Stimme+
Nur noch in HD

SD-Übertragung bei ARD eingestellt: So kommen Verbraucher zurecht

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Seit 7. Januar werden Das Erste und die Dritten nicht mehr in SD-Qualität übertragen. Wer keine HD-fähige Technik hat, kann die Programme nicht mehr empfangen. TV-Techniker aus der Region berichten, wie Verbraucher mit der Umstellung umgehen. 


Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Die ARD sendet Das Erste und ihre dritten Programme seit 7. Januar nur noch in HD-Qualität, das SD-Angebot wird abgeschaltet. Für die meisten modernen TV-Geräte stellt das kein Problem dar: Es reichen ein Sendersuchlauf und eine entsprechende Umprogrammierung aus.

Bei älteren Fernsehern beziehungsweise Receivern wird eine Aufrüstung auf HD-fähige Geräte nötig. Doch für Mieter in größeren Häusern oder Menschen in Einrichtungen mit vielen Fernsehern wie in Altenheimen, Krankenhäusern, Justizvollzuganstalten oder Hotels ist es nicht immer so einfach. Dort muss auch die Verteileranlage im Haus HD-fähig oder rechtzeitig aufgerüstet worden sein.

SD-Übertragung bei ARD eingestellt: Was das bedeutet

Die ARD informierte auf den betreffenden Kanälen schon länger mit eingeblendeten Banden über die Umstellung. Auch online werden viele Informationen zur Verfügung gestellt, inklusive Erklärvideos und Anleitungen zur Programmsortierung.

Doch erreicht der Rundfunk damit diejenigen, die diese Hilfe am meisten brauchen, oder herrscht noch Überforderung bei den Verbrauchern? Entsteht nun ein Run auf HD-fähige TV-Geräte und Receiver? Wie sieht es in den Häusern mit vielen TV-Geräten aus? Die Heilbronner Stimme hat bei lokalen Firmen für Fernsehtechnik, sowie in entsprechenden Einrichtungen nachgefragt.

Einige Heilbronner Verbraucher warten bei SD-Abschaltung der ARD bis zum Schluss

Zu Tobias Mayer vom Sat-Shop Heilbronn kamen die Kunden tatsächlich „kurz vor knapp“ und auch dann, als es schon „zu spät“ war und die Sender abgeschaltet wurden, trotz monatelanger Einblendungen auf den Sendern. Viele haben bis zum Schluss gewartet. „Man merkt es vor allem bei den älteren Leuten“, sagt Mayer.

Das Problem liege auch oft nicht an den Endgeräten der Kunden. „Die Leute haben schon alle HD-Geräte.“ Vielmehr seien die Verteileranlagen in Mietshäusern oder in großen Einrichtungen, auf denen ein Fernsehsignal auf dutzende TV-Geräte umgesetzt werden muss, nicht HD-tauglich.

Wurde die Technik nun nicht rechtzeitig aufgerüstet, könnten Altenheime, Krankenhäuser, Justizvollzuganstalten oder Hotels keine ARD-Sender mehr empfangen.

In der JVA Heilbronn läuft Das Erste in HD

Andreas Vesenmaier, Einrichtungsleiter der JVA Heilbronn, teilt auf Nachfrage mit, dass rechtzeitig Schritte unternommen wurden, um die betroffenen Kanäle nun in HD zu empfangen: „Fernsehen ist in der JVA ein großes Thema – ohne sind die Gefangenen von Informationen abgeschnitten.“

Die Umstellung des Verteilersystems hat aber auch Kosten verursacht. Diese werden nun über die Pauschale, die Gefangene für das Fernsehen ohnehin zahlen müssen, auf sie umgelegt.

Sender nur noch in HD: Viele Verbraucher über ARD-Umstellung nicht richtig informiert

In Brackenheim ist die Abschaltung der SD-Übertragung zwar spürbar, hält sich aber in Grenzen. Laut Tarik Durukau von Federmann Elektrotechnik gibt es Anfragen, der große Run bleibe jedoch aus. Viele Kunden seien nicht richtig informiert worden. „Dass nur bei der ARD abgeschaltet wird, das wissen viele nicht“, sagt er.

Anfragen für die entsprechenden Umstellungen in größeren Häusern beziehungsweise Einrichtungen mit entsprechenden Verteilersystemen habe es auch gegeben, das sei aber weniger dramatisch.

Das sind überwiegend tatsächlich ältere Leute

Timo Engelhardt

Bei Informationstechnik Eberwein in Heilbronn-Böckingen war die Abschaltung ab Mitte November durch Anfragen spürbar. Ab Anfang Dezember stieg die Nachfrage nach HD-fähigen Geräten merklich. Aber auch kurz vor knapp erreichten das Unternehmen noch Anfragen.

„Das sind überwiegend tatsächlich ältere Leute“, sagt der Geschäftsführer Timo Engelhardt. Auf Betreiber größerer Verteileranlagen, wie zum Beispiel Pflegeheimen, die Eberwein betreut, ist die Firma aktiv zugegangen und hat entsprechende Umrüstungen vorgenommen.

„So eine Umrüstung ist finanziell nicht ganz ohne“, sagt Engelhardt. Auch deshalb sei es denkbar, dass manche Einrichtungen den Schritt nicht gegangen sind und aktuell die ARD-Kanäle nicht mehr empfangen, so der Geschäftsführer.

In Öhringen sind HD-fähige Fernseher gefragt

Die Abschaltung bekam man auch im Euronics in Öhringen zu spüren. „Am Montag haben sehr viele Leute angerufen“, berichtet Inhaber Dietrich Sinn. Denn der Elektrofachmarkt bietet auch Beratungen sowie einen Heim-Service an. „Obwohl wir mit allen verfügbaren Kräften daran arbeiteten, waren wir schnell für zwei Tage ausgebucht“, berichtet Sinn.

Dabei habe nicht jeder Probleme: „Es betrifft wirklich nur die älteren Geräte, HD gibt es seit über zehn Jahren und ist heutzutage Standard bei Fernsehen“, erklärt Sinn. Aber mehrere 100.000 nicht HD-fähige Geräte würde es bestimmt noch geben in deutschen Haushalten, vermutet er.

Doch auch hier beruhigt er: „Man muss sich nicht zwingend ein Neugerät kaufen“, erklärt der Fachmann. „Es geht auch ein Receiver, über den man HD empfangen kann.“

Bisher konnten das Erste Deutsche Fernsehen und die Dritten Programme auch in SD empfangen werden. Das bedeutet „Standard Definition“, also eine Bild-Auflösung, die weniger Bildpunkte – auch Pixel genannt – sendet und somit eine geringere Bildqualität hat. Das Signal gilt seit Jahren als veraltet. Es wird nach und nach abgeschaltet und durch HD, „High Definition“, also eine hohe Auflösung ersetzt. 

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben