Serie "An meinem Tisch": Mit Werbung bedruckte Kickertische sind die Spezialität der Ilsfelder Firma Promokick. Inhaber Martin Gauger ist seit 35 Jahren im Geschäft. Er verkauft auch Ersatzteile.
Ein seltener Anblick: Martin Gauger und seine Mitarbeiterin Kerstin Schäfer am Tischkicker. "Normalerweise spiele ich nur auf Messen", sagt der Promokick-Chef.
Foto: Ralf Seidel
"Willkommen im Kuhstall", sagt Martin Gauger. 1993 ist er mit seiner Firma Promokick in das umgebaute landwirtschaftliche Gebäude von Neckarsulm nach Ilsfeld gezogen. Hier ist viel Platz für die Tischkicker, mit denen er seit 35 Jahren sein Geld verdient. Modelle mit geraden oder schrägen, mit schwarzen oder grauen Tischbeinen. Allesamt unterschiedlich bedruckt - sei es mit Werbung für den Eistee eines weltbekannten Getränkeherstellers oder für die Produkte einer deutschen Molkerei. Kundenverkehr gibt es allerdings selten. Das Geschäft läuft online. Auch gespielt wird fast nie: "Das ist ja der Running-Gag: Davon bekomme ich Sehnenscheidenentzündung", gesteht der 57-Jährige.
In Sachen Tischfußball kann ihm trotzdem kaum einer was vormachen. "Kickern an sich ist länderspezifisch. Der Spanier spielt anders als der Deutsche, der Amerikaner anders als der Italiener", sagt Martin Gauger. "Die einzige Gemeinsamkeit: Alle Tischkicker haben acht Stangen."
Jede Nation hat ihre Vorlieben
"Der Deutsche will den Ball klemmen und kontrollieren", beschreibt Gauger weiter. Dafür braucht die Fußballer-Figur "ein rundes Füßle". Die Spielfläche ist aus Resopal. Der Italiener spielt mit "eckigem Füßle" auf Glas. "Da bewegt sich der Ball schneller hin und her und es gibt ein Tick-Tock-Tick-Tock-Geräusch." Der Amerikaner bevorzugt ein "spitzes Füßle" und hat auf jeder Seite drei Torwarte. Der Spanier spielt nicht mit Hartkunststoff-, sondern mit Aluminiumfiguren. Auch die Bälle unterscheiden sich: "Der Deutsche bevorzugt den rauen, der Italiener den fatzenglatten", so Gauger.
"Die Italiener behaupten ja, sie hätten Calcetto oder Calcio balilla, wie es dort heißt, erfunden", sagt der Vater von zwei erwachsenen Kindern. Unterschreiben würde er das nicht. Aber von Beginn an arbeitet er mit einem italienischen Hersteller zusammen. Sein Kundenkreis dagegen hat sich verändert. "Ich bin relativ früh auf die Nürnberger Spielwarenmesse gegangen, um den Fachhandel zu bedienen. Aus der Kneipe raus in den Privathaushalt", beschreibt er diesen Prozess.
Die Idee, Kickertische mit Werbung bedrucken zu lassen, hatte er 1996. Ein großer Sportartikel-Hersteller fragte nach, ob er Tischkicker mit dessen Firmenlogo bekleben könne - das empfand Gauger als unprofessionell. Stattdessen entwarf er seinen ersten Promotionkicker. "So ging es los." Bis heute sind die Werbemittel-Händler, "die auch Kugelschreiber verkaufen", seine Hauptabnehmer.
"Wir produzieren just in time", erklärt der gelernte Kaufmann. Fürs Design arbeitet er mit einem Heilbronner Grafiker zusammen. "Die Daten werden nach Italien geschickt, zwei Wochen später bekommt der Kunde seinen Tischkicker" - ganz gleich, ob es sich um ein Einzelstück oder um eine Bestellung in vierstelliger Zahl handelt. Noch heute freut sich Martin Gauger, wenn wieder ein Lkw, vollbepackt mit individuell bedruckten Exemplaren in Ilsfeld ankommt.
Spieler in allen Variationen können Kunden bei Martin Gauger nachbestellen. Auch andere Ersatzteile, wie Lager oder Bälle hat er vorrätig.
Foto: Ralf Seidel
Ein nachhaltiger Werbeartikel
Tischfußball ist für den Bönnigheimer ein "soziologisches Phänomen": Man braucht keine Spielregeln und irgendwie kann's jeder, unabhängig vom Alter oder der Nationalität. Es macht Spaß und fördert die Kommunikation." Zudem sei ein Tischkicker ein sehr nachhaltiger Werbeartikel - "weil er lange am selben Platz stehenbleibt".
Wenn doch mal was kaputt geht, hat Martin Gauger die Ersatzteile. Die Mini-Fußballer lässt er in einer Spritzgussfirma in Flein herstellen. Aber auch Lager, Bälle, Griffe können die Kunden bei ihm mindestens zehn Jahre lang nachbestellen. Im Regal hat er zudem Figuren, "die es schon lange nirgends mehr gibt".
Zwischen 400 und 1400 Euro kosten die verschiedenen Modelle der Marke Kickerland in Gaugers Sortiment. Während der Fußball-EM 2024 in Deutschland standen in den Lounges aller Stadien Kickertische aus Ilsfeld. "Die Uefa hat sie bei uns bestellt", ist er stolz. Europa- und Weltmeisterschaften sind generell wichtige Ereignisse für Promokick: In solchen Zeiten steigen nicht nur die Verkaufszahlen, auch die Nachfrage nach Leihexemplaren ist hoch: "Dafür haben wir unsere Schwarz-Weiß-Standard-Kicker." Aber auch Schulen gehören zur Kundschaft - der Ort, an dem Jugendliche oft zum ersten Mal mit dieser Freizeitbeschäftigung in Kontakt kommen.
Als sich Martin Gauger vor rund 35 Jahren selbstständig gemacht hat, lag sein Schwerpunkt noch auf dem Direktvertrieb von Billardtischen. Bis zur Finanz-und Wirtschaftskrise 2008/2009 habe er sogar selbst einige Modelle konstruiert und von ortsansässigen Schreinern anfertigen lassen. "Ende der 1980er-Jahre gab es einen Billardboom, bedingt durch den Hollywood-Film ,Die Farbe des Geldes' mit Paul Newman und Tom Cruise", erzählt Gauger. Selbst Oberliga-Spieler, habe er damals "die verrückte Idee" gehabt, deutsche Billardtische in Amerika zu verkaufen - mit einer kleinen Filiale in Milwaukee. "Ich habe große Billardhallen ausgestattet." Nach dem 11. September 2001 sei das USA-Geschäft eingebrochen. 2010 hat er den Geschäftszweig Billard ganz eingestellt: "Der Markt war gesättigt."
Martin Gauger hatte früher auch eine eigene Dart-Marke, die er inzwischen verkauft hat. "Angefangen hat es mit 'Herr der Ringe'", blickt er auf die Verbreitung dieses Spiels in Deutschland zurück.
Außer Tischkickern der Eigenmarke Kickerland vertreibt seine Firma Promokick seit fünf Jahren auch bedruckte Tischtennisplatten.
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