern.“ Im Gemeindeblatt der Stadt Gundelsheim, bei der Gemeinderatssitzungen oft sehr genau protokolliert sind, werden die direkten Nachfragen der Bürger zur Steinbrucherweiterung übrigens nicht erwähnt.

Einer der Bürger, die sich in der Sitzung äußerten, ist Werner Schäfer. Er sagt: „Man will vollendete Tatsachen schaffen und der Bevölkerung keine Entscheidungsmöglichkeit geben.“ Gundelsheim habe Haushaltsprobleme und hänge sich an die „Geldquelle Steinbruch“. Dazu kommt: Die Erweiterungsfläche liegt in einem Wasserschutzgebiet. „Mit dem Gut Trinkwasser muss man sorgsam umgehen“, sagt Schäfer. Der Erhalt der Wasserquelle sei für viele Bürger elementar.

Steinbruch Gundelsheim: Bürger warnen vor Folgen für Wald und Wasser

„Wenn der Wald weggeräumt wird, fehlt es an Ausgleichsfläche. Und die Gehölze auf der Erweiterungsfläche sind ökologisch wichtig“, so der Gundelsheimer, der von alten Eichenbaumbeständen spricht. Werner Schäfer ist Teil der Interessensgemeinschaft Wald und Wasser (IG), die 2018 ins Leben gerufen wurde und sich massiv gegen die Steinbrucherweiterung ausspricht. 

Auch Martin Oheim hat Fragen an die Verwaltung. Sein Vater war 24 Jahre Bürgermeister in Gundelsheim. Beim Thema Steinbrucherweiterung sei Martin Oheim, wie er sagt, „hin und her gerissen“. Er sehe die wirtschaftliche Seite, aber auch das Thema Wasserversorgung. „Das Thema Wasser gewinnt immer mehr an Bedeutung.“

Steinbruch-Streit in Gundelsheim: Bürgerentscheid als Lösung?

Der Gemeinderat sei inzwischen deutlich verjüngt, habe die Entwicklungen der vergangenen Jahre nicht so mitbekommen. Auch Oheim wünscht sich von der Verwaltung „völlige Transparenz“, sagt, dass die Verwaltung aus der Vorgehensweise von 2023 nichts gelernt habe. Er könne sich einen Bürgerentscheid gut vorstellen. „Dann haben wir eine demokratische Entscheidung.“

Eine Entscheidung durch die Bürger könne sich auch Heike Schokatz grundsätzlich weiter vorstellen. Mit Gegnern und Bedenkenträgern wie der IG sei man „jederzeit gesprächsbereit“, teilt die Bürgermeisterin mit. Ein konkretes Austauschformat sei im Moment aber noch nicht geplant. 

Der Steinbruch als Wirtschaftsfaktor in Gundelsheim

Und dann ist da noch besagte wirtschaftliche Seite: Die BWS sei ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Gundelsheim, teilt die Stadt mit. Der Steinbruch bringe wichtige Gewerbesteuereinnahmen, durchschnittlich 300.000 Euro pro Jahr. Der Einbau- und Abbauzins betrage jährlich rund 100.000 Euro. Diese Einnahme verbleibe komplett im städtischen Haushalt, die Gewerbesteuer aufgrund von Umlagezahlungen nur um rund 30 Prozent.

Wie in der Stadt zu hören ist, äußern manche bei der Thematik Zweifel, sprechen von „Halbwahrheiten“. Die Gewerbesteuer würde demnach nicht enden, wenn der Abbau beendet sei, es bestünde Verfüllungsverpflichtung. So lange die Betriebsstätte existiere, habe Gundelsheim das Heberecht für Gewerbesteuer. Eine Erweiterung sei, so die Kritiker, deshalb nicht zwingend notwendig.

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