Stadt Neudenau ersteigert historische „Krone“ – was hinter dem Kauf steckt
Die Stadt Neudenau hat das historische Gebäude in der Hauptstraße 25 ersteigert. Im ehemaligen Gasthaus "Zur Krone" befindet sich eine Bäckerei. Was die Kommune mit dem Kauf bezweckt.

Die Stadt hat das historische Gebäude Hauptstraße 25, besser bekannt als ehemaliges Gasthaus „Zur Krone“ gekauft. Bei der Versteigerung durch das Amtsgericht wurde der Wert mit 580.000 Euro angegeben, bezahlt hat man 433.000 Euro. „Davon können wir eine 60-prozentige Förderung noch abziehen“, betont Bürgermeister Jochen Hoffer. Ziel ist, die Nahversorgung mit dem Bäcker zu erhalten. Aber auch die zentralen Stellplätze sollen bleiben. „Wir haben in der Altstadt eine Not an Parkplätzen.“
Bäckerei in Haus: Stadt Neudenau will nicht am Mietverhältnis rütteln
Da man bei einem Verkauf an einen privaten Investor nicht wissen konnte, was mit dem Gebäude und vor allem dem Bäcker geschieht, habe der Gemeinderat schon im November beschlossen, das Grundstück samt Gebäude und Parkplätzen zu erwerben, um die Nahversorgung zu sichern. Die Stellplätze werden auch für das direkt angrenzende Rathaus genutzt.
Die Vermietung bleibe erst mal bestehen. Das Ziel, das Rathaus im direkt benachbarten Gebäude Hauptstraße 25 zu erweitern, sei nachrangig, betont der Neudenauer Bürgermeister. Das Sanierungsgebiet „Kronengasse/Frühmessgasse“ wurde um die Krone und das Gebäude und die Scheune Turmstraße erweitert. Hier sollen Parkplätze für die Besucher des Schlosses und der Altstadt angelegt werden.
Für diese Maßnahme, den Kauf und die Beseitigung von städtebaulichen Mängeln in der Krone stehen insgesamt 1,85 Millionen Euro an Haushaltsmitteln zur Verfügung. In einer heimatgeschichtlichen Beilage hat Elisabeth Straßer die bis ins 17. Jahrhundert zurückreichende Vergangenheit des Gebäudes recherchiert.
Historisches Haus in Neudenau: Keller gehörte einst dem Kurfürstentum Mainz
Das Rundbogentor mit dem Zugang zum größten Gewölbekeller in Neudenau ist auf das Jahr 1631 datiert. Der „repräsentative Zierfachwerkbau“ zeichnet sich durch vorkragende Stockwerke aus. Das Ensemble am Marktplatz ist denkmalgeschützt. In der Mitte wacht der Erzengel Michael vom Brunnen aus. Die alte Stadtkirche, deren Turm heute noch vorhanden ist, wurde 1330 am Fest des Heiligen Michael eingeweiht.
Vermutlich ist die spätere Krone schon 1624 erbaut worden, schreibt Elisabeth Straßer, und zwar von Jacob Goos als „ehrsamer wohllöblicher churmainzischer Keller von Neudenau und Herbolzheim“. 1359 hatte Erzbischof Gerlach Deitingen, 1361 Herbolzheim und 1364 Neudenau von Burkhard Sturmfeder gekauft. Das Kurfürstentum Mainz hatte die Territorialherrschaft über Neudenau von 1364 bis 1803. Der Verwalter im Schloss übergab das Gebäude 1641 an seinen Sohn Conradt, der Stadtschreiber in Neudenau war.
Um 1700 war im Haus eine Gastwirtschaft, die wohl mal „Krone“ und mal „Rößlein“ geheißen haben könnte. Die Besitzer wechselten immer wieder, bis 1858 Franz Fischer und Viktoria Mudler, die Großeltern von Josefine Weihrauch dort einzogen. Hans Roth richtete die Bäckerei mit Café ein.
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