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Schulsozialarbeit: Städte verlangen mehr Geld vom Land

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In der Region Heilbronn ist Schulsozialarbeit aus vielen Grund- und weiterführenden Schulen nicht mehr wegzudenken. Bad Rappenau stößt eine Diskussion um die Finanzierung an.

Streitschlichtergespräche bei Konflikten unter den Schülern sind ein Schwerpunkt in der Schulsozialarbeit von Julia Prinz an der Grundschule Eberstadt.
Streitschlichtergespräche bei Konflikten unter den Schülern sind ein Schwerpunkt in der Schulsozialarbeit von Julia Prinz an der Grundschule Eberstadt.  Foto: Döttling, Gustav

Vor einigen Jahren war Schulsozialarbeit nur ein Thema an wenigen weiterführenden Schulen. Das hat sich in der Region gewandelt, beispielsweise in Bad Rappenau. „Mittlerweile ist es auch ein großes Thema an Grundschulen“, sagt Hauptamtsleiter Wolfgang Franke. Zuletzt hatte die Stadt in diesem Bereich sogar personell aufgestockt. Nur: Bei der Finanzierung fühlt sich Bad Rappenau allein gelassen.

Fast eine halbe Million Euro gibt Bad Rappenau im laufenden Jahr für die Schulsozialarbeiter aus, gut 350.000 Euro davon schultert die Kommune allein. Vor ein paar Jahren sei zumindest in politischen Diskussionen anderes in Aussicht gestellt worden: Da sei von einer Drittel-Finanzierung gesprochen worden, weiß Wolfgang Franke. Land, Landkreis und die Kommunen teilen sich gleichmäßig die Ausgaben, so die Haltung damals. Davon ist Bad Rappenau weit entfernt: Vom Land kommen laut Wolfgang Franke 75.000 Euro, vom Landkreis knapp 68.000 Euro.

Schulsozialarbeit: Die meisten Kosten bleiben bei den Städten und Gemeinden hängen

Schulsozialarbeit ist eine freiwillige Aufgabe von Kommunen, allerdings seien Schulen um Schulsozialarbeit froh, so Wolfgang Franke. In Zeiten leerer Kassen von Kommunen sei die Finanzierung ein Thema, betont er. „Dieses Jahr planen wir keine Erhöhung bei der Schulsozialarbeit.“

In Heilbronn ist die Situation ähnlich. „Die Aufwendungen für Schulsozialarbeit haben sich in den zurückliegenden Jahren stark verändert, da einerseits die Anzahl der Stellen deutlich ausgebaut wurde, Schulsozialarbeit durch eine tarifliche Anhebung und die Lohkostenentwicklung allgemein deutlich profitiert hat und gleichzeitig das Land seine Co-Finanzierung seit 2012 unverändert bei 16.700 Euro belassen hat“, betont Achim Bocher, der im Rathaus das Amt für Jugend, Familie und Soziales leitet. 

Auch er könne sich an andere Gespräche erinnern. „Ursprünglich war vorgesehen, dass das Land ein Drittel der Schulsozialarbeit finanziert.“ Es habe zwar in den zurückliegenden Jahren die absolute Anzahl an geförderten Stellen erhöht, jedoch den Förderbetrag unverändert gelassen. „Die Stadt Heilbronn kritisiert diese Vorgehensweise seit Jahren“, so Bocher. Die Förderpraxis des Landes müsste der Höhe nach auf mindestens 25.500 Euro pro Stelle erhöht werden. „Das Antragsverfahren müsste im Sinne der Entlastungsallianz des Landes deutlich entbürokratisiert werden, und die Fördermodalitäten müssten auch berücksichtigen, dass die Schulen im Land – sowohl von den Belastungsfaktoren, als auch von der Größe – sehr unterschiedlich sind.“

Die Stadt Heilbronn baut die Schulsozialarbeit aus

Die Stadt Heilbronn baut die Schulsozialarbeit aus. Dieses Jahr rechnet die Stadt fürs eigene Personal, Betriebskosten sowie für die Zusammenarbeit mit freien Trägern mit Ausgaben in Höhe von 2,6 Millionen Euro, vom Land kommen 167.000 Euro. Kommendes Jahr steigen die Ausgaben auf 3,2 Millionen Euro, die Landesförderung beträgt 204.500 Euro.

Der Landkreis Heilbronn fördert nach eigenen Angaben die Schulsozialarbeit entsprechend der Richtlinien, die 2007 verabschiedet wurden. „Der jährliche Zuschuss des Landkreises beträgt ein Drittel der Personalkosten der sozialpädagogischen Fachkräfte, höchstens jedoch 15.000 Euro je Vollzeitkraft“, heißt es dazu aus dem Dezernat Jugend und Soziales. 2021 unterstützte der Kreis 70 Stellen mit fast 1,1 Millionen Euro, im Jahr 2025 sind es wohl 1,3 Millionen Euro, die für 88 Stellen investiert werden.

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